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Berlin/Düsseldorf: Anpumpen über die Datenleitung: Kredite aus dem Web 2.0

Berlin/Düsseldorf : Anpumpen über die Datenleitung: Kredite aus dem Web 2.0

Die Idee klingt so einfach wie verlockend: Auf Plattformen im Internet kommen Kreditgeber und -nehmer zusammen - ähnlich wie die Käufer und Verkäufer bei eBay und ohne Termin bei der Bank.

Darin liegt allerdings auch der Haken: Der Abschluss eines Kreditvertrags ist mit dem Kauf von einem Buch oder Brettspiel nicht vergleichbar - Beratung ist sinnvoll. Und Verbraucherschützer warnen, dass nicht alle Angebote Sicherheiten bieten.

Mehrere Online-Kreditplattformen sind in Deutschland mittlerweile online. „Es gibt da unterschiedliche Qualitäten”, gibt Peter Lischke, Geldexperte der Verbraucherzentrale Berlin, zu bedenken. Unterschiedlich sei vor allem, ob und wie gründlich die Portale die Vermittlung zwischen Kreditgeber und -nehmer prüfen und ob sie Sicherheiten für beide Seiten bieten.

Ähnlich wie bei anderen Angeboten des Web 2.0 - der Video-Plattform Youtube oder der Kontaktbörse MySpace - sollen die Kredit-Marktplätze soziale Netzwerke der Nutzer sein. „Social Lending” - Soziales Verleihen - hat sich dafür als Oberbegriff eingebürgert.

Wer einen Kredit sucht, stellt sich online vor, nennt gewünschte Kreditsumme, Laufzeit und Zinssatz. Wer Geld anlegen möchte, schaut sich die Angebote an und wählt aus, an wen er zu welchen Konditionen Geld vergibt. Auf diesem freien Markt sollen niedrigere Zinsen möglich sein als bei der Bank, werben die Betreiber - denn Kosten für Verwaltung und Vermittlung, die Banken in den Zinssatz einfließen lassen, fallen nicht an. Geldgeber wiederum können einen Verleih davon abhängig machen, ob sie das Vorhaben des Kreditnehmers für sinnvoll und förderungswürdig halten.

„Wofür will der das Geld? Und welche Sicherheiten gibt es?” - diese Fragen gibt Peter Lischke Kreditanbietern auf den Weg. Der Experte sieht bei den Portalen vor allem für die Anbieterseite Schwierigkeiten: „Klar, der Kreditnehmer ist verpflichtet, das Geld zurückzuzahlen - aber geschieht das auch?” Das sei für Anbieter meist unklar und online schwer zu prüfen. Kreditnehmer dagegen müssen wissen, dass bisweilen Gebühren anfallen - kritisiert wird von Verbraucherschützern in manchen Fällen auch eine mangelnde Transparenz der Angebote.

„eLolly” mit Sitz in Brunnen (Schweiz) zum Beispiel hat seine Seite im September ausgeweitet und wirbt mit mehr Sicherheit für den Verbraucher. Neben Konsumentenkrediten gibt es jetzt auch Immobilienangebote und Start-up-Finanzierung. Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ist skeptisch: „Das Angebot hat sich den Anschein von mehr Transparenz gegeben. Aber es ist weiter so, dass man sich registrieren muss, bevor man tiefer gehende Informationen über die Angebote bekommt.”

Die Gebühr für die Registrierung sei sogar noch erhöht worden. Fällig werden jetzt 19,50 Euro - vorher waren es 9,50 Euro -, um ein Angebot einzustellen. Das gilt sowohl für Kreditgeber als auch für Kreditnehmer - unabhängig davon, ob es tatsächlich zu einem Kreditvertrag kommt. Eine einmalige Registrierungsgebühr in Höhe von 9,50 Euro - allerdings nur für Kreditnehmer - ist bei http://www.auxmoney.com aus Hilden bei Düsseldorf fällig. Weitere Kosten fallen an, wenn die Kunden „Zertifizierungen” anfordern: Damit können Kreditnehmer ihre Zahlungsfähigkeit durch die Portalbetreiber prüfen lassen und so ihre Chancen auf einen Kredit erhöhen.

Auf der Website werben die Betreiber damit, dass Verbraucher auch ohne Schufa-Auskunft einen Kredit bekommen können. Stefanie Laag allerdings warnt grundsätzlich davor, überhaupt einen Kredit aufzunehmen, wenn man von Banken wegen fehlender Kreditwürdigkeit eine Absage bekommen hat.

Bei http://www.smava.de aus Berlin verfolgen die Betreiber ein anderes Konzept: Hier ist eine Bank zwischengeschaltet. Und der Nutzer zahlt erst dann eine Provision, wenn es tatsächlich zu einem Kreditvertrag kommt, erläutert Alexander Artopé, einer der Gründer. Dabei werde auch die Kreditwürdigkeit geprüft, indem die Kreditsuchenden in Risikoklassen eingeteilt werden - je nach ihrer Bewertung bei der Schufa.

Innerhalb dieser Risikogruppe findet dann eine Ausgleichszahlung statt, wenn ein Mitglied seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt. Das Geld wird von einem Inkasso-Unternehmen bei dem säumigen Zahler eingetrieben. „Der Kreditnehmer kann sich darauf verlassen, dass das Geld tatsächlich gezahlt wird”, verspricht Artopé. Dieses Konzept kommt bei den Verbraucherschützern besser weg als das der Konkurrenz.

Schwierigkeiten könnten Geldgeber und Kreditsuchende grundsätzlich aber auch von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn bekommen. Jedenfalls dann, wenn sie öfter Geld verleihen. Wer „auf Dauer angelegt” und mit „Gewinnerzielungsabsicht” Geld verleiht oder leiht, könnte ein erlaubnispflichtiges Bankgeschäft nach dem Kreditwesengesetz betreiben. Dies kann nach Angaben von BaFin-Sprecher Ben Fischer bereits der Fall sein, wenn man „mehr als nur einmal” einen Kreditvertrag über das Internet abschließt.