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Aachen: Aachens Dom in 3D: Ein Rundflug, der die Fachwelt begeistert

Aachen : Aachens Dom in 3D: Ein Rundflug, der die Fachwelt begeistert

Hereingeflogen, bitte! Die mächtigen Bronzetüren öffnen sich, die Kamera gleitet hindurch, vorbei geht es an der Wölfin, dann entfaltet sich das gewaltige Panorama des Oktogons vor dem Betrachter. Und das, ohne dass er einen einzigen Schritt tun muss: Es reicht, die neue Homepage des Doms aufzurufen.

Der spektakuläre 3D-Kameraflug durch den Bau ist das Highlight darauf. Er wurde nun bereits mit zwei bedeutenden Designpreisen ausgezeichnet: In wenigen Tagen wird den Machern der Aachener Agentur Interactive Pioneers der „Red Dot Award“ verliehen. Und auch der „German Design Award“ 2016 geht in die Kaiserstadt.

Wer www.aachenerdom.de aufruft, die im August von Oberbürgermeister Marcel Phillip und Dompropst Manfred von Holtum feierlich freigeschaltete neue Homepage, der muss nicht lange suchen: Unter „Dom Erlebnis“ erwartet den Besucher der mit großem Aufwand erstellte dreidimensionale Panoramaflug.

Supermoderner 3D-Laser-Scanner

„Wir wollten den Dom so attraktiv präsentieren, dass er die Menschen begeistert“, beschreibt der Sprecher des Domkapitels, Franz Kretschmann, die Idee hinter dem Projekt. Statt dröger Daten und Fakten sollte dem interessierten Besucher ein „emotionalisiertes Erlebnis“ geboten werden. „Ein Besuch auf der Homepage soll den Dombesuchen nicht ersetzen, sondern einfach Spaß machen“, formuliert es Carlo Matic, Geschäftsführer von Interactive Pioneers.

Doch vor der Emotion standen erst einmal — dröge Daten. Grundlage des virtuellen Rundfluges sind Bilder, die Mitarbeiter des RWTH-Instituts für Visual Computing in einer aufwendigen Aktion erstellt haben. „Eine komplette Nacht lang hat sich das Scan-Team im Dom einschließen lassen“, berichtet Matic. Mit einem supermodernen 3D-Laser-Scanner in Kombination mit hochkontrastreichen sogenannten HDR-Fotos wurde der Innenraum des ersten deutschen Unesco-Weltkulturerbes abgetastet und digitalisiert, um am Computer neu erschaffen zu werden.

Etwa ein Dreivierteljahr lang waren Kreative, Techniker und Programmierer im Einsatz — ein Kraftakt für alle Beteiligten. Aber: „Wann hat man schon einmal die Chance, so ein Projekt zu verwirklichen?“ fragt Carlo Matic. Die Mitarbeiter, die den Dom von ihren Büros im Drehturm auf dem Lousberg täglich sehen, gingen mit besonderem Eifer am Werk. Etliche Tausend Arbeitsstunden kamen am Ende zusammen.

Schiefe Kerzen aufgerichtet

Das Ausmaß der technischen Herausforderungen war der Imposanz des Bauwerks durchaus angemessen, wie Projektleiter Martin Werwoll berichten kann: „Die Beleuchtung im Dom ist zum Beispiel ein ganz heikles Thema, es gibt unglaublich viele glänzende und reflektierende Flächen.“ Störende Mikrofonständer wurden herausretuschiert und wo eine Kerze schief im Barbarossaleuchter hing, wurde sie nachträglich liebevoll in die Vertikale gebracht.

Um die gewaltige Datenmenge für den Internetnutzer so klein wie möglich zu halten, passt sich die Auflösung dem Endgerät an — von Full-HD bis zur handygerechten Klein-Animation.

So wie der Kameraflug das Highlight der Homepage ist, ist die Homepage das Herzstück eines neuen Kommunikationskonzeptes für den Dom. „Sehen — Erleben — Lernen“ heißt die 2014 geschaffene Leitlinie, unter der das Domkapitel das Aachener Weltkulturerbe in ein ebenso angemessenes wie zeitgemäßes Licht rücken will. Ausgearbeitet wurde es mit der Aachener Agentur Power + Radach.

Das Highlight Nummer Zwei auf www.aachenerdom.de ist neben dem Kameraflug ein Zeitstrahl. Unter „Dom Geschichte“ wird jedes der zwölf Jahrhunderte durch ein ausgewähltes Bauteil oder Ereignis versinnbildlicht, von den Karolingischen Säulen aus dem 9. Jahrhundert bis zum Stadtbrand von 1656. Die wissenschaftlichen Texte dazu kommen von Kathrin Steinhauer vom Lehrstuhl für Mittlere Geschichte der RWTH.

Renommierte Designpreise

Abgerundet wird die Homepage vom Portalbereich „Dom Aktuell“, wo aktuelle Informationen, Veranstaltungen und Gottesdienste präsentiert werden — und somit bewiesen wird, dass auch ein 1200 Jahre altes Gemäuer noch quicklebendig sein kann.

Wie Aachen seinen Dom virtuell in Szene setzt, hat in der Fachwelt Wellen geschlagen. Am Freitag, 4. November, werden die Kreativen in Berlin den begehrten „Red Dot Communication Design Award“ entgegennehmen. Einen „Ritterschlag für jeden Mitarbeiter, der daran beteiligt war“, nennt Carlo Matic die Auszeichnung. Und erst Ende Oktober war bekanntgegeben worden, dass die Homepage den renommierten deutschen Designpreis „German Design Award“ bekommen wird.

Der Aachener Dom begeistert Menschen seit 1200 Jahren — und jetzt ist er fit, das dank Internet auch weltweit zu tun.