Auswirkungen der Corona-Pandemie: Das nächste Bier auf belgischer Seite muss noch warten

Auswirkungen der Corona-Pandemie : Das nächste Bier auf belgischer Seite muss noch warten

Kalterherberg in Deutschland und Küchelscheid in Belgien sind eigentlich eine Siedlung. Doch durch Corona ist alles anders. Das merken auch die Inhaberinnen zweier beliebter Ausflugslokale auf belgischer Seite, die in unmittelbarer Nähe des Vennbahnradwegs liegen.

Seitenlang ist der Erlass des Gouverneurs der Provinz Lüttich, der bereits seit Wochen an einem schwarzen Brett ganz unten an der Kalterherberger Bahnhofstraße hängt. Seitenlang und unscheinbar. Unscheinbar, und doch mit großen Auswirkungen verbunden. Es geht, natürlich, um das Coronavirus. Zum Schutz vor dem Virus müssen auf belgischer Seite Gaststätten und Restaurants bereits seit dem 13. März geschlossen bleiben, also schon etwas länger als auf deutscher Seite.

Überhaupt ist der Grenzverkehr zwischen den beiden Ländern im Moment stark eingeschränkt. Direkt am Grenzübergang zwischen dem Monschauer Dorf Kalterherberg und Küchelscheid, das zur belgischen Gemeinde Bütgenbach gehört, führt das mitunter zu seltsamen Situationen.

Martha Henn betreibt die "Taverne A'Lutze" in Küchelscheid seit vielen Jahren. Hier treffen sich normalerweise an Bundesligaspieltagen Belgier und Deutsche zum Fußballgucken. Hier ganz in der Nähe hält der Fahrradbus, der normalerweise zahlreiche Radtouristen aus Aachen in die Eifel karrt. Hier finden ab und an öffentliche Proben der "Butzeltaler Musikanten" des Kalterherberger Musikvereins statt. An sonnigen Wochenenden wie diesen hätte Martha Henn normalerweise eine Menge zu tun. Doch im Moment ist nichts normal. "In Belgien bleibt ja erst einmal mindestens bis zum 3. Mai alles geschlossen, danach sehen wir weiter", erzählt Martha Henn am Telefon.

Sie glaube, dass gerade Restaurants und Kneipen wie ihre das letzte sein werden, was wieder geöffnet werden darf. Der März und der April verliefen dementsprechend ruhig für die 79-Jährige. "Bei diesem Wetter wäre hier normalerweise alles voll gewesen." Besonders beliebt: Leffe brûne vom Fass, serviert mit einer kleinen Schale Nüsschen. All das gibt es derzeit nicht. Und nicht einmal ihre deutschen Freunde dürfen sie besuchen kommen. Selbst zum Einkaufen dürfe man nicht nach Deutschland fahren. „Ich bin fast 80 Jahre alt, aber sowas habe ich noch nicht erlebt.“

Ein paar Meter weiter oben an der Straße "Auf dem Hau" betreibt Carmen Hensen ihr "Le Café", bei Ausflüglern aus der Stadt, Eifel-Urlaubern und Radfahrern ebenfalls sehr beliebt. Carmen Hensen bietet in ihrem Café frische Kuchen, kleine Speisen und natürlich Kaffee an. Doch derzeit bleibt die Küche kalt. Denn genau wie Martha Henn darf auch sie seit dem 13. März keine Kunden mehr bedienen. "Anfangs haben mich da die Unterschiede hier im Grenzland sehr verwundert", sagte sie.

Während auf belgischer Seite die Gastronomen bereits geschlossen hatten, duften deutsche Gastronomen noch eine Weile öffnen. "Das hat nichts mit Neid zu tun", betont die Wirtin, "aber logisch ist das doch nicht, wenn die Belgier dann massenweise nach Deutschland fahren, um dort ihr Bier zu trinken." Nun ist Carmen Hensens Café seit mehr als einem Monat geschlossen, auch das angeschlossene Bed and Breakfast ist im Moment zu. „Alle Buchungen, die ich hatte, sind storniert.“

Im Moment muss Carmen Hensen einem anderen Job nachgehen, um über die Runden zu kommen. „Ich habe als Reinigungskraft in einem Altenheim in Eupen angefangen“, erzählt sie. Und so schwer es ihr auch fällt, dass ihr Café zu bleibt, so sehr zeige ihr das Leben der Menschen im Altenheim, wie gut sie selbst es immer noch habe. „Die alten Menschen sitzen da in ihren ZImmern und dürfen nicht einmal Besuch bekommen. Ich kann raus an die frische Luft, ich bin gesund, mir geht es doch immer noch gut“, sagt sie. Man müsse eben Geduld haben. „Wenn wir im Juli oder August wieder öffnen dürfen und haben dann noch ein paar schöne Monate, dann ist alles okay.“

Auch Martha Henn sieht die Lage entspannt. „Wenn man so überlegt, ist so eine Wirtschaft eine ganze Menge Arbeit.“ Da sei eine kleine Pause für die eigene Gesundheit vielleicht gar nicht so schlecht. Sie bedauert jedoch sehr, dass sie ihren 80. Geburtstag im Mai nicht so groß feiern kann, wie sie das eigentlich vorgehabt hatte. „Es war schon alles geplant, aber ich musste alles wieder absagen.“

Doch auch Martha Henn geht davon aus, dass sich die Lage irgendwann wieder entspannt. Und dann wird sie wieder Leffe vom Fass servieren, und dann spielen auch ganz bestimmt wieder die Butzeltaler Musikanten des Kalterherberger Musikvereins für sie und ihre Gäste.