Kreis Heinsberg: Der Kreis Heinsberg nimmt die Mobilität unter die Lupe

Kreis Heinsberg: Der Kreis Heinsberg nimmt die Mobilität unter die Lupe

Mit welchen Verkehrsmitteln erreichen die Bürger ihren Arbeitsplatz? Wie kommen die Kinder zu ihren Schulen? Wie wird das Bus- und Bahnangebot bewertet? Was muss für einen sicheren und attraktiven Radverkehr getan werden? Wie groß ist das ­Interesse an neuen Mobilitätsangeboten wie Car-Sharing oder ­Ladesäulen für Elektroautos? Solche Fragen interessieren den Kreis Heinsberg bei einer repräsentativen Mobilitätsuntersuchung.

Mit Blick auf die nach dem Zufallsprinzip aus den Einwohnermelderegistern ausgewählten 8100 Haushalte, die nun angeschrieben und gebeten werden, sich an der Befragung zu beteiligen, formulierte Landrat Stephan Pusch einen Appell: „Nur wenn sich viele Bürgerinnen und Bürger beteiligen, können die zukünftigen Planungen im Kreis Heinsberg noch näher an den Bedürfnissen und Ansprüchen der Bevölkerung ausgerichtet werden. Wir hoffen auf eine rege Teilnahme und viele Anregungen zu allen Verkehrsmitteln, damit wir diese bei den weiteren Planungen berücksichtigen können.“

Die Teilnahme an der Befragung, die vom 5. bis 21. Juni läuft, sei selbstverständlich freiwillig. Alle Datenschutzbestimmungen würden eingehalten, wurde am Dienstag bei einem Pressegespräch im Heinsberger Kreishaus betont. Die Daten würden anonym ausgewertet, alle personenbezogenen Angaben anschließend vernichtet.

Wie Manuel Weiß von der mit der Untersuchung beauftragten Planersocietät (Dortmund) erklärte, würden — auf Basis der Erfahrungen aus einer ersten Untersuchung im Jahr 2012 — eine Rücklaufquote von 15 bis 20 Prozent und eine Nettostichprobe von circa 2800 Personen erwartet; dies würde circa 1,1 Prozent aller Einwohner des Kreises entsprechen. Die Teilnahme ist für die ausgewählten Haushalte schriftlich, online oder per Telefon möglich. „Damit können wir für jede Person eine geeignete Form zur Beteiligung an der Mobilitätsuntersuchung anbieten“, so Weiß.

Wenn die Mobilität unter die Lupe genommen wird, geht es um die Erhebung von Grundlagendaten für die Verkehrsplanung, um die Ermittlung von Stärken und Schwächen der Verkehrssituation sowie letztlich um die Erarbeitung von zielgerichteten Empfehlungen für die Verkehrsplanung im Kreis Heinsberg. Auswertungen seien nicht nur für den Kreis insgesamt, sondern laut Weiß auch für alle kreisangehörigen Städte und Gemeinden möglich.

Neben dem Ausfüllen von Haushalts- und Personenfragebögen, mit denen Themen wie Fahrzeugausstattung, Erreichbarkeit des Arbeits- oder Ausbildungsplatzes, Nutzung der verschiedenen Verkehrsmittel oder Bewertung der Verkehrssysteme angesprochen werden, wird auch die Führung eines Wegeprotokolls an einem bestimmten Stichtag im Juni erbeten.

Eckdaten zur alltäglichen Mobilität (zum Beispiel Verkehrsmittelwahl, Entfernungen oder Dauer der Wege) soll die Untersuchung liefern, aber auch Antworten auf Fragen wie: Welche Gruppen nutzen zu welchen Zwecken das Fahrrad häufiger? Wer besitzt ein E-Bike? Wie stark wird der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) außerhalb des Schülerverkehrs genutzt? Die Potenziale, die es für den Radverkehr und den ÖPNV noch gibt, ­sollen ermittelt werden.

Mit den Ergebnissen von 2012 konnte laut Kreis bereits vieles umgesetzt werden: Die Erkenntnisse hätten erheblichen Einfluss bei der Neuaufstellung des Nahverkehrsplans für den ÖPNV im Kreis gehabt; insbesondere bei der Bedarfsplanung für den Multi-Bus sowie bei der Reaktivierung der Bahnverbindung nach Heinsberg (die Wurmtalbahn steht auch diesmal wieder mit im Fokus). Ebenso seien Hinweise aus der Bevölkerung bei den Planungen zum Radwegeausbau und beim Einsatz von ­Flüsterasphalt zum Lärmschutz bei zahlreichen Straßenausbauten dienlich gewesen.

Losgelöst von der Mobilitätsuntersuchung, erkundet der Kreis nach Angaben von Dezernent Josef Nießen aktuell im Rahmen einer Verkehrszählung, wie sich nach Fertigstellung und Freigabe der neuen Bundesstraße 56 die Verkehrsströme im Westen des Kreisgebietes — vor allem auch auf den Zufahrts- und Abfahrtsstraßen — entwickelt haben.

(disch)
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