Kreis Heinsberg: Die Caritas sieht Not, handelt und hilft

Kreis Heinsberg: Die Caritas sieht Not, handelt und hilft

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ Der Hinweis auf die Aussage Augustinus zog sich wie ein roter Faden durch die Redebeiträge bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen des Caritasverbandes für die Region Heinsberg.

Was mit dem von Weihbischof Johannes Bündgens, Propst Markus Bruns und dem Vorsitzenden des Caritasverbandes, Pfarrer Winfried Müller, gemeinsam zelebrierten Gottesdienst in der Heinsberger Propsteikirche St. Gangolf begann, erlebte mit dem Festakt in der Begegnungsstätte der Kreisstadt seine Fortsetzung: der Rückblick auf die Entwicklung des Caritasverbandes für die Region Heinsberg einerseits, andererseits der Blick auf einen modernen Sozialverband, der die christliche Wurzel seines Selbstverständnisses, Barmherzigkeit zu zeigen, umsetzt.

„Wo Caritas ist, da ist Gott“

„Wo Güte und Liebe ist, da ist Gott — wo Caritas ist, da ist Gott“, beschrieb der Weihbischof in seiner Predigt im Selfkantdom die Bedeutung und den Auftrag der Caritas, dort zu helfen, wo Menschen in Not seien.

Not sehen und handeln, das sei auch der Beweggrund für die Entstehung der Caritasstelle im September 1963 in Geilenkirchen gewesen, warf der Vorsitzende, Pfarrer Winfried Müller, einen Blick auf die Anfänge des Caritasverbandes. Ab September 1963 widmete sich diese erste Caritasstelle der Mütter-, der Alten- und Kindererholung. Am 21. Juni 1966 wurde dann die damalige Caritasstelle als gemeinnütziger Verein eingetragen und zum Ausgangspunkt des heutigen Verbandes. Neben dem Bau eines Kinderdorfes wurde ein Altenheim in Geilenkirchen erbaut.

Es folgten die ersten Pflegeeinrichtungen in Geilenkirchen und Erkelenz 1978 sowie 1979 in Heinsberg und Wegberg. Die Mitarbeiterzahl wuchs bis 1991 auf 280 Mitarbeiter. Heute beschäftigt der Caritasverband für die Region Heinsberg 870 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den Bereichen Gesundheit und Pflege, Familie, Jugend und Kinder, aber auch in den Bereichen für gefährdete und behinderte Menschen und in den Gemeindediensten tätig sind. Ein Dienstleister und Arbeitgeber mit einem Lohnvolumen von über 22,5 Millionen Euro im Jahr 2015 sei der Caritasverband, verwies Müller auf die wirtschaftliche Bedeutung im Kreis Heinsberg.

Auf die Bedeutung als Arbeitgeber zielte auch Landrat Stephan Pusch in seinem Grußwort bei der Jubiläumsfeier. Der Caritasverband sei ein verlässlicher Partner, der mit den Ämtern der Kreisbehörde gut zusammenarbeite. Dank und Glückwünsche für eine fünf Jahrzehnte bestehende Erfolgsgeschichte richte er gerne im Namen der Behörde und des Kreistages aus.

„Beitrag mit Herz und Verstand“

„Im Markt der Sozialen Dienste ihren christlichen Beitrag mit Herz und Verstand zu leisten“, das erfolge in der Region Heinsberg durch den Caritasverband und dafür brenne die Mitarbeiterschaft ganz im Sinne Augustinus, formulierte Diözesiancaritasdirektor Burkard Schröders in seinem Beitrag.

Der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, Prof. Dr. Georg Cremer, forderte als Gastredner in seinem Beitrag eine „Sozialpolitik der Befähigung“. Für Teile der Gesellschaft seien auch im Sozialstaat noch immer ­Rahmenbedingungen wirksam, die zu einer Langzeitarbeitslosigkeit führten und in der der Schulerfolg weiterhin von der sozialen Herkunft abhängig sei. Das müsse die Caritas umtreiben und als Akteur anders handeln lassen.

Das Prinzip der Chancengerechtigkeit sei verletzt, wenn die Chancen von der sozialen Herkunft abhingen. Das Konzept der Befähigung gehe auf den amerikanischen Ökonomen und Philosophen Amartya Sen zurück. Der Befähigungs­ansatz zur Stärkung der individuellen Fähigkeiten gelinge erst dann, wenn bestimmte Grundbedingungen wie der Zugang zu Ressourcen und zu Einkommen gegeben seien. Die bisherigen staatlichen sozialen Strukturen seien nur ungenügend auf das Befähigungskonzept ausgerichtet. Da, wo dies aber durch die Caritas geschehe, wie zum Beispiel durch frühe Hilfen bei der Schwangerschaft, oder wo in den ersten Lebensjahren von Kindern die Eltern befähigt würden, für ein gesundes Aufwachsen der Kinder zu sorgen, da zeige sich der Erfolg umgehend.

„Babylotsen“ als unterstützende Hilfen würden erfolgreich an zwölf Caritas-Geburtskliniken eingesetzt. Das Programm ziele auf die Stärkung der Persönlichkeit. Selbstbewusste Persönlichkeiten aufgrund einer Sozialpolitik der Befähigung trügen auch zur Festigung der Demokratie in Zeiten von AfD und Nichtwählerpotential bei.

Gottfried Küppers, Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Region Heinsberg, moderierte das abwechslungsreiche Programm. Höhepunkte neben den Reden waren die Beiträge der Jugendmusikschule Heinsberg sowie die Video-Ansprache von Hastenraths Will, der in unterhaltsamer Weise die Leistungen der Caritas humorvoll herausstellte und für wertschätzende Heiterkeit sorgte.

(jwb)