Kreis Heinsberg: DGB befürchtet eine Welle von Altersarmut

Kreis Heinsberg: DGB befürchtet eine Welle von Altersarmut

Nach aktuellen Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) muss jeder vierte Vollzeitbeschäftigte im Kreis Heinsberg künftig mindestens 47 Jahre lang arbeiten, um eine Rente zu bekommen, die knapp oberhalb der Grundsicherung liegt. Diese dramatische Entwicklung hat laut DGB zwei Gründe.

Zum einen arbeiten im Kreis Heinsberg 26 Prozent der Vollzeitbeschäftigten — 10.075 Menschen — zu einem Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle von 1890 Euro im Monat. Zum anderen solle das Rentenniveau nach den Plänen der Bundesregierung von heute knapp 50 bis auf 43 Prozent sinken.

Altersarmut wird dadurch nach Einschätzung des Gewerkschaftsbundes auch eine Gefahr für Normalverdienende. Die Durchschnittsrente habe im Zugangsjahr 2012 im Kreis Heinsberg bei nur 979 Euro (Männer) beziehungsweise 510 Euro (Frauen) gelegen. Wenn das Rentenniveau von 43 Prozent schon heute gelten würde, läge die durchschnittliche Rente nur noch bei rund 841 Euro (Männer) beziehungsweise 438 Euro (Frauen).

Eine gefährliche Entwicklung, wie Willi Klaßen, Vorsitzender des DGB-Kreisverbandes Heinsberg, feststellte: „Es ist ein Skandal, dass ein Viertel der Vollzeitbeschäftigten im Kreis Heinsberg mit Niedriglöhnen abgespeist wird. Genauso unverantwortlich ist die Senkung des Rentenniveaus, weil nicht nur Geringverdienende, sondern auch Normalverdienende dadurch in die Altersarmut abrutschen. Bei einem Rentenniveau von 43 Prozent würde die Durchschnittsrente im Kreis Heinsberg deutlich unter der Grundsicherung landen. Ein solcher Sturzflug der Rente kann und muss verhindert werden. Wir brauchen dringend einen Politikwechsel, um eine Welle von Altersarmut zu vermeiden.“

Der DGB fordere deshalb eine neue Ordnung am Arbeitsmarkt mit einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro und zumindest eine Stabilisierung des Rentenniveaus, so Klaßen weiter. Das DGB-Rentenmodell zeige, dass die Sicherung der Renten finanzierbar sei. Der Rentenbeitrag müsse dazu bis zum Jahr 2030 nicht einmal höher steigen, als es vom Gesetzgeber ohnehin geplant sei.

Es komme aber entscheidend darauf an, noch in diesem Jahr die Anhebung des Beitragssatzes zu beschließen und eine Demografie-Reserve aufzubauen. Dafür würden schon moderate Beitragssteigerungen von jährlich maximal 0,3 Prozentpunkten ausreichen. Durchschnittsverdienende müssten dafür jedes Jahr lediglich 4,05 Euro mehr im Monat aufbringen.

Dagegen sei der Plan der Bundesregierung, die Rücklagen der Rentenversicherung aufzulösen, angesichts der älter werdenden Gesellschaft „geradezu absurd“, sagte Klaßen. „Es ist also nötig und möglich, weitere Rentenkürzungen zu verhindern und die Erwerbsminderungsrente spürbar aufzubessern.

Sogar die Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters könnte nach unserem Finanzierungskonzept zumindest ausgesetzt werden. Auch dies ist dringend notwendig, denn im Kreis Heinsberg sind nur 24,8 Prozent der 60- bis 64-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.“

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