Leserbriefe zum Thema Coronavirus: Das Verhalten einzelner und die Folgen für viele

Leserbriefe zum Thema Coronavirus : Das Verhalten einzelner und die Folgen für viele

Die Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen, das Ansteckungsrisiko in Schulen, die Corona-Lage in Belgien: Ein weiteres Mal erreichten uns zahlreiche Leserbriefe rund um die Pandemie.

Johannes Rohé aus Aachen hat sich Gedanken zum Bericht „NRW verbietet Teilung von Klassen“ gemacht:

Corona einzudämmen funktioniert, indem man Kontakte und damit mögliche Ansteckungsrisiken minimiert. Wenn die Schulen offenbleiben sollen, müssen Kontakte an anderen Stellen „eingespart“ werden. Dann trifft das zum Beispiel die Veranstaltungsbranche, Cafés und Restaurants. Anstatt gebetsmühlenartig die Forderung zu wiederholen, dass Schulen offenbleiben müssen, hätten Yvonne Gebauer, die Schulministerin, oder Armin Laschet, der Ministerpräsident, seit dem Frühjahr Zeit gehabt zu überlegen, wie man nachhaltig das Ansteckungsrisiko, das vom Präsenzunterricht ausgeht, reduzieren könnte. Die Vorschläge liegen längst auf dem Tisch: Klassen und Kurse teilen, je eine Hälfte ist in der Schule, die andere im Homeoffice. Voraussetzungen schaffen, die sinnvollen Unterricht zu Hause ermöglichen (Software, Hardware, Fortbildung ...). Dass für jüngere Schülerinnen und Schüler der Präsenzunterricht wichtig und nötig ist, wird kaum jemand bestreiten. Aber gilt das auch für die Oberstufe? Viele Möglichkeiten, Risiken, die von Präsenzunterricht in Schulen ausgehen, für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und Eltern vorausschauend zu reduzieren. Wenn an den Schulen die Kontakte reduziert werden könnten, würde das an anderen Stellen Entlastung schaffen, man könnte vielleicht wieder ins Restaurant gehen. Statt zu handeln, gibt die Ministerin das Kaninchen vor der Schlange: bloß nicht bewegen, hoffen, dass es vielleicht doch irgendwie gutgehen könnte. Das Ende kann sein, dass die Schulen Stück für Stück doch geschlossen werden müssen, einfach, weil zu viele Lehrer und Schüler krank sind. Das wäre die schlechteste Lösung.

Elvira Schoch aus Baesweiler meldet sich zu den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen zu Wort:

Ich bin 61 Jahre alt und verstehe in dieser Krise dieses Land nicht mehr. Die kleinen Kinder basteln Laternen, und alle Martinszüge werden abgesagt. Die Kinder müssen mit Masken in der Schule sitzen, alle Freizeitmöglichkeiten (Zoos, Hallenbäder, Freizeitparks, Restaurants, Cafés, Saunas) wurden mal wieder geschlossen, aber Demonstrationen dürfen unter „strengen Schutzmaßnahmen“ (haha) stattfinden. Ich verstehe weder die Politik noch die Gerichtsbarkeit. Wie kann man in seinen Grundrechten so eingeschränkt werden? Alle Schulen und Karnevalsvereine müssen ihre Umzüge als „verkleidete Demonstrationen“ anmelden und dann unter „strengen Schutzmaßnahmen“ stattfinden lassen, dann werden sie wohl genehmigt. Es herrschen nur noch Aggressivität oder Verzweiflung unter der Bevölkerung. Man kann seine Angehörigen nicht besuchen (wahrscheinlich auch Weihnachten nicht), und alte Menschen leben vereinsamt in Altenheimen. Und falls sie im Sterben liegen, darf kein Ehepartner oder Angehöriger ihnen in der letzten Stunde beistehen. (Anm. d. Red.: In der Regel sind Besuche möglich. Da die Regelungen aber sehr unterschiedlich sind, sollten sich Angehörige auf jeden Fall vorher bei der jeweiligen Klinik oder dem Altenheim informieren.) Ist das noch gerecht? Ich bin nur noch wütend und habe von diesem Land die Nase voll. Die Gesellschaft ist eine egoistische Ellbogengesellschaft. Jeder ist nur noch auf sein eigenes Wohl bedacht. Die Demonstranten schert es offenbar einen Dreck, ob aufgrund ihres Verhaltens höhere Einschränkungen für alle anderen in der Politik beschlossen werden.

Alfred Weyler aus Nörvenich befasst sich mit dem Artikel „Weihnachtsferien starten dieses Jahr zwei Tage früher“:

Gute Idee, Herr Laschet! Vorquarantäne würde Familienbesuche zu Weihnachten sicherer machen. Doch wer glaubt, dass die Schüler die zusätzliche Freizeit wirklich unter Kontaktvermeidung möglichst zu Hause verbringen? Und dann wundert mich noch etwas: Bislang habe ich von Landes- und Bundespolitikern immer gehört, dass Schule im Infektionsgeschehen keine besondere Bedeutung hat. Sind da erste Zweifel?

Ich vermisse ausgewogene Lösungen zwischen Präsenzunterricht um jeden Preis und Schulschließung.

Franz-Jakob Reinartz aus Düren stellt fest:

Die Hotspots nehmen in kurzer Zeit sprunghaft zu. Jetzt ist auch die Städteregion Aachen betroffen. Man sollte erwähnen, dass der zur Berechnung genutzte Inzidenzwert von 50 Neuinfizierten auf 100.000 Einwohnern in sieben Tagen von Bürokraten Anfang Mai festgelegt wurde, ohne dass klinische Studien hierzu vorlagen. Für Berlin mit seinen 3,7 Millionen Einwohnern sind das etwa 1850 Infizierte. Diese werden überwiegend durch den umstrittenen PCR-Test ermittelt. Zu Beginn der ersten Welle wurden 20.000 Tests durchgeführt. Diese sind mittlerweile landesweit auf eine Million angewachsen. Bei einer Fehlerquote von nur 0,2 Prozent sind das 2000 Personen, die dann irrtümlich als infiziert gelten. Nach Meinung vieler Experten haben wir mittlerweile mehr Erfahrung und sind somit besser für die zweite Welle gerüstet. Da stellt sich mir die Frage, warum der Grenzwert nicht nach diesen Erkenntnissen nach oben korrigiert wird und stattdessen schärfere Maßnahmen, die die Rechte der Bürger weiter einschränken, beschlossen werden. Laut einer Aussage von Verfassungsrechtler Prof. Oliver Lepsius sind viele Lockdown-Maßnahmen verfassungswidrig. Trotzdem gibt es nur wenige Klagen von betroffenen Gastronomen und Einzelhändlern. Das liegt vielleicht an den „Horrormeldungen“, die man seit gut sieben Monaten jeden Tag von den Sensationsmedien präsentiert bekommt. Ich möchte hier nichts beschönigen oder verharmlosen, aber wir sollten schon kritisch sein, wenn es um die Einschränkung unserer im Grundgesetz verankerten Grundrechte, wie Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit geht oder Maßnahmen, die die Existenz ganzer Bevölkerungsgruppen gefährden. Auch die Meinungsfreiheit ist durch eine einseitige Berichterstattung bedroht.

Horst Lübke aus Herzogenrath merkt zum Bericht „Belgiens Kliniken stehen vor dem Kollaps“ an:

In den Medien wird immer von einer hohen Anzahl an Intensivbetten berichtet, die in Deutschland bereitgehalten werden. Mich interessiert aber nicht die Anzahl an Betten, sondern die Anzahl der Intensivplätze, die für Intensivpatienten mit dem erforderlichen Personal tatsächlich „betrieben“ werden können. Und ich rede hier ausdrücklich von „erforderlichem Personal“, damit Pflegekräfte durch Zuweisung von noch mehr Intensivplätzen nicht noch weiter ausgelaugt werden. Da stellt sich mir in Bezug auf den Artikel wirklich die Frage, ob nur Belgiens Kliniken vor dem Kollaps stehen.