Kreis Heinsberg: Den Güterverkehr und die Bahnübergänge im Blick

Kreis Heinsberg: Den Güterverkehr und die Bahnübergänge im Blick

Nachdem sich das jahrzehntelang diskutierte Thema „Drittes Bahngleis auf der Strecke Aachen-Düren-Köln“ erledigt hat, hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen eine Studie initiiert, die ermitteln soll, ob und wie sich die Kapazität vor allem auf dem Abschnitt zwischen Aachen und Düren „durch einzelne infrastrukturelle und fahrplantechnische Maßnahmen“ erhöhen lässt.

Dabei wird aber auch eine Umfahrung der Strecke in den Blickpunkt gerückt — mit deutlich mehr Güterverkehr auf der Strecke von Aachen durch den Kreis Heinsberg gen Mönchengladbach als bislang. So soll ein gleicher Effekt wie mit dem dritten Gleis erreicht werden.

Nachdem ihm Zwischenergebnisse der Studie und des daraus resultierenden Maßnahmenpakets vorgestellt worden waren, hatte der Kreis Heinsberger SPD-Bundestagsabgeordnete Norbert Spinrath festgestellt, dass ein wesentlicher Aspekt nicht berücksichtigt worden sei: In Geilenkirchen und Übach-Palenberg gibt es noch straßengleiche Bahnübergänge (von acht ist die Rede), an denen jetzt schon Schließungszeiten der Schranken zwischen 20 und 40 Minuten pro Stunde verzeichnet werden.

Sollte es noch weitere Personenzugverbindungen geben und sollte sich der Güterverkehr vervierfachen (von 30 auf 120 Züge am Tag wird gesprochen), dann könnte der Straßenverkehr im Südkreis an diesen Stellen weitgehend zum Erliegen kommen, so Spinraths Befürchtung. Deshalb will er nun im Zuge der anstehenden parlamentarischen Beratungen des Bundesverkehrswegeplans 2030 die Initiative ergreifen: Die „Rheydter Kurve“ (eine neue Güterstrecke zwischen Herrath und Hochneukirch) solle vom potenziellen in den vordringlichen Bedarf hochgestuft werden — allerdings will Spinrath dies an die Bedingung geknüpft sehen, dass zugleich die Übergänge in Geilenkirchen und Übach-Palenberg beseitigt, sprich durch Unter- oder Überführungen ersetzt werden.

Rund 100 Millionen Euro seien dafür zu veranschlagen. Aber auch den Lärmschutz hat Spinrath im Auge oder Ohr: Zwar werde in Zukunft verstärkt „Flüstertechnik“ zum Einsatz kommen, gleichwohl müssten, wenn es mehr Verkehr auf dieser Bahnstrecke geben sollte, auch die Lärmschutzaspekte berücksichtigt werden. Zudem wolle er sich dafür einsetzen, dass die Vorrangregelung für grenzüberschreitenden Güterverkehr wenn nicht aufgehoben, so doch zumindest eingeschränkt werde.

Spinrath sieht „große Chancen“, dass es zur Aufnahme der „Rheydter Kurve“ samt den Maßnahmen im Kreis Heinsberg in den vordringlichen Bedarf kommen könnte. Sollte es aber nicht zur Beseitigung der Bahnübergänge kommen, so dürfe es nicht mehr Güterverkehr auf der Strecke geben.

Die Kammer, die sich für eine leistungsfähige Verbindung von den Seehäfen Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam in die Rhein-Ruhr-Schiene einsetzt, will die speziellen Kreis Heinsberger Aspekt jetzt bei ihren weiteren Forderungen berücksichtigen, wie Monika Frohn, die sich bei der IHK federführend mit dem Thema Verkehr beschäftigt, bestätigte. Die IHK habe auch eine Vision, wie die Region von den Güterströmen profitieren könnte: als Logistikstandort, an dem Güter umgeschlagen, bearbeitet, neu konfektioniert und verteilt werden.

(disch)
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