Kreis Heinsberg: Der Lotse will Hilfe zur Selbsthilfe leisten

Kreis Heinsberg: Der Lotse will Hilfe zur Selbsthilfe leisten

Ein Mensch mit Behinderung oder mit einer chronischen Erkrankung muss nicht nur mit seiner Behinderung oder mit seiner Krankheit leben. Oft sind es auch ganz viele rechtliche Fragen, die es für ihn in diesem Zusammenhang zu klären gilt.

Auf der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner hilft im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort jetzt auch im Kreis Heinsberg ein sogenannter Lotse für Menschen mit Behinderung.

Jakob C. Terhaag, zugleich Generalsekretär des Bundesverbandes der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppen (CSG), hat dazu eine Schulung des Zentrums für selbstbestimmtes Leben (ZsL) absolviert. Das ZsL führt die Lotsenausbildung im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen durch. Ziel ist es, ein flächendeckendes Netz von ehrenamtlich tätigen Lotsen aufzubauen und diese weiter zu begleiten.

Terhaag gehört zu insgesamt fast 140 Lotsen im Land, die diese Ausbildung bisher absolviert haben. Sie alle sind selbst betroffen, haben sich aber zugleich bereit erklärt, auch über ihre eigene Zielgruppe hinaus aktiv zu sein. Thematischer Schwerpunkt der Ausbildung sind sozialrechtliche Inhalte. Darüber hinaus werden aber auch Grundelemente der psychosozialen Beratung sowie von Kommunikation, Vernetzung und der Koordinierung von Hilfen für Menschen mit Behinderung vermittelt.

„Da komme ich zum Beispiel ins Spiel, wenn einem Menschen von seiner Krankenkasse der Rollstuhl verweigert wird“, berichtet Terhaag aus seiner Arbeit als Lotse. Wichtig ist ihm dabei vor allem die intensive Vernetzung. Mit den übrigen Lotsen aus der weiteren Region trifft er sich mehrmals im Jahr zu einem intensiven Austausch. Seit drei Monaten ist er zudem unterwegs, um sich auch in den Lokalen Teilhabekreisen im Kreis Heinsberg vorzustellen.

„Ein bisschen Egoismus war natürlich auch dabei“, schmunzelt Terhaag zu seinen Beweggründen, dieses Amt zu übernehmen. Das neu erworbene Wissen in puncto Sozialrecht könne er nun auch für die Mitglieder in den Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppen nutzen. Nicht einverstanden ist der Ehrenamtler allerdings damit, dass ihm derzeit nicht einmal die für seine Arbeit anfallenden Fahrtkosten erstattet werden. „Da liegen wir mit dem Ministerium noch im Clinch“, gesteht er. Ein gutes System der Unterstützung aufzubauen und dann nicht einmal die notwendigsten Kosten zu tragen, ist für Terhaag „politische Fahrerflucht“. Er würde Menschen mit Behinderung gerne weiterhin intensiv bei der Lösung all ihrer alltäglichen Probleme begleiten, „aber auf Dauer ist das für mich privat nicht mehr finanzierbar“, erklärt er.

Allerdings hält dieses aktuelle Problem ihn zumindest derzeit noch nicht davon ab, Ansprechpartner für alle Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung zu sein.

(anna)
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