Neues im Rhein-Maas-Klinikum: Der Laser entfernt die „Zeitbombe am Gesäß des Mannes“

Neues im Rhein-Maas-Klinikum : Der Laser entfernt die „Zeitbombe am Gesäß des Mannes“

Das Rhein-Maas-Klinikum geht neue Wege und kann Probleme von Männern über 45 Jahre besser und früher erkennen – und schneller lösen. Großer Vorteil bei Verdacht auf Prostatakrebs.

Ingo Schleicher greift gerne zu einem wuchtigen Sprachbild, damit im besten Fall jeder Laie versteht, womit sich der Mediziner im Untergeschoss des Rhein-Maas-Klinikums (RMK) beschäftigt. Dort sitzt die Urologie. „Falls Sie eine Überschrift für Ihren Text brauchen“, sagt der Oberarzt, „dann hätte ich eine: ,Die Zeitbombe im Gesäß des Mannes‘.“

Was Ingo Schleicher meint, ist die Prostata. Gerade Männer über 45 Jahre bekommen mit diesem inneren Geschlechtsorgan Probleme, und damit diese besser und schneller erkannt und gelöst werden, setze das RMK in Würselen neue Maßstäbe. Im eigenen Haus sowieso, darüber hinaus auch in der Region, wie Ingo Schleicher und sein Kollege und Chefarzt Dr. Khalid Sayed Ahmed betonen.

Die beiden und ihr Team gehen in zwei Bereichen neue Wege: bei der Krebs-Früherkennung und mit einer Laserbehandlung bei Prostatavergrößerungen.

 Das Verfahren, bei dem der Laser zum Einsatz kommt, heißt: Holmium-Laser-Enukleation der Prostata, die Ausstattung dafür ist hier zu sehen. Foto: Thomas Jansen/RMK
Das Verfahren, bei dem der Laser zum Einsatz kommt, heißt: Holmium-Laser-Enukleation der Prostata, die Ausstattung dafür ist hier zu sehen. Foto: Thomas Jansen/RMK Foto: Rhein-Maas-Klinikum/Thomas Jansen

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) erkranken jährlich rund 60.000 Männer an Prostatakrebs – damit die häufigste Krebsart bei Männern. Laut der DGMG sterben daran bis zu 14.000 Männer im Jahr. Das sind mehr als 20 Prozent der Erkrankten. Werden die Krebstumore schneller erkannt, können Mediziner sie besser behandeln. Hier kommt die Abteilung von Ingo Schleicher und Dr. Sayed Ahmed mit der sogenannten Fusionsbiopsie ins Spiel, wenn Radiologen Patienten mit einem Krebsverdacht zum RMK schicken.

„Mit dieser Methode können wir den Krebs viel genauer und schneller identifizieren. Früher konnte es dagegen passieren, dass wir den Krebs erst später gefunden haben“, sagt Dr. Sayed Ahmed. Wohl wichtiger sei indes: „Wir haben jetzt ein eigenes Gerät für die Untersuchung. Also können wir schneller Termine vergeben. Vorher haben wir die Anfragen gesammelt und ein Gerät geliehen, das ist in vielen Bereichen üblich. Aber für jemanden mit einem Krebsverdacht können 14 Tage Wartezeit sehr lang sein.“

Mehrere Patienten könnten bei einer Untersuchungsdauer von knapp einer Stunde – nach Technikupdates seien 45 Minuten realistisch, glauben die Experten – pro Tag behandelt werden. Mit kurzfristiger Terminvergabe. Und was zeichnet die Fusionsbiopsie aus?

 Per Zeichnung veranschaulicht: Dr. Khalid Sayed Ahmed, Chefarzt der Urologie, malt auf, wie der Laser das Gewebe einer Prostatavergrößerung entfernt. Im Hintergrund: Oberarzt Ingo Schleicher.
Per Zeichnung veranschaulicht: Dr. Khalid Sayed Ahmed, Chefarzt der Urologie, malt auf, wie der Laser das Gewebe einer Prostatavergrößerung entfernt. Im Hintergrund: Oberarzt Ingo Schleicher. Foto: MHA/Carsten Rose

Bei dem Verfahren legt eine Software die MRT-Bilder des Radiologen, der verdächtige Stellen markiert, und die Ultraschallbilder der Urologen in Echtzeit farblich übereinander (Fusion). Auf diese Weise kann das RMK-Team ganz gezielt Proben entnehmen. Die Chance, den potenziellen Tumor zu verfehlen, sei sehr gering. Die Gewebeentnahme (Biopsie) erfolgt hierbei über den Damm und nicht wie sonst üblich über den Enddarm – das Infektionsrisiko sei so minimiert. Was das RMK nun anbietet, sagen die beiden Ärzte, machten in der Region sonst noch die Uniklinik Aachen und eine Praxis.

Mindestens ebenso spannend ist für Chefarzt Sayed Ahmed und Ingo Schleicher die Holmium-Laser-Enukleation der Prostata, kurz: Holep. Dahinter verbirgt sich eine Lasertherapie für Männer mit einer vergrößerten Prostata. „Wir sind die einzigen in der Region, die das anbieten“, sagt Dr. Sayed Ahmed. Eine vergrößerte Prostata ist grundsätzlich nicht bösartig, kann auf Dauer aber die Lebensqualität einschränken, wenn das Wasserlassen ein immer größeres, lästigeres Problem wird. Dann heißt die Lösung, wenn eine medikamentöse Therapie nicht ausreicht oder vertragen wird: Operation.

Das Laserverfahren ist aus mehreren Gründen besonders, erläutern Ingo Schleicher und Dr. Sayed Ahmed. Auch hier hilft ein Sprachbild. „Mit der vorigen Methode haben wir uns bei dem Gewebe in der Prostata sinnbildlich wie bei einem Baum von der Krone über die Äste bis zum Stamm vorgearbeitet“, sagt Ingo Schleicher. „Dafür waren mehrere Schnitte nötig bis zum Stamm beziehungsweise der Wurzel des Problems. Jetzt können wir mit dem Laser zielstrebig bei der Wurzel ansetzen.“

Der größte Vorteil eines Lasers sei, dass die Schnitte während des bis zu einstündigen Eingriffs keine nennenswerte Blutungen erzeugen, da dargestellte Blutgefäße unmittelbar verschmort werden können und somit eine Blutstillung tritt. So können auch Männer behandelt werden, die blutverdünnende Medikamente nehmen müssen.

Je Patient könne sich die Prostata um 20 bis 250 Gramm vergrößern, der Laser packt alle Größen. Zuvor wurde das Gewebe Schnitt für Schnitt über die Harnröhre ausgeschabt – aber nur bis zu Vergrößerungen um 80 Gramm. „Das Risiko einer Gefäßverletzung ist fast gleich Null“, betont Dr. Sayed Ahmed. „Und es ist fast ausgeschlossen, dass sich das Gewebe erneut bildet und sich die Prostata wieder vergrößert.“