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Offener Brief an Jens Spahn: „Vergessen Sie uns nicht“

Offener Brief an Jens Spahn : „Vergessen Sie uns nicht“

Auch in Deutschland sollen bald die ersten Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden. Dazu gibt es eine Priorisierung von Gruppen, die den Schutz zuerst erhalten sollen. Doch nicht alle Risikogruppen fühlen sich berücksichtigt. Ein Offener Brief eines Betroffenen.

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, hat nach den Vorschlägen der Ständigen Impfkommission (Stiko) für die Priorisierung bei der anstehenden Coronavirus-Impfung Kritik geübt, da Menschen, die mit einem Handicap leben, erst einmal in keiner Gruppe der Stiko Erwähnung finden.

Die Pflegebedürftigen und Schwerstkranken, so Brysch, müssten auch schnell "die Chance auf eine Impfung bekommen“. Tom Förster (23), der mit der Krankheit Muskeldystrophie Duchenne lebt, hat deshalb einen Offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geschrieben.

Offener Brief an den Gesundheitsminister

„Sehr geehrter Herr Minister Spahn,

mit Besorgnis habe ich den Entwurf der ständigen Impfkommission zur Priorisierung der Impfung gegen Covid-19 zur Kenntnis genommen. Hier wird eine Hochrisikogruppe gar nicht erwähnt. Nicht nur ältere Menschen und Bewohner*innen von Pflegeheimen sind dringend auf eine frühzeitige Impfung angewiesen, auch eine Vielzahl von Menschen die im häuslichen Rahmen ambulant oder durch persönliche Assistenz/Angehörige gepflegt werden. Ich bin einer davon. Ich lebe mit der Diagnose Muskeldystrophie Duchenne. Diese betrifft auch die Atemmuskulatur und damit verbunden die Lungenfunktion, die geschwächt ist. Außerdem ist es für uns schwieriger abzuhusten. Ähnlich verhält es sich auch bei anderen Muskelerkrankungen, wie z.B. spinaler Muskelatrophie.

Ich denke diese Ausführungen sollten schon verdeutlichen, dass wir ebenfalls als Hoch-Risikogruppe einzustufen sind und eine hohe Priorität beim Impfen haben. Ich bitte Sie hiermit eindringlich auch diese Gruppe nicht zu vergessen! Letztendlich geht es im Falle einer Infektion um Leben und Tod! Für uns ist diese Krise ebenso besonders schwer, wie für die anderen Risikogruppen, da wir uns in besonderer Weise isolieren müssen und von gesellschaftlicher Teilhabe in besonderem Maße ausgeschlossen sind. Ich appelliere an Sie uns nicht zu vergessen! Bleiben Sie gesund!

Mit freundlichen Grüßen

Tom Förster (stellvertretend für eine ganze Gruppe)“