Heinsberg-Kempen: Die Namen der Toten in der Gruft bleiben weiter ein Rätsel

Heinsberg-Kempen: Die Namen der Toten in der Gruft bleiben weiter ein Rätsel

Die Pfarrgemeinde Rurkempen besitzt ein wahres Kleinod in Gestalt des auf einer leichten Anhöhe gelegenen „Chörchens”, einem Relikt der um 1900 abgebrochenen alten Kempener Kirche, das in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Kriegergedächtniskapelle umgestaltet wurde.

Und wenn die Schützen am nächsten Wochenende ihr 500-jähriges Bestehen feiern, gehört der Gang zum „alten Chörchen” zur alten Kempener Schützentradition. Die alte Kempener Kirche war ein rechtes Dorfkirchlein mit ihrem malerischen Durcheinander der Baustile.

Da war zunächst das Chor aus dem 15. Jahrhundert mit den zweiteiligen Maßwerkfenstern, und draußen vor dem zugemauerten Giebelfenster der Ostseite unter einem verwitterten Schieferdach das Kruzifix aus dem Jahre 1791 mit den Figuren des Johannes und der Schmerzensmutter Maria zur Seite, die von Pfarrer Rötten in den 30er Jahren im Altarraum der neuen Kirche aufgestellt wurden.

Dann folgten das Hauptschiff mit dem schönen gotischen Sakramentshäuschen in der linken Chorwand und die Kapitelle der Stützkonsolen für das Netzgewölbe mit fein figurierten Teufelsdarstellungen und das Maßwerk der Fenster mit herrlichem Fischblasenmuster. Und da war der wuchtige, 30 Meter hohe Turm, der sich schützend vor die der Witterung ausgesetzte Westseite stellte.

Das Wertvollste an dem Kirchlein aber waren die beiden in der Renaissancezeit angebauten Seitenschiffe mit den geschwungenen Giebeln, etwas Einmaliges unter den heimischen Kirchenbauten. Um die Wende zum 20. Jahrhundert war das Kirchlein für die Gemeinde zu klein geworden, daher wurde 1900 der Grundstein gelegt zu einem Kirchenneubau in neugotischem Stil.

Aber wohin mit dem alten Kirchlein, dessen Erhalt die Denkmalschützer forderten? Die finanzielle Lage der Pfarrgemeinde reichte nicht, um dem Verfall Einhalt zu gebieten. Da von keiner Seite Hilfe zu erwarten war, wurde vom Kirchenvorstand der Abriss beschlossen. Doch aus Gründen der Pietät blieb das Chorteil erhalten.

Die Kriegsjahre gingen ins Land, und die Inflation mit ihrer Not ließ die Chorruine in Vergessenheit geraten. Für ihre Instandhaltung fehlte das Geld. Da hatte Pfarrer Toussaint die rettende Idee: Das „Chörchen”, wie es sich im Sprachgebrauch eingebürgert hatte, sollte zur Kriegergedächtnisstätte werden. Und es flossen wieder die Gelder. Nach Westen zu erhielt das Chörchen einen hölzernen Vorbau, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Dann kam Pfarrer Leo Plum, ein Maurermeister.

Er ließ im Zuge einer gründlichen Restaurierung in Abstimmung mit dem Landeskonservator die Westseite aufbrechen und eine große gläserne Wand einbauen. Er hatte ebenfalls die originelle Idee, den Grundriss der alten Kirche ebenerdig auszumauern und damit sichtbar zu machen. Bei dringend notwendig gewordenen Reparatur- und Wiederherstellungsarbeiten stieß man 1976 im Altarraum auf das Gewölbe einer alten Totengruft. Wer allerdings in alter Zeit in dieser Totenkammer beigesetzt wurde, Angehörige der Adelsgeschlechter von Haus Kempen oder gar kirchliche Würdenträger der Heinsberger Patronatskirche, wird sicher für immer ein ungelöstes Rätsel bleiben.

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