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Hamburg/Köln: Das Foto ist das Wichtigste: Wie man einen Online-Flirt anbahnt

Hamburg/Köln : Das Foto ist das Wichtigste: Wie man einen Online-Flirt anbahnt

Im Sommer flirtet es sich leichter: Gutes Wetter treibt nicht nur die Paare, sondern auch die Singles in die Strandbars und Discos, in den Park und ins Eiscafé. Und wer gute Laune hat, lässt sich ohnehin viel lieber auf neue Kontakte ein. Wenn „Mr. Right” oder die Traumprinzessin im Sommer aber mal wieder nicht dabei waren, droht häufig ein einsamer Winter. Kontakt zu anderen einsamen Herzen bieten Dating-Börsen im Internet.

Die Auswahl der Suchenden ist riesig - aber wer sich mit seinem Profil keine Mühe gibt und Dating-Regeln missachtet, wird wenig Erfolg haben.

„Das Wichtigste ist das Foto”, sagt der Autor und Kommunikationstrainer Eric Hegmann aus Hamburg. „Ohne Bild gibt es wenig Zuschriften - das Foto ist die Visitenkarte.” An die Macht des ersten Eindrucks erinnert auch Henning Wiechers, Geschäftsführer des Portals „singleboersen-vergleich.de” in Köln. „Viele sehen im Internet das Foto einer tollen Frau, melden sich schnell an und betrachten ihre eigene Präsentation als lästiges Übel - die Angeschriebene wird sich aber als erstes Ihr Profil anschauen.” Die Präsentation sei daher wesentlich. „Und mit den Digitalkameras heute geht das ja nun wirklich schnell.”

Noch schneller allerdings geht ein Mausklick zum Wettbewerber. Deshalb sollte das Bild nicht nur gut aussehen - es sollte auch darauf abgestimmt sein, was die Anzeige bezweckt: „Suche ich eher Spaß und Sex - also eine Affäre -, darf das Bild natürlich lockerer sein”, sagt Erich Hegmann. „Da wähle ich zum Beispiel ein gutgelauntes Strandfoto.” Wer mit so einem Motiv allerdings auf die Suche nach einer dauerhaften Bindung geht, suggeriere etwas Falsches.

Wichtig ist laut Wiechers auch, auf Spielereien wie Collagen oder Verfremdungen zu verzichten. Und Aufnahmen mit mehreren Personen oder ein Comic verwirren den Betrachter - „schließlich wollen Sie ja nicht andere, sondern sich präsentieren.” Auch der sogenannte Nickname kann Flirtinteresse wecken - oder für das sofortige Weiterklicken sorgen und sollte zum eigenen Stil passen.

Zudem sei ein bisschen Arbeit am Text unabdingbar: „Achten Sie auch auf die Rechtschreibung! Fehler schrecken ab”, sagt Henning Wiechers. Er empfiehlt zudem, negative Aussagen wie „Mein letzter Freund war der totale Reinfall, jetzt suche ich jemanden Neues” zu vermeiden. Auch „Mein Leben ist schrecklich langweilig, deshalb suche ich Abwechslung” verbiete sich - wer das schreibt, werde wenig Kontaktwünsche in sein Postfach bekommen.

Dazu muss die Wahl der Börse richtig bedacht sein: „Es gibt so viele verschiedene Portale wie unterschiedliche Bars - und jedes zieht eine bestimmte Klientel an”, sagt Eric Hegmann. Selbst Spezialangebote für Tierliebhaber, füllige oder hochgewachsene Singles oder Singles mit Kindern sind im Netz längst eröffnet. „iLove” sei eher für Jüngere, „datingcafé” für die Öko-Fraktion, und „neu.de” biete einen breiten Querschnitt, lautet die Einschätzung von Wiechers.

Ist die Wahl getroffen und das Profil erstellt, geht es ans Schreiben. „Männer gehen eher nach dem Gießkannenprinzip vor. Sie klicken mehr als Frauen, sehen Bilder an und kontaktieren mehrere Frauen auf einmal”, sagt Jan Skopek, stellvertretender Leiter des Projekts „Prozesse der Partnerwahl bei Online-Kontaktbörsen” an der Universität Bamberg. „Frauen wollen lieber angeschrieben werden.” Ausgewählt wird dem Soziologen zufolge von beiden Geschlechtern aber nach denselben drei Kriterien: sozialer Status, Alter und körperliche Attraktivität.

„Frauen orientieren sich im Status eher nach oben - für Männer ist daher die Darstellung ihres Bildungsniveaus wichtig”, sagt Skopek. Zudem suchten Frauen tendenziell ältere Männer: „Unserer Erkenntnis nach meiden sie jüngere Männer geradezu.” Schummeln ist deswegen aber nicht gleich erlaubt: „Wer etwas Seriöses sucht, wird ehrlich sein”, sagt Hegmann. „Eine Lüge beim Alter oder beim Beruf ist eine schlechte Basis für alles Weitere.”

Das Netz bietet zahlreiche Kontakte - das ist sein großer Pluspunkt. Laut einer Studie des internationalen Marktforschungsinstituts Jupiter Research im Auftrag des Branchenverbands BITKOM in Berlin besuchten 6,2 Millionen Bundesbürger ab 15 Jahren im ersten Quartal 2007 eine Dating-Plattform. „Das Netz hat also Vorteile für Leute mit Hemmungen. Es hat aber auch große Nachteile für die, die sich schnell in ein Bild verlieben - oder sich gleich bei der ersten Zuschrift große Gedanken machen”, sagt Eric Hegmann.

Er rät, nicht allzu viel in die ersten Postings und Mailings hineinzuinterpretieren. „Damit tun Sie sich keinen Gefallen. Es ist am besten, möglichst schnell miteinander zu telefonieren und sich zu treffen.” So lasse sich vermeiden, zu viel Zeit und Hoffnung in eine Anbahnung zu investieren, die sich beim ersten Kontakt in der echten Welt als Enttäuschung herausstellt. „Ich empfehle, alle Zuschriften in „Ja”, „Nein” und „Vielleicht” zu unterteilen. Und auch wenn es hart klingt: Dann klopfe ich die spannenden ab”, sagt Hegmann. Von der mehrgleisigen Kontaktsuche gingen auch die anderen Nutzer des Forums aus.

„Seien Sie nicht ungeduldig”, warnt Henning Wiechers. „Als Sie zum ersten Mal in die Disco gingen, mussten Sie ja auch erst viel lernen.” Und auch beim ersten Aufeinandertreffen in der realen Welt sollten die Ansprüche nicht zu hoch hängen - schließlich warten im Netz noch viele weitere Bewerber: „Das erste Date ist nur dazu da herauszufinden, ob es ein zweites gibt.”