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Die digitale Welt: Die Füße und die Frage, wem der Weihnachtsmann gehört

Die digitale Welt : Die Füße und die Frage, wem der Weihnachtsmann gehört

Spätestens, seit es die Sozialen Medien gibt, dürfen die Kettenbriefe ihr glänzendes Comeback feiern. Sie sind meistens lang, und sie sind meistens nervig. Eigentlich scheint sie noch nicht mal jemand wirklich zu mögen, trotzdem machen sie erfolgreich die Runde wie frisch gebackene Vanillekipferl beim familiären Adventskränzchen.

Sie setzen auf Emotionen, wollen mal witzig sein, mal mitleiderregend, mal sind sie abstrus und drohen demjenigen, der sie nicht weiterversenden möchte, Unheil an.

Das Exemplar, das aktuell beim Messenger Whatsapp unterwegs ist, passt zu den weihnachtlichen Kipferln und gehört in die Kategorie „Möchte lustig sein“. Es geht nämlich um ein Rätsel, genauer um Füße, um einen Weihnachtsmann und um eine ganze Horde von Tieren. Sie alle werden als sich in einem Zimmer befindend aufgezählt. Der Nutzer soll nun angeben, wie viele Füße insgesamt im Zimmer stehen. Wer falsch antwortet, muss als „Strafe“ drei Tage lang einen Weihnachtsmann als Profilbild einstellen.

Das mag zwar ein bisschen albern klingen, erklärt aber immerhin, warum womöglich auch in der eigenen Kontaktliste momentan einige Weihnachtsmänner zugegen sind. Ein kleiner Spoiler vorab: Schenkt man der inzwischen ernsthaft verärgerten Internetgemeinschaft Glauben, gibt es nicht mal eine richtig eindeutige Lösung für das Weihnachtsmann-Tiere-Füße-Rätsel. Der Tenor im Netz: Die Formulierungen der Nachrichten seien viel zu schwammig. Keine Spur von Besinnlichkeit, trotz des Weihnachtsmanns. Ein Kettenbrief also, der pure Zeitverschwendung ist? Kaum zu glauben, oder?

Gar nicht albern dagegen ist das Urheberrecht an den Weihnachtsmännern: Wer Fotos als Profilbilder benutzt, deren Rechte er nicht besitzt, riskiert eine Abmahnung. Und kaum einer der Nutzer dürfte das Copyright am Weihnachtsmann haben. Ist der Rätsel-Spaß also gar nur eine Masche, um erst die Urheberrechtsverletzung zu forcieren und dann abzukassieren?

Das ist bislang nicht klar. Wer unbedingt mitmachen möchte, sollte also lieber auf einen selbst gezeichneten Weihnachtsmann zurückgreifen. Oder sich selbst als Weihnachtsmann oder -frau verkleiden und fotografieren – das wäre doch mal was. Option Nummer drei ist, den Kettenbrief, ebenso wie alle anderen Briefe dieser Gattung, zu ignorieren und zu hoffen, dass er irgendwann einfach wieder von den Smartphones dieser Welt verschwindet.

Und zum Schluss etwas, das hoffentlich ein bisschen besänftigende Besinnlichkeit bringt: Schätzen Sie doch mal, wie oft das Wort „Weihnachtsmann“ in dieser Kolumne vorkommt. Richtig geraten? Herzlichen Glückwunsch! Falsch geschätzt? Macht nichts. Egal, ob Sie richtig oder falsch lagen, Sie müssen überhaupt gar nichts machen – denn: Dies ist kein Kettenbrief. Zum Glück.