Kunstausstellung in der Alten Weberei Rödingen: Die Fotografin greift zur Kettensäge

Kunstausstellung in der Alten Weberei Rödingen : Die Fotografin greift zur Kettensäge

Mit Hilfe einer Kettensäge geformte Holzskulpturen, Acrylgemälde und Keramiken sind bei der aktuellen Ausstellung in der Alten Weberei in Rödingen zu sehen.

Außergewöhnlichen Kunstgenuss bot nach coronabedingt langer Zeit Galeristin Brigitte Habig in der „Galerie Alte Weberei“ in Rödingen. Ein Spannungsfeld aus Raum und Skulptur erwartete die kulturhungrigen Gäste in der ehemaligen Scheune. Hölzerne Skulpturen berührten, deren „Proportionen aus Prinzip nicht stimmen“, wie Bildhauerin Rendel Freude aus Köln es ausdrückte. Einige Figuren sind mit der Kettensäge in einem Stück aus einem Baumstamm entstanden, nachträglich gefeuert und lasiert und erscheinen in charakteristisch schwarzer Farbgebung. Sie wirken gedrungener als andere, die, aus zusammengefügten Hölzern und mit dunkelroter Lasur versehen, neue Expressivität und Lebendigkeit verkörpern. Bearbeitungsspuren oder Risse sind jeweils Teil der Figur. Die neue Serie „Köpfe“ ist geprägt von besonders markanten Konturen und Strukturen mit großen Lippen und Ohren, ausdrucksstarken Gesichtszügen und wachen Augen.

Was treibt eine ausgebildete Fotografin an, mit der Kettensäge Figuren zu schaffen? „Irgendwie ist es von innen gekommen“, sagte sie. Angeregt durch Kettensägen-Künstler wie Trak Wendisch lernte Freude 2004 zunächst die Handhabung des Gerätes, bevor ihre Figuren Gestalt annahmen.

Totemismus ist das künstlerische Thema der Acrylgemälde auf Leinwand von Andrea Zang aus Herzogenrath. Ein Beispiel ist ihr Werk „Sorgerecht“: Ein Kamelkopf mit menschlichem Körper ist in einen Nerz gehüllt und hält in einer Hand einen Dolch. Als Machtsymbol ist im Hintergrund die Silhouette Berlins zu sehen. „Jemand nimmt sich, was ihm nicht zusteht“, bringt es die Künstlerin in ihrer Deutung auf den Punkt. „Weil das traurig ist“, tropft aus einem herabhängenden Ei Wasser in eine Schale. Charakteristisch für diese Gemäldereihe sind die leuchtenden Augen der Totemtiere vor dunklen Bildhintergrund. Da die kultische Verehrung der Totemtiere – eines davon wird jedem Menschen bei seiner Geburt zugewiesen – dem modernen Menschen abhanden gekommen ist, sind sie zu „rudimentären Überbleibseln degeneriert“. Die Werke der Malerin zielen darauf ab, „sie durch Beachtung zurückzubilden und ihnen zur ursprünglichen Größe zu verhelfen“.

Plastisch gespanntes Volumen paart sich mit handwerklicher Präzision in den fein perforierten oder grob durchlöcherten, matten Keramiken von Petra Wolf. Die Plastiken, die an versteinerte Relikte erinnern, sind auf Kaolinstaub-Weiß und Hellgrau reduziert, Vertiefungen kontrastieren in Schwarz. Durch extreme Dehnung oder Stauchung des keramischen Materials lässt Wolf die innere Struktur des Tons hervortreten, die untrennbar mit der entstehenden Form verbunden ist. Aus gutem Grund nennt Petra Wolf ihre Werkstatt in Brüggen „Atelier für Formforschung und Gestaltung“.

Info: Die Ausstellung ist noch am Wochenende 21. und 22. August jeweils von 15 bis 19 Uhr zu sehen.