1. Coronavirus

Sorgen und Ängste: Corona-Krise führt zu starker Nachfrage bei Telefonseelsorge

Sorgen und Ängste : Corona-Krise führt zu starker Nachfrage bei Telefonseelsorge

Einsamkeit, Depression und Suizidgedanken: Die Corona-Krise hat zu einem starken Anstieg der Hilfegesuche auf den elektronischen Kanälen der Telefonseelsorge geführt.

Allein die Chat-Gespräche der 20 Telefonseelsorge-Standorte auf dem Gebiet der rheinischen Kirche hätten im Coronavirus-Jahr 2020 um mehr als ein Drittel (35 Prozent) auf 6426 zugenommen, teilte die Evangelische Kirche im Rheinland am Freitag mit. Einen Anstieg von 28 Prozent auf mehr als 10.400 habe es auch bei Email-Kontakten gegeben. Die Vor-Ort-Gespräche hätten von 786 im Jahr 2019 auf 1207 im vergangen Jahr zugenommen.

Lediglich die Zahl der direkten Anrufe sank gegenüber 2019 um knapp 2000 auf 227.328. Im Durchschnitt klingele an jeder Telefonseelsorge-Stelle täglich 31 Mal das Telefon. Manche Anrufer schweigen nach Angaben der Kirche auch und legen schnell wieder auf. Der Anteil der zustande gekommenen Gespräche sei aber gestiegen. Auch die Zahl der Erstgespräche per Telefon stieg laut Statistik um 2,5 Prozent auf 5600.

„Vor allem während der Lockdowns waren die Seelsorge-Telefone stark frequentiert“, sagte Pfarrer Volker Bier, evangelischer Leiter der Telefonseelsorge Saar. An vielen Stellen habe die Kirche die Besetzung verdoppelt und Dienstzeiten ausgeweitet.

Bei der Mail-Seelsorge stieg der Gesprächsbedarf zum Thema Depression. Bei den Vor-Ort-Gesprächen ging es immer öfter um das Thema Suizid. Telefonisch hätten überwiegend 40- bis 60-Jährige die Seelsorge kontaktiert, darunter viele Frauen. Einsamkeit sei das beherrschende Thema am Telefon, eine Art „Grunderkrankung“ der Gesellschaft, sagte Bier.

14- bis 29-Jährige äußerten häufig Suizidgedanken und nutzten vor allem den Chat. Das Thema Suizid beherrsche Kontakte per Chat und Mail. Bei rund 40 Prozent der Kontaktsuchenden im Chat liege eine diagnostizierte psychische Erkrankung vor - ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zu 2019. „Ein irritierender und erschreckender Einblick in die Lebenswelt von jungen Menschen heute“, sagte Bier.

Das Gebiet der rheinische Kirche umfasst Teile der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland.

(dpa)