Stuttgart: Auf die Strategie kommt es an: Richtig suchen im Netz

Stuttgart: Auf die Strategie kommt es an: Richtig suchen im Netz

„Wer suchet, der findet”, steht in der Bibel im Matthäus-Evangelium. Zwar gilt das nach wie vor, nur ist die Suche im digitalen Zeitalter ungleich schwieriger geworden.

Bis zu 100 Milliarden Webseiten haben Suchmaschinen gespeichert - in diesem Wust das Gewünschte zu finden, ist nicht immer leicht. Es ist aber auch nicht unmöglich: Wer strategisch vorgeht und sinnvoll eingrenzt, kommt schneller ans Ziel.

„Die Vielzahl der Informationen ist nicht neu, sondern der mediale Zugang dazu wurde erleichtert”, sagt Roland Mangold. Suchmaschinen sind daher wichtige Filter, mit denen sich die Informationsvielfalt im Web eingrenzen lässt, erklärt der Professor für Informations- und Kommunikationspsychologie an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Ob ein Anwender findet, was er „googelt”, ist eine andere Frage.

Wie arbeitet eine Suchmaschine? Ermittelt sie auf die Suchanfrage eines Nutzers hin auf einer Webseite eine Kombination aus Buchstaben oder Ziffern, die zu ihrer Datenbank passt, zeigt sie einen Treffer. Dabei ermisst sie aber nicht, ob das Suchergebnis sinngemäß mit der Anfrage übereinstimmt. Die Maschinen gehen also logisch vor, denken aber nicht mit. „Das Ergebnis hängt deshalb stets von der Präzision der Suchanfrage ab”, erklärt Stefan Keuchel von Google in Hamburg.

Suchmaschinen-Anbieter wie Google, Yahoo und Microsoft arbeiten zudem „indexbasiert”, erläutert Florian Koch vom IT-Branchenverband Bitkom in Berlin. Mit Hilfe automatischer Programme, sogenannter Webcrawler, durchforsten sie permanent das Netz und bilden aus den gefundenen Seiten eine Datenstruktur. Bei der eigentlichen Anfrage wird dann nicht das gesamte Netz durchsucht, sondern nur der Index.

Trotzdem spucken die Maschinen nach Eingabe von Suchbegriffen wie „Urlaub” oder „neues Auto” mehrere Millionen Ergebnisse aus. Deshalb muss der Nutzer eingrenzen und eindeutig formulieren. Will er etwa einen spontanen Trip ans Mittelmeer machen, ist nach Keuchels Worten „Mallorca last minute Preisvergleich” erfolgversprechender als „Urlaub Mallorca”. Ideal sei es, auch den genauen Urlaubsort und das gewünschte Domizil anzugeben.

Sonderzeichen helfen, die Ergebnisliste weiter zu optimieren. Wer An- und Abführung vor und hinter seine Suchbegriffe setzt, bekommt nur Seiten angezeigt, auf denen die Begriffe gleichzeitig und direkt hintereinander vorkommen. In vielen Fällen empfiehlt es sich, mit Minuszeichen zu arbeiten: Will der Mallorca-Tourist kein Domizil in der Nähe des berüchtigten Ballermann 6, kann er forschen, indem er „Hotel -Ballermann” in die Suchmaschine eingibt.

Hat er dann eine Unterkunft ermittelt und will wissen, wie andere Urlauber sie auf den einschlägigen Reise-Portalen bewertet haben, ist laut Keuchel der Befehl „site:” nützlich: Tippt der Anwender ihn in die Suchspalte und dahinter das Wort „Bewertung” sowie den Namen des Hotels, ist er schnell am Ziel der Suche. Und hat er eine Webseite geöffnet, kann er das aktuelle Fenster bei gängigen Browsern mit der Tastenkombination „Strg+F” nach bestimmten Begriffen durchforsten.

Gelegentlich empfiehlt es sich, ein „UND” beziehungsweise „ODER” - sogenannte Verknüpfungsoperatoren - zwischen zwei Suchwörter zu setzen, wie es auf einer Webseite der Uni Bielefeld mit Tipps zu Suchstrategien heißt. Das „UND” signalisiert der Maschine, dass sie Seiten anzeigen soll, die beide Begriffe enthalten. „ODER” bedeutet entsprechend, es soll zumindest einer der beiden auftauchen.

Für kompliziertere Fälle gibt es bei allen gängigen Suchmaschinen die „Erweiterte Suche” - jeweils in unmittelbarer Nähe zum Suchfeld. Bei Google ermöglicht sie zum Beispiel das Auffinden von Seiten, die vom Nutzer definierte „genaue Wortgruppen” enthalten. Hilfe bietet Google aber auch schon bei der normalen Suche in Form der sogenannten Autovervollständigung des Suchbegriffs: Tippt man „Mallorca last minute” in das Suchfeld, werden automatisch die Ergänzungen „Reisen”, „Finca”, „Preisvergleich” und „Flug” angeboten.

Doch selbst die beste Strategie wird zunichtegemacht, wenn sich der Nutzer dabei ablenken lässt - durch Bilder etwa. Und das passiert oft, wie Prof. Sabine Trepte, Medienpsychologin an der Hamburg Media School beobachtet hat. Beim Besuch von Nachrichtenseiten gilt das auch für die oft spannend klingenden Überschriften und generell beim Surfen für weiterführende Links. Deshalb gilt es, sich erstmal auf das eigentlich Gesuchte zu konzentrieren - und alle Verlinkungen und Verlockungen im Geiste auszublenden.

Zu viele Portale

Manchmal finden Nutzer die für sie interessanten Portale schnell - aber es sind schlicht zu viele. Ein Beispiel: Laut einer Umfrage des Bitkom suchen immer mehr Surfer vor einem Kauf oder einer Reise nach Bewertungen der Produkte, Händler oder Hotels durch andere Anwender. Diese Bewertungen sind häufig über eine Vielzahl von Seiten verteilt.

Aus dieser Menge gilt es, wenige Favoriten zu ermitteln, rät Prof. Roland Mangold von der Hochschule der Medien in Stuttgart - um nicht vor der Masse kapitulieren zu müssen. Wichtig sei es dabei, sich konkrete Suchziele zu setzen.

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