Kreis Heinsberg: Die 210 Flüchtlinge kommen dann doch erstmal nicht

Kreis Heinsberg: Die 210 Flüchtlinge kommen dann doch erstmal nicht

210 Flüchtlinge sollten am Sonntagabend im Kreis Heinsberg eintreffen. Seit Freitagabend liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Turnhallen am Berufskolleg des Kreises in ­Erkelenz wurden als Übergangs­domizil hergerichtet. Doch dann kam am Sonntagnachmittag plötzlich die Absage.

Um 15.45 Uhr sei über die Bezirksregierung Köln die Nachricht von der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg eingetroffen, dass an diesem Tag keine Flüchtlinge für den Standort Erkelenz zugewiesen würden, erklärte Kreis-Pressesprecher Ulrich Hollwitz. Der Helfereinsatz, der am Abend starten sollte, sei gestoppt worden. Die Zuweisung bleibe aber grundsätzlich bestehen, deshalb bleibe auch die eingerichtete Infrastruktur in den Turnhallen bestehen. Wann die Flüchtlinge kommen würden, sei aber noch völlig unklar.

Landrat Stephan Pusch (2.v.l.) lobte den großen Einsatz aller Beteiligten. Foto: Wichlatz

Am Freitagabend hatte die Bezirksregierung Köln dem Kreis Heinsberg mitgeteilt, dass am Sonntagabend 210 Flüchtlinge zur Erstaufnahme in den Kreis kommen würden. Diese Flüchtlinge sollen — bis zur Fertigstellung geeigneter Erstaufnahmeeinrichtungen durch den Kreis Heinsberg in Geilenkirchen-Niederheid und Wegberg-Petersholz (mit 300 bis 350 Plätzen) vorübergehend in den Turnhallen des Berufskollegs in Erkelenz an der Westpromenade untergebracht werden. Diese Entscheidung war am Freitagabend im Krisenstab des Kreises gefallen, der drei Stunden lang tagte.

Seit Samstagmorgen wurde die Turnhalle des Berufskollegs Erkelenz für die Erstaufnahme von 210 Flüchtlingen bezugsfertig gemacht. Foto: CUH

Da zwischen der Benachrichtigung seitens der Bezirksregierung Köln und dem angekündigten Zeitpunkt für das Eintreffen der Flüchtlinge nur rund 48 Stunden lagen, sah sich der Stab des Kreises Heinsberg gezwungen, „quasi über Nacht“ — so berichtete die Pressestelle — diese 210 Plätze zu schaffen. Seit Samstagmorgen arbeiteten circa 40 Bedienstete des Kreises Heinsberg (Verwaltungsmitarbeiter, Techniker, Hausmeister sowie Bauhofmitarbeiter) daran, die beiden Turnhallen bis zum Sonntagnachmittag für die Erstaufnahme der Flüchtlinge bezugsfertig zu machen. Unterstützt wurde der Kreis Heinsberg dabei von der Freiwilligen Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk (THW), dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und dem Malteser Hilfsdienst (MHD), die ebenfalls mit zahlreichen Kräften vor Ort waren.

In Erkelenz hatte der Kreis die Lage im kreiseigenen Berufskolleg am Sonntagvormittag im Griff, wie er bei einem Pressetermin vor Ort deutlich machte. Die hintere der beiden Turnhallen des Berufskollegs wurde mit Feldbetten und Bettzeug bestückt, in der vorderen wurden Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten geschaffen.

Die Stadt Erkelenz hatte — wie die Stadt Heinsberg — bereits für rund 150 Flüchtlinge im Zuge eines Amtshilfeersuchens der Bezirksregierung kurzfristig Unterbringungsmöglichkeiten schaffen müssen. Zwei landwirtschaftliche Betriebe im Erkelenzer Stadtteil ­Lövenich hatten sich kurzfristig bereit erklärt, die Flüchtlinge in ihren Unterkünften für Saison- und Erntearbeiter unterzubringen.

Die neue Einrichtung im kreis­eigenen Berufskolleg sollte eigentlich bis zum Ende dieser Woche von Mitarbeitern der Kreisverwaltung mit Unterstützung des DRK und des MHD betrieben werden. An diesem Montag sollte auch mit der Erfassung der Flüchtlinge sowie den ärztlichen Untersuchungen begonnen werden.

Der Landrat fand lobende Worte für seine Mitarbeiter: „Es ist gut zu wissen, dass wir als Kreisverwaltung so leistungsfähig sind, auch solche Probleme zu stemmen. Wir werden alles Menschenmögliche unternehmen, um eine intakte und gut funktionierende Flüchtlingseinrichtung zu schaffen.“ Pusch bat außerdem diejenigen um Verständnis, die ansonsten die Turnhalle nutzen würden, „aber diese für Deutschland, Nordrhein-Westfalen und den Kreis Heinsberg außerordentliche Situation ­erfordert schnelle und wirksame Hilfe“.

(disch/hewi)
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