Selfkant-Süsterseel: Den Gottesdienst garniert mit kölschen Karnevalshits

Selfkant-Süsterseel: Den Gottesdienst garniert mit kölschen Karnevalshits

Wo gibt es denn so etwas? Zugabe fordern? In einem Gotteshaus? Und gleich zwei Mal? Beim kölsch-katholischen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Hubertus Süsterseel gibt es so etwas. Diese besondere Ausgabe des Gotteslobes enthielt in den fast 120 Minuten keine Sekunde der Langeweile, bestätigen viele, die da waren.

Sieben Mönchengladbacher lieferten unter dem Titel „Kölsch-Katholisch“ eine besondere Hommage an die Domstadt und die fünften Jahreszeit ab. Die Idee dazu entstand Ende der 1990er Jahre. Da waren einige Gladbacher Freunde unterwegs in fremden Ländern und wunderten sich, dass man dort mit kölschen Liedern Stimmung rüberbrachte.

Pfarrer Harald Josephs hatte die Idee, die kölsche Tön einfach mit in den Gottesdienst einzubeziehen. „Lachen und der Glaube an den lieben Gott gehören zusammen!“, so die Überzeugung des Pfarrers. Er fand in seinem Freundeskreis Musiker — und der kölsch-katholische Gottesdienst war geboren.

Gemeinsam besuchten sie Konzerte der Black Fööss und ließen sich vom jecken Treiben inspirieren. Sie erkannten viele Parallelen zu biblischen Gedanken in den Liedtexten wie zum Beispiel beim „Buuredanze“ oder „Minsche wie mir“, erklärte Pfarrer Josephs als Frontmann des Ensembles. Das heißt es zum Beispiel: „Ich war ein stolzer Römer, kam mit Caesars Legion. Und ich bin ein Franzose, kam mit dem Napoleon. Ich bin Bauer, Schreiner, Fischer, Bettler und Edelmann. Sänger und Gaukler. So fing alles an.“

Auch viele andere musikalische Karnevals-Ohrwürmer, unter anderem von den Höhnern oder Brings haben viel Nachdenkliches im Text.

Das Ensemble verstand es blendend, die Besucher 120 Minuten lang in seinen Bann zu ziehen. Und die biblische Lesungen, vortragen vom 95-jährigen Hermann Deuster und Marion Peters (beide ebenfalls aus Mönchengladbach und zum Ensemble gehörend) hatten einige Male den Klang einer echten Büttenrede und ließen das Publikum schmunzeln.

Bei den kölsch-katholischen Gottesdienste war Schunkeln erlaubt, ja, sogar Pflicht. Und dann — tosender Applaus im Gotteshaus. Alles ist möglich, wenn Pfarrer Harald Josephs zum Gottesdienst lädt. Da wird mitgeklatscht, mitgesungen und fast schon mitgetanzt.

Doch so sehr die Gladbacher der Domstadt im karnevalistischen Sinne auch verbunden sind, beim Fußball gibt es Grenzen. Und so flackerte irgendwann das Spielergebnis 5:1 für die Borussia gegen den 1. FC Köln über die Leinwand — obwohl an diesem Wochenende Köln gegen Mainz spielte.

(agsb)