Aachen: Aus Taiwan, Venezuela, Japan: Schüler schreiben ins Auslands-Blog

Aachen: Aus Taiwan, Venezuela, Japan: Schüler schreiben ins Auslands-Blog

Tobias steckt in Tokio, Sonja in Salisbury, Inés in Venezuela und Benjamin in Taiwan. Die vier Elftklässler gehören zu den 24 Schülern des Aachener Couven-Gymnasiums, die derzeit ein Auslandsjahr absolvieren. Waren Schüler während eines solchen Aufenthalts bislang von ihrer Heimatwelt regelrecht abgeschnitten, sind die Couven-Gymnasiasten mit ihren Klassen und dem Rest der Schule verbunden.

Auf einem neu eingerichteten Blog berichten sie von ihren Erfahrungen im Alltag, der Schule und dem Leben in ihren Gastfamilien.

„Jeder in meiner Klasse hat sein Aquarium”

„Jeder in meiner Klasse, so auch ich, hat sein eigenes Aquarium mit seinen eigenen Fischen”, schreibt etwa Benjamin Feßler, der zurzeit in Taiwan an der National Lukang Senior Highschool in Lukang lernt. Die Fächer dort seien „viel abwechslungsreicher und praxisorientierter als in Deutschland”, findet der 16-Jährige. Unterricht im Fach Aquakultur dürfte sich denn auch nur auf wenigen deutschen Lehrplänen finden.

In das Webjournal kann jeder Schüler von seinem Gastland aus schreiben - er braucht dazu nur einen Internetzugang und etwas Zeit. Auch Fotos lassen sich hochladen. „Die Idee kam im vergangenen Schuljahr auf, als ein Schüler für ein Jahr nach Japan ging”, sagt Lehrer Rainer Siemund. Da oft nicht einmal alle Lehrer wüssten, warum ein bestimmter Schüler plötzlich im Jahrgang fehlt, lag der Gedanke nahe, eine Informationsplattform zu schaffen. Das Blog „Couven Abroad” (abroad bedeutet „im Ausland”) wird mit der frei verfügbaren Software Wordpress betrieben. Mehrere Autoren können darauf schreiben.

Rainer Siemund versteht das Webjournal nicht nur als unverbindliches Angebot. Er sieht die Schüler auch ein wenig in der Pflicht, die Daheimgebliebenen an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen: „Schließlich ist es ja auch ein Privileg, für ein Jahr oder ein halbes Jahr ins Ausland gehen zu dürfen.” Zudem habe sich seit der Einführung von „G8” - dem Wegfall der 13. Klasse - die Zahl der Auslandsaufenthalte deutlich verringert. „Das Blog soll auch ein bisschen Lust darauf machen, ins Ausland zu gehen”, sagt Siemund.

„Die Zeit ist unvergesslich”

„Auch ich konnte mir vorher nichts darunter vorstellen, bin aber froh, dass ich mich trotzdem getraut habe”, sagt Inés Rogge (17), die momentan bei Nonnen in Valencia in Venezuela lebt. Dort habe sie viel gelernt und erlebt: „Die Zeit ist unvergesslich.”

Sonja Böker in Salisbury (USA) findet es schade, dass das Abenteuer, sich in einer fremden Kultur zurechtzufinden, oft im Stillen geschehe. „Ich möchte mit dem Teilen meiner eigenen Erlebnisse andere Jugendliche anregen, auch diese einmalige Chance zu ergreifen, ihre Sachen zu packen und Teil einer anderen Welt, Kultur und Familie zu werden.”