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Berlin: Der Joystick zum Touchscreen: Spiele-Zubehör für mobile Geräte

Berlin : Der Joystick zum Touchscreen: Spiele-Zubehör für mobile Geräte

Wer in der U-Bahn oder im Wartezimmer Zeit überbrücken will, greift gerne zu Smartphone oder Tablet. Gerade Spiele sind oft der ideale Pausenfüller. Mit dem passenden Zubehör wird aus dem Gerät sogar eine echte mobile Konsole - und die Auswahl an Gamepads, Joysticks und anderen Bauteilen ist groß.

„Seit rund ein bis eineinhalb Jahren entwickelt sich der Spiele-Zubehörmarkt für mobile Eingabegeräte”, sagt Hendrik Lesser, stellvertretender Vorsitzender beim Bundesverband der Computerspielindustrie GAME. Noch sei das allerdings eher ein Nischenmarkt. „Das größte Problem für die Entwickler ist die geringe Verbreitung von Spielen, die entsprechendes Zubehör unterstützen”, sagt Lesser.

Wer am Tablet dennoch nicht aufs Konsolenerlebnis verzichten will, hat verschiedene Zubehörgattungen zur Auswahl: „Da gibt es zunächst externe Controller, die per NFC oder Bluetooth gekoppelt werden”, sagt Benjamin Heinfling von der Computerzeitschrift „Chip”. Dazu kann das Telefon per Kabel oder drahtlos auch noch mit Fernseher oder Monitor verbunden werden und funktioniert dann tatsächlich wie eine Konsole.

Das Zubehör entspricht in Design und Bedienung herkömmlichen Controllern. Manche Geräte kommen aber auch im Retro-Arcade-Design daher, erklärt Heinfling. Er meint damit zum Beispiel Joysticks und große Buttons im Stil alter Spielhallengeräte. Trotz des altmodischen Looks arbeiten sie mit moderner Technik wie Bluetooth und NFC.

Wer eine wirklich mobile Lösung sucht, für den gibt es Controller-Hüllen: „Das Smartphone wird in ein Case mit variabler Schiene eingesetzt”, sagt Michael Knott vom Magazin „Netzwelt.de”. „Einige dieser Hüllen haben zusätzliche Akkus integriert, die die Laufzeit des Handys verlängern”, ergänzt „Chip”-Redakteur Heinfling. Die werden dann über den USB-Anschluss des Smartphones oder den Lightning-Connector von Apple-Geräten angeschlossen.

Dann gibt es noch die Möglichkeit, einen Joystick per Saugnapf auf den Touchscreen zu setzen. Dieser simuliert die Eingabe über die Fingerspitzen - Nutzer sind also nicht darauf angewiesen, dass das Spiel externe Steuergeräte unterstützt. Michael Knott ist von dieser Idee aber wenig begeistert. „Die Saugnapf-Joysticks haben zwei Nachteile”, sagt er. „Zum einen verdecken sie große Teile des Displays, zum anderen sind die Erkennungsraten nicht so gut”.

Ein Sonderfall sei allerdings die Steuerung von kleinen Flugmaschinen wie Quadcoptern, die häufig über Smartphones und Tablets gesteuert werden: „Hier funktionieren die Saugnapf-Joysticks hervorragend”, sagt Knott. Wenn der Pilot mit den Augen sein Fluggerät am Himmel verfolgt, sei die Lenkung mit einem Joystick genauer als mit den Fingern.

Die einfachste Form des Spielezubehörs sind schließlich Hüllen für Smartphone und Tablet, mit denen der Spieler die Geräte auch in hektischen Momenten immer gut im Griff hat. Dazu kommen noch Auflageflächen, mit denen das Tablet zum Beispiel auf den Knien nicht verrutscht - ideal zum Zocken mit zwei Händen oder für längere Partien. „Das hilft bei einigen Spielen sehr gut und ist mit drei bis vier Euro die günstigste Lösung”, so Knott.

Insgesamt kann aber kein Zocker-Zubehör die Experten wirklich überzeugen. „Wer eine mobile Konsole will, sollte sich lieber einen Gameboy oder eine Playstation Vita kaufen”, sagt Knott. Hinzu kommt, dass Programmierer sich oft nicht die Mühe machen, gezielt Spiele mit Controller-Steuerung zu entwerfen. „Viele Entwickler fragen sich, ob der Aufwand lohnt, für Zubehörgeräte zu programmieren”, erklärt Hendrik Lesser.

Außerdem büßen Smartphones und Tablets durch das Zubehör ihren größten Vorteil ein. Schließlich bedeutet der Touchscreen nicht nur eine Einschränkung, sondern ermöglicht auch neue Spielkonzepte, vor allem in Zusammenarbeit mit dem Bewegungssensor der Geräte. „Die Steuerung mit Wischgesten ist sehr intuitiv”, sagt Benjamin Heinfling. Zudem stünden die Reaktionszeiten der Touchscreens denen eines mechanischen Joysticks in nichts nach, ergänzt Michael Knott.

Die Nachteile eines Touchscreens, darunter mangelndes Feedback durch fehlende Druckpunkte und Unebenheiten durch Schweiß auf der Oberfläche, ließen sich durch intelligentes Spieldesign ausgleichen. Es gibt aber auch Ausnahmen: „Das größte Problem auf dem Touchscreen sind Shooter in 3D-Welten”, sagt Hendrik Lesser vom Verband der Computerspielindustrie. Sie seien für die Steuerung per Maus und Tastatur ausgelegt. Solche Titel lassen sich daher mit einem Controller oft erheblich besser steuern.

(dpa)