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Aachen: Dolmetscher in der Hosentasche: Übersetzungssoftware lernt sprechen

Aachen : Dolmetscher in der Hosentasche: Übersetzungssoftware lernt sprechen

London, 8.30 Uhr: harte Verhandlungen auf Englisch. Zwischenstopp in Paris: Tête-à-tête mit der Stewardess. Flug nach Madrid, die Unterhaltung fließt - auf Spanisch. Bald sollen auch weniger Sprachbegabte solche Ochsentouren meistern können. Denn Übersetzungsprogramme werden mobil, sie erkennen gesprochene Sätze, und sie sprechen.

Weil PDAs und Smartphones heute so viel drauf haben wie vor Jahren Rechenzentren, rückt der elektronische Dolmetscher für die Hosentasche immer näher. Bis es soweit ist, helfen die aktuellen Programme - auch sie können schon eine ganze Menge.

Den ersten Schritt auf dem langen Weg zum Taschendolmetscher hat Langenscheidt mit der neuen Reihe „TransSpeak” schon zurückgelegt. Spracherkennung, Übersetzung und Sprachausgabe wurden in der Software für PDAs und Smartphones kombiniert: Das Programm erkennt gesprochene deutsche Sätze und gibt sie in Englisch, Französisch oder Spanisch auf dem Display wieder.

Gleichzeitig ertönt die Übersetzung über den Lautsprecher des Gerätes. Wer etwa fragt: „Haben Sie freie Zimmer?”, kann den Satz zunächst in seinen digitalen Taschencomputer sprechen und dann der Rezeptionistin in Paris, London oder Madrid vor die Nase halten. Das funktioniert aber nur bei 1200 ausgewählten Beispielen.

Laut Langenscheidt in München enthält die Datenbank die am häufigsten benötigten Sätze aus den Bereichen Reise, Einkaufen oder Smalltalk. „TransSpeak” ist für PDAs und Smartphones mit den Betriebssystemen Pocket PC 2002 oder 2003, Smartphone 2002 oder 2003 sowie Windows Mobile 5.0 und Windows Mobile Second Edition (SE) erhältlich. Für Englisch, Französisch und Spanisch kostet die Software je knapp 30 Euro. Eine Version mit allen drei Sprachen kostet knapp 60 Euro.

Mobile Kunden hat auch Lingvosoft aus Berlin mit dem „Sprechenden Übersetzer 2007” für Pocket-PCs im Visier. Das Programm ist aber kein Dolmetscher, sondern ein Volltextübersetzer, der Briefe oder E-Mails vom Deutschen ins Englische und umgekehrt überträgt. Die Texte lassen sich laut Lingvosoft als Textdatei importieren, über die Zwischenablage einfügen oder über eine virtuelle Tastatur eingeben.

„Sprechend” heißt das Programm, weil es eine Sprachausgabe hat und der Nutzer sich den übersetzten Text vom PDA auch vorlesen lassen kann. Der „Sprechende Übersetzer 2007 Englisch-Deutsch für Pocket PC 1.1.15” kostet in der Vollversion knapp 100 Euro. Das Programm arbeitet auf Pocket-PCs mit den Betriebssystemen Pocket PC 2003, Windows Mobile Second Edition (SE) und Windows Mobile 5.0.

Nicht mobil, aber dafür vielseitig ist der „Power Translator 11 Professional” von LEC, den Avanquest aus München vertreibt. Sieben Sprachen in acht Sprachpaaren kann die Software übersetzen: Deutsch nach Englisch, Französisch und Italienisch und jeweils umgekehrt sowie Englisch nach Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch und Portugiesisch - und ebenfalls jeweils umgekehrt.

Wie es für Volltext-Dolmetscherprogramme inzwischen zum guten Ton gehört, übersetzt der Power Translator komplette Word-, RTF- und PDF-Dateien. Als Add-In kann er in Anwendungen wie Internet Explorer und - das ist in Version 11 neu - in Microsoft Outlook sowie den Browser Firefox eingebaut werden. Für die Bereiche IT, Wirtschaft, Medizin und Recht sind eigene, erweiterbare Wörterbücher enthalten.

Der „Power Translator 11 Professional” kostet knapp 200 Euro. Die internationale Kommunikation zwischen Experten steht im Fokus der neuen „translate”-Programme von Lingenio, herausgegeben von digital publishing. „translate 10” gibt es nur für Englisch und Französisch - in den Varianten: „quick”, „plus” und „pro”.

Im Vergleich zur Vorgängerversion wurde die Software um integrierte Fachwörterbücher erweitert: Sie umfassen Bereiche wie Recht, Wirtschaft, Medizin, Technik, IT oder Banken und Versicherungen. Funktionen wie das Erkennen der Sprache, von Themengebieten oder Namen steigern den Arbeitskomfort. Die Versionen „plus” und „pro” verfügen über Firefox-Plug-Ins, so dass sie sich in den Browser integrieren lassen und während des Surfens Webseiten und PDFs übersetzen können. „translate quick” kostet knapp 50 Euro, „plus” ist für knapp 100 Euro erhältlich, „translate pro” kostet knapp 250 Euro.

An zwei weiteren Schwergewichten auf dem Volltextübersetzer-Markt feilten die Entwickler zuletzt noch: Der Nachfolger der aktuellen Langenscheidt-Software „T1 6.0” kommt frühestens Anfang 2008 in die Verkaufsregale.

Der „Personal Translator 2008” von Linguatec soll zur Computermesse CeBIT im März verkaufsfertig sein. Das Programm wird laut Linguatec dann in 14 „Sprachrichtungen” und 21 Desktoplösungen vorliegen. Eine ausgeklügelte Statistik soll die Übersetzung von langen, komplexen Sätzen verbessern.

Die Wörterbücher werden um 150.000 Einträge erweitert. Die Nachschlagefunktion soll bei Berührung mit dem Maus-Zeiger den passenden Wörterbucheintrag anzeigen oder vorlesen. Software für PDAs und Smartphones plane Linguatec nicht, sagte eine Sprecherin des Münchner Softwarehauses auf Anfrage. „Es steht aber immer wieder zur Diskussion.”