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Digitalisierung: Wie weit sind die Nachbarländer Deutschlands?

Vorreiter : Digitalisierung: Wie weit sind die Nachbarländer Deutschlands?

Digitale Städte in China, in Japan überall High-Speed-Internet – und sogar unweit von Aachen entfernt verzeichnet man in den Niederlanden deutliche Erfolge, was die Digitalisierung betrifft. Wie soll Deutschland da überhaupt mithalten?

Obwohl die digitale Revolution EU-weit wesentlich langsamer voranschreitet als beispielsweise im asiatischen Raum, tut sich in zahlreichen EU-Ländern noch immer mehr als hierzulande. Was kann die Bundesrepublik von europäischen Digitalisierungsvorreitern lernen? Hier sind drei Beispiele.

Niederländer vertrauen auf den e-Staat

Bei der digitalen Transformation geht es den Niederlanden insbesondere um eine Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen. Mehr als 90 Prozent aller Behördendienstleistungen sind mittlerweile digitalisiert. Verwendet werden die e-Government-Angebote von über 80 Prozent der Bevölkerung. Die Akzeptanz der Digitalisierung ist entsprechend groß. Und was ist mit dem Thema Datenschutz, das die digitale Transformation in Deutschland noch immer zu hemmen scheint?

Eine Cloud-Studie im Auftrag von Strato lässt vermuten, dass sich die niederländische Bevölkerung weniger um den Diebstahl digitaler Daten sorgt als die deutsche. Etwa die Hälfte aller Niederländer vertraut persönliche Digitaldaten beispielsweise bedenkenlos Online-Speichern an. Das Vertrauen in Datensicherheit im Internet scheint in den Niederlanden verglichen mit Deutschland sogar doppelt so hoch zu sein. In der Bundesrepublik traut sich nämlich höchstens ein Viertel, Gesundheits- und Finanzdaten in Cloud-Speichern abzulegen.

Was lernen wir von den Niederlanden?

Im Idealfall etwas Vertrauen in das Internet und andere digitale Lösungen. Vielleicht befindet sich Deutschland auf gutem Weg dazu. Zunehmend mehr Bundesbürger begrüßen mittlerweile zumindest digitale Daten in Gesundheits-Apps. Ein Schritt in die richtige Richtung.

Wieso gilt Finnland weltweit als einer der digitalisiertesten Staaten?

Finnland hat mittlerweile nicht nur die mit höchste Verfügbarkeit von schnellem und mobilem Breitband zu bieten. Davon abgesehen zeichnet sich der Staat ebenfalls durch eine hohe Digitalkompetenz innerhalb der Bevölkerung aus, die mit einer ebenso hohen Internetnutzung einhergeht. Digitale Geschäftskonzepte reichen hierzulande schon heute von Start-ups im Mobilitätsbereich bis hin zu neuen Ideen für den Lebensmittelsektor. Anders als in Deutschland werden die Innovationen dank der hohen Affinität zum Digitalen relativ bedenkenlos akzeptiert.

Ebenfalls bemerkenswert ist der digitale Fortschritt des finnischen Staats- und Gesundheitswesens. Wie in den Niederlanden haben die Bürger auch in Estland großes Vertrauen in ihren Staat, wodurch zum Datenschutz keine Bedenken laut werden. Abgesehen von diesem Hintergrund kommen auch das finnische Klima und die stabile Landespolitik der digitalen Transformation entgegen. Beide Faktoren machen Finnland zu einem optimalen Standort für Rechenzentren. Dasselbe gilt für die schnellen Datenleitungen und die preiswerten Stromangebote des Landes.

Was lernen wir von Finnland?

So wie die Bürger zeigen auch die finnischen Unternehmen eine hohe Bereitschaft, was die Integration digitaler Konzepte und die Cluster-Kooperation betrifft. Der daraus resultierende Austausch zwischen Betrieben ist ein echter Digitalisierungsbooster, der auch den Digitalisierungsfortschritt der deutschen Unternehmenslandschaft fördern könnte.

Was macht Estland zu einem europäischen Digitalisierungsvorreiter?

Estland hat bereits 2013 seine Digitalisierungsstrategie verabschiedet – nach Expertenmeinung eine höchst ambitionierte. Die Regierung will den Staat zukünftig als Digitalstaat positionieren. Erste Schritte in diese Richtung lassen sich schon heute erkennen. im Einzelnen hat Estland bereits viele Digitalisierungspläne verwirklicht. So beispielsweise papierlose Regierungsarbeit, kostenlosen Internetzugang und die digitale Vernetzung der Politik und Verwaltung.

Darüber hinaus gibt es bereits über 1000 staatliche Digitaldienstleistungen, beispielsweise zur Online-Unternehmensgründung. Auch intelligente Mobilität – beispielsweise Smart Parking – sowie Entwicklungsumgebungen für künstliche Intelligenz sind bereits im Land zu finden.

Was lernen wir von Estland?

Obwohl Estland nach e-Staat-Prinzip Datenbanken mit personenbezogenen Daten füllt, sieht das Land statt Big Data Distributed Data vor. Durch diese verteilte Datenspeicherung mit Authentifizierung ist es Finanzbeamten zum Beispiel nicht möglich, auf andere Informationen als Finanzdaten zuzugreifen. Die daraus resultierende Steigerung der Datensicherheit könnte die Digitalisierung auch in Deutschland fördern und als Vorbild gelten.

(rd)