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Hamburg: Apples „Leopard” für den Mac soll Windows die Krallen zeigen

Hamburg : Apples „Leopard” für den Mac soll Windows die Krallen zeigen

Dieses Mal hatte es die Gemeinschaft der Macintosh-Anwender besonders eilig. Bereits am Wochenende nach der Vorstellung des Betriebssystems Mac OS X Leopard verkaufte Apple zwei Millionen Exemplare davon.

Angelockt von „über 300 neuen Eigenschaften” haben in der ersten Welle vor allem Alt-Besitzer von Apple-Computern zur sechsten Version des Mac-OS-X-Systems gegriffen.

Leopard soll aber auch dem übermächtigen PC-Betriebssystem Windows die Krallen zeigen und Microsoft-Kunden eine Alternative bieten. Harry McCracken vom renommierten Onlinemagazin „Slate” sieht in Leopard sogar „Apples Microsoft-zerfleischende Dschungelkatze”.

Dabei verfolgen die Entwickler in der Microsoft-Zentrale und im Apple-Hauptquartier mit Windows Vista und Mac OS X Leopard ganz verblüffend ähnliche Ansätze: „3D-Effekte, Sicherheit, Jugendschutz und Suchfunktionen sind derzeit die Hauptthemen”, bilanziert die in Hannover erscheinende Computerzeitschrift „c´t”.

Beide Systeme „stürzen nicht ab, wenn ein Programm zickt, unterscheiden mehrere Nutzer, helfen auf mobilen Geräten mit der Energie hauszuhalten et cetera.” Mehr denn je aber zähle die Bedienbarkeit. Um die Mac-Bedienung weiter zu erleichtern, nähert sich Apple bei der Benutzeroberfläche seiner Musiksoftware iTunes an, die dank des iPod auch vielen Windows-Anwendern vertraut ist:

Dateien auf dem Mac können wie CD-Alben in iTunes in der „Cover-Flow”-Darstellung durchblättert werden. Dazu bietet die neue Funktion „Quick Look” eine Datenvorschau, mit der man beim Stöbern nach bestimmten Inhalten auf der Festplatte kaum noch Dateien öffnen und wieder schließen muss.

Eine der wichtigsten Neuerungen von Leopard betrifft die Sicherung der Daten. Beim „digitalen Lebensstil”, wie ihn Apple propagiert, landen immer mehr persönliche Erinnerungen und wertvolle Daten auf der Festplatte. Und kaum ein Anwender kümmert sich darum, diese Daten wirksam gegen Festplattenschäden und andere Unglücke zu sichern. Mit „Time Machine” hat Apple das Mac OS um eine komplette Backup-Funktion ergänzt, das so einfach zu bedienen ist wie kaum ein anderes Datensicherungssystem: Wird eine externe Festplatte angeschlossen, fragt Leopard automatisch, ob das Laufwerk für die Datensicherung verwendet werden soll - das war es schon.

Zum Zurückspielen versehentlich gelöschter Dateien oder zur Wiederherstellung des kompletten Systems landet der Mac-Anwender in einer Oberfläche, die an Science-Fiction-Serien wie „Star Trek” erinnert: Er reist wie in einer Zeitmaschine in die Vergangenheit und kann direkt verfolgen, wie sich die Inhalte eines Ordners verändert haben.

Für David Pogue, Technologie-Reporter der „New York Times”, gehört „Time Machine” zu den großen Vorzügen von Leopard: „Nicht jeder erliegt dem Bann des wunderschön animierten Sternenfelds. (...) Doch je mehr Menschen davon überzeugt werden können, "Time Machine" zu nutzen, desto eher werden sie vom Elend verschont bleiben, ihre Fotos, Musik und E-Mail zu verlieren.”

Beim Thema Kindersicherung hatte im Wettstreit zwischen Windows und Mac OS X bisher Microsoft mit Windows Vista die Nase vorn. Nun zieht Apple mit Leopard nach. Eltern können damit für die Kinder Zeitlimits bei der Nutzung des Rechners bestimmen und den Mac abends zwangsweise herunterfahren. Außerdem kann ein Logfile alle Online-Aktivitäten - E-Mails, Chats, Webaufrufe - der Kinder protokollieren. Grundsätzlich funktionieren Kindersicherungen allerdings nur so lange, wie sich die Eltern mit dem Rechner besser auskennen als die Kinder.

Nachholbedarf hat der Leopard in Sachen Sicherheit. Zwar bringt er alle nötigen Werkzeuge mit, um den Mac wirksam vor Angriffen aus dem Netz zu schützen. Und während Windows unter einer Dauerattacke von Viren und Trojanern steht, sind für Mac OS X bislang quasi keine Schadprogramme im Umlauf. Allerdings hat Apple die Firewall, die Angriffe blockieren soll, von Haus aus abgestellt und erlaubt alle eingehenden Verbindungen. Diese Sicherheitslücke können die Leopard-Anwender aber mit einem Mausklick wieder schließen.

Verbessert hat Apple das Programm Boot Camp. Damit kann sich der Nutzer auf einen Mac mit Intel-Chip parallel zu Mac OS ein komplettes Windows-System installieren. Ab sofort muss er dazu nicht mehr eine Windows-Treiber-CD selbst brennen, sondern kann die Installations-DVD von Leopard nutzen.

Angesichts der Fülle an Neuerungen fallen die meisten Rezensionen der Experten positiv aus: „Leopard erweist sich als ein leistungsfähiges, poliertes und sorgfältig durchdachtes System”, bilanziert David Pogue. „Man stößt an jeder Ecke auf freudige Überraschungen und nur auf sehr wenige Enttäuschungen.”

John Siracusa, ein in der Szene als streng bekannter Software-Rezensent, kann sich mit den neuen 3D-Effekten in Leopard nicht anfreunden. „Aber ehrlich sagt, die Leute gewöhnen sich an alles.” Gleichwohl fällt auch Siracusa ein positives Gesamturteil: „Leopard ist vollgepackt mit Verbesserungen. Es scheint, als wäre nicht eine Ecke des Betriebssystems unberührt geblieben.”