1. Digital

Velbert-Langenberg/Berlin: Die Schule am Netz: Eine Online-Schülerzeitung selber gründen

Velbert-Langenberg/Berlin : Die Schule am Netz: Eine Online-Schülerzeitung selber gründen

Hoffentlich ist die Mathelehrerin morgen wieder gesund. Schließlich wird nächste Woche die Klassenarbeit geschrieben. Also, schnell den Computer an, und im Internet auf den Vertretungsplan schauen.

„Eine Online-Schülerzeitung kann viel schneller reagieren und ist immer aktuell”, sagt Ory Daniel Laserstein vom Verband Jugendpresse Deutschland in Berlin. Und mit der Idee im Kopf ist auch die Umsetzung kein Hexenwerk.

Chatten, mailen und in Foren stöbern - die meisten Schüler haben ein großes Interesse an den neuen Medien. „Sie sind sowieso viel online und betreiben teilweise auch privat Weblogs”, sagt Laserstein. Also ist es sinnvoll, auch als Schülerzeitungsmacher mit der Zeit zu gehen. „Außerdem ist die Online-Zeitung definitiv günstiger, birgt weniger Risiko und spart Papier.”

Um eine Online-Schülerzeitung ins Leben zu rufen, braucht es wie bei einem normalen Schülerblatt motivierte Mitstreiter: Leute für die Technik, für die Texte und Hobby-Fotografen. Die finden sich am einfachsten auf dem Schulhof: „Wenn man weiß, dass jemand gerne schreibt oder Fotos macht, sollte man ihn ansprechen und ihm von der Idee erzählen”, rät Laserstein. Auch der Deutschlehrer könne gebeten werden, in seinen Kursen Werbung zu machen oder schreibbegabte Leute zu empfehlen.

„Man braucht nicht nur Leute, sondern auch Leidenschaft”, sagt der 18-jährige Sebastian Hoffmann. Er ist einer der Chefredakteure von „GlaZe”, der Online-Schülerzeitung des Städtischen Gymnasiums in Velbert-Langenberg bei Wuppertal. „Neue Mitglieder werden gleich richtig eingebunden, das motiviert, wiederzukommen.” Wie in einer „echten” Redaktion sollte sich das Team der Online-Schülerzeitung regelmäßig treffen - „nicht, dass man anfängt, nur noch E-Mails zu schreiben”, warnt Laserstein.

Um die Inhalte der Zeitung online zu bringen, kann Speicherplatz von den zahlreichen Gratisanbietern aus dem Netz genutzt werden. „Ein Nachteil der kostenlosen Anbieter ist aber, dass die Seite dann viel Werbung enthält und die Leser das Interesse verlieren können”, warnt Laserstein. Einige Internetprovider bieten für 50 bis 100 Euro im Jahr das sogenannte Webhosting an: Sie verkaufen Speicherplatz und Domains wie www.schuelerzeitung-musterstadt.de und sorgen dafür, dass die Inhalte rund um die Uhr verfügbar sind.

„Vorgefertigte Lösungen bieten bekannte Dienstleister wie beispielsweise Strato oder 1&1”, erklärt Herbert Braun von der in Hannover erscheinenden Computerzeitschrift „c´t”. Für die Werbeplätze auf der Internetseite können dann selbstständig lokale Partner gesucht werden wie Fahrschulen, Reisebüros oder Buchläden.

Für die technische Organisation der Website kann eine einzelne Person bestimmt werden. Dieser sogenannte Webmaster ist dann hauptverantwortlich für die Pflege der Seite und das Einarbeiten der Beiträge. „Wenn der allerdings ausfällt, liegt die Seite lahm”, warnt Laserstein. Mit einem Content Management System (CMS) kann die Seite von mehreren Nutzern gemeinschaftlich erstellt und bearbeitet werden. Jeder Redakteur bekommt ein eigenes Login. „Gerade wenn die Inhalte komplexer sind und in verschiedene Rubriken unterschieden werden soll, ist ein CMS besser”, empfiehlt Braun.

Eine weitere Variante ist, die Zeitung als Weblog aufzubauen. „Dienste wie Blogger.com oder twoday.net bieten Weblogs an. Da kann man am Layout rumbasteln, ein paar Banner erstellen und gleich loslegen”, sagt Braun. Auch hier können mehrere Autoren mitmachen. „Der große Vorteil von Blogs ist, dass die Leser Texte aktiv kommentieren können”, sagt Laserstein. Allerdings erscheinen die Einträge immer chronologisch, und eine Unterteilung in viele Kategorien wird unüberschaubar.

Bei einer Online-Schülerzeitung sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt: „Sie bietet die Möglichkeit, sich nicht mehr nur mit Texten zu befassen, sondern auch auf andere Seiten zu verlinken und sogar Videos und Audiodateien einzubinden”, sagt Ulrike Wagner vom Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis in München. Voraussetzung ist allerdings, dass dabei keine Urheberrechte verletzt werden. „Die eigene Medien-Gestaltung bringt nicht nur Spaß, sie fördert in einer zunehmend mediatisierten Welt auch Fähigkeiten, die für die spätere Berufs- und Lebenswelt wichtig sind.”

Schülerzeitungen unterliegen der Pressefreiheit. „Sie sind das Sprachrohr der Schule und müssen nicht von der Schulleitung abgesegnet werden”, erklärt Laserstein. Gesetzliche Bestimmungen, beispielsweise zum Schutze der Jugend und dem Recht der persönlichen Ehre, müssen allerdings eingehalten werden. „Man darf natürlich keine Unwahrheiten verbreiten oder Lehrer beleidigen.” Ebenso dürfen keine Urheberrechte verletzt und fremde Texte oder Bilder einfach kopiert und veröffentlicht werden.

Wenn die Schülerzeitung nur online erscheint, untersteht sie zwar nicht dem presserechtlichen Pressebegriff. Jedoch ist laut Michael Bohne vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Universität Münster der verfassungsrechtliche Pressebegriff weiter gefasst: „Die bei Online-Zeitungen Beschäftigten verdienen genauso Schutz wie Mitarbeiter von Print-Medien.” Auch Schüler, die eine Online-Zeitung betreiben, können sich daher auf die Pressefreiheit berufen.