Berlin: Die Zwanziger: Aufbruch!

Berlin : Die Zwanziger: Aufbruch!

Runde Geburtstage sind Zäsuren. Mit 20 werden Weichen gestellt, mit 40 ist es Zeit für eine Zwischenbilanz, mit 60 noch ein Neuanfang möglich. „20 - 40 - 60: Unser Leben!” ist der Titel einer ungewöhnlichen und sehr gelungenen dreiteiligen ZDF-Dokumentation von Dominique Klughammer in der Reihe „37 Grad”. Sie knüpft an einen Vorläufer von 2013 an und stellt Menschen aus drei Generationen über einen Zeitraum von zwei Jahren vor: Was bewegt sie? Welche Träume haben sie?

Manchmal überraschen die Übereinstimmungen, manchmal die Unterschiede. Die erste Folge, „Die Zwanziger: Aufbruch!”, zeigt das ZDF an diesem Dienstag (22.15 Uhr).

Sie dreht sich um die Jungen, die gerade erst erwachsen geworden und noch auf der Suche nach sich selbst sind. Der Film porträtiert drei 20-Jährige. Da ist als erstes Max aus Neubrandenburg. Er lernt Koch im dritten Lehrjahr. „In 10, 20 Jahren will ich Küchenchef sein”, sagt er, „vielleicht auch im Sterne-Bereich.” Max hatte eine harte Kindheit. Seine Mutter ist an Krebs gestorben, als er elf war. Sein Vater hat angefangen zu trinken. Max kam ins Heim. Jetzt sieht man ihn in der Küche hantieren, selbstbewusst und ehrgeizig. Am liebsten würde er nach Berlin ziehen, seine Freundin Svenja will eher nach Rostock.

Antonia ist in einem Nest in Unterfranken groß geworden und hat gerade ein Einser-Abitur gemacht. Der Film zeigt, wie sie mit ihrem Vater Äpfel erntet. Antonia ist ihre Familie wichtig, trotzdem hat sie sich entschieden, für ein Jahr auf die philippinische Insel Mindanao zu gehen, um dort in einem Hilfsprojekt für Straßenkinder mitzuarbeiten - 11 000 Kilometer entfernt. Dort verteilt sie Essen, bringt Kinder zur Schule, hilft ihnen bei den Hausaufgaben.

Ehsan ist in München-Neuperlach groß geworden, seine Eltern kommen aus dem Iran. Er will Schauspieler werden. Seine Großmutter sagt mit Tränen in den Augen, wie sehr sie sich wünscht, dass das klappt. In München hat ihn keine Schauspielschule genommen. Auch in Berlin, Hamburg, Leipzig, Dresden oder Wien wird nichts daraus. Wie „eine Klatsche ins Gesicht” erlebt er das.

Ehsan überlegt, Musik zu studieren, jobbt als Pizzafahrer, gibt Gitarrenunterricht. Eine Zeit lang versucht er, Versicherungen zu verkaufen. Am Ende der zwei Jahre sieht man ihn am Flughafen: Er will Work & Travel in Australien ausprobieren: „Ich kann auch Teller waschen, wenn es sein muss”, sagt er.

Antonia zieht nach der Rückkehr von den Philippinen nach Frankfurt. „Die letzten Wochen vor dem Abflug hab ich mich schon extrem auf Deutschland gefreut”, erzählt sie. Sie studiert Soziale Arbeit. Am Ende des Films ist sie im dritten Semester und plant, nach Amsterdam zu ziehen.

Max landet mit Svenja in Rostock. Er hat seine Ausbildung hinter sich, man sieht ihn als Saucier in der Küche eines Fünf-Sterne-Hotels. Svenja macht ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Altenpflege muss und früh raus. Max kommt immer erst spät von der Arbeit - während der Woche sehen sich die beiden kaum. Manchmal gehen sie an der Ostsee spazieren. „In zehn Jahren hab ich ein, zwei Kiinder, ein Haus und einen Hund”, sagt Svenja, „die Kinder hab ich mit Max.”

Wie oft bei „37 Grad” beeindruckt auch bei „20 - 40 - 60” die Offenheit der Porträtierten, gerade dann, wenn es sehr persönlich wird. Das gilt genauso für die beiden weiteren Folgen: Die nächste („Zwischenbilanz”, 10. Januar) ist den 40-Jährigen wie Anja gewidmet, die als Single in Berlin-Tegel lebt und für Ärzte ohne Grenzen oft auch im Ausland arbeitet. Oder wie dem Hafenarbeiter Michael aus Hamburg, der geschieden ist und mit seiner Tochter über Skype Kontakt hält. Der dritte Teil („Lebensabend oder Neustart”, 17. Januar) beschäftigt sich mit den 60-Jährigen wie Kerstin, die zwei Kinder großgezogen hat und nun als Best-Ager-Model Karriere macht. Oder aber wie Brigitte, die als Kinderkrankenschwester arbeitet und außerdem noch ihren dementen Mann pflegt.

(dpa)