Angemerkt: Darf Kultur das? Auf jeden Fall!

Angemerkt : Darf Kultur das? Auf jeden Fall!

Im Kreis Düren hat sich ein grünes Blasorchester gegründet, das den Bundestagswahlkampf in der Region ein Stück weit aufmischen soll. Aber darf Musik sich so eindeutig politisch positionieren?

„Darf Musik das?“, war mein erster Gedanke, als ich von dem grünen Blasorchester gehört habe, das sich gerade gegründet hat. Natürlich weiß auch ich, dass Wahlkampfstände in der Fußgängerzone eher nervig als informativ sind. Und ja, ich gehöre auch zu denen, die einen weiten Bogen um Politiker machen, die mir Flaschenöffner und Einkaufswagen-Chips schenken wollen. Ganz ehrlich: Wer braucht schon Kulis mit Partei-Logo?

Und trotzdem habe ich mich in einem ersten Impuls gefragt, ob ein Orchester sich politisch positionieren darf. Ob Musiker – egal, ob mit oder ohne Parteibuch – ganz klar Stellung und Partei beziehen dürfen. Indem sie beispielsweise „Imagine“ von John Lennon im grünen T-Shirt spielen. Die Antwort ist ganz eindeutig: Auf jeden Fall!

Schon immer waren es Musiker, Maler und Schriftsteller, die öffentlich ihre Meinung gesagt haben. Auch und gerade, wenn die manchmal unbequem war. Schon immer waren es Künstler, die versucht haben, Dinge zu bewegen, Veränderungsprozesse in Gang zu setzen. Und deswegen ist es gut und richtig, wenn Musiker für eine Partei und deren Grundsätze spielen, jedenfalls dann, wenn die mit unserer demokratischen Grundordnung vereinbar ist.

Und wenn die Musik es am Ende dann auch noch schafft, Menschen über politische Themen miteinander ins Gespräch und im besten Fall sogar an die Wahlurne zu bringen, dann reicht ein politisches Orchester absolut nicht aus.