Coronavirus: Krisenschutz-Hütte auf dem Marktplatz in Inden

Indener Marktplatz in Corona-Krise : Die Krisenschutz-Hütte wird zum Treffpunkt mit Abstand

Um die Menschen ein wenig aus der Einsamkeit zu holen und ihnen frische Gerichte anzubieten, haben Frank und Patrick Lacroix die Krisenschutz-Hütte ins Leben gerufen. Die Bürger nehmen das Angebot sehr positiv an, einige Ideen verstießen allerdings gegen das Versammlungsverbot.

Auf dem Indener Marktplatz steht seit einigen Wochen eine kaum übersehbare lilafarbene Bude. Auf einer Außenwand ist zu lesen: „Krisenschutz-Hütte“. Dieser Stand bietet den Indener Bürgern vor allem kulinarische Spazialitäten, zubereitet in der Küche von Frank und Patrick Lacroix auf Gut Merödgen. Sie haben sich die Aktion einfallen lassen, um den Menschen ein wenig Normalität zurückzugeben.

„Wenn die Leute nicht zu uns kommen dürfen, gehen wir eben zu ihnen“, erklärt Frank Lacroix den Ursprung der Idee. Die Allgemeinverfügung zwang den Restaurant- und Hotelbetreiber Mitte März zum Schließen, der Alltag war augenblicklich auf den Kopf gestellt. „Wir sind aber nicht die Typen dafür, dann nichts zu tun und in Lethargie zu verfallen“, ergänzt sein Partner und Geschäftsführer Patrick Lacroix.

Also haben sich die beiden etwas Neues einfallen lassen. Grundlage dafür war der Teil der Regelungen, dass Marktstände ausdrücklich erlaubt seien. Einen Anruf beim Bürgermeister später, und die Hütte war genehmigt. „Die Gemeinde Inden war sehr kooperativ und hat unbürokratisch geholfen“, berichtet Patrick Lacroix.

Fehlte noch die Hütte. Die habe sich tatsächlich sehr glücklich ergeben. Ein befreundeter Designer brauchte die Bude nicht mehr, am nächsten Tag stand sie schon in Inden – geschenkt. „Ich glaube ja nicht an Zufälle, aber das hat gut geklappt“, freut sich Frank Lacroix.

Die Hütte sollte von Beginn an ein Projekt werden, das nicht nur für die Betreiber des Guts Merödgen reserviert ist. Denn Frank und Patrick Lacroix sehen, dass sie nicht die einzigen Betroffenen sind. Der ganze Einzelhandel und weitere Restaurants haben ebenso mit den Folgen des Coronavirus zu kämpfen.

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Also haben sie einen Facebook-Aufruf gestartet, der sehr oft geteilt wurde und viele Reaktionen hervorgerufen hat. Letztlich übriggeblieben ist jedoch nur eine Frau, die selbst Nudeln herstellt. Sie verkauft ihre Waren nun auch in der Krisenschutz-Hütte auf dem Indener Markt.

Nach anfänglicher Unterstützung der Gemeinde habe das Ordnungsamt teilweise einen Strich durch weitere Planungen gemacht. Beim ersten Gespräch mit der Gemeinde hatten Frank und Patrick Lacroix nach eigenen Angaben angekündigt, die Hütte auch für Kunst, Kultur und andere Bereiche zu öffnen. Dazu zählte auch das Angebot eines kleinen Konzertes, das Patrick Lacroix als Sänger geben wollte.

Was dann geschah, schildert Frank Lacroix so: „Um 15 Uhr hat das Konzert begonnen, wir hatten mit Kreide Kreise auf den Boden gemalt, damit Besucher den Abstand einhalten. Eine Minute später stand das Ordnungsamt da und hat das Konzert abgewürgt. Patrick durfte noch zwei Lieder singen. Und jetzt haben wir einen Anhörungsbogen erhalten, weil wir gegen das Versammlungsverbot verstoßen haben sollen.“ Das sei ärgerlich und demotivierend.

Veranstaltungen laut Landesverordnung verboten

Bürgermeister Jörn Langefeld äußert sich zu dem Geschehen etwas anders. Es gebe eine klare Rechtsverordnung des Landes, dass im öffentlichen Raum keinerlei Veranstaltungen stattfinden dürfen. „Dazu zählt eine Gesangsdarbietung zweifelsohne auch, ein Konzert in der Öffentlichkeit ist nicht gestattet“, sagt Langefeld.

Es gebe einen Unterschied zwischen dem Verkauf von Produkten und einer Veranstaltung oder einer Versammlung. „Abstandsregelungen sind da von untergeordnetem Charakter. Zuerst ist wichtig, dass Veranstaltungen laut Landesverordnung verboten sind. Und da halten wir uns strikt dran.“ Nichtsdestotrotz unterstützt er nach wie vor das Projekt des Verkaufs, um ein wenig Wirtschaftshilfe vonseiten der Gemeinde zu leisten.

Über diese unbürokratische Hilfe und die Erlaubnis der Gemeinde sind Frank und Patrick Lacroix auch nach wie vor sehr froh. Sie seien mit sehr viel Elan an das Projekt herangegangen, um die Menschen ein Stück weit aus der Einsamkeit zu holen. Diese nehmen die Hütte sehr gut an und geben ihnen viel Zuspruch.

Deshalb machen Frank und Patrick Lacroix weiter und werden „in der Krisenzeit“ – wie lange sie auch dauern mag – weiter verkaufen. Sie bieten in der Hütte hausgemachte Produkte an, die sie für den jeweiligen Verkaufstag frisch herstellen. Einiges ist eingeweckt und somit haltbar. An zwei bis drei Tagen in der Woche öffnen sie die Bude, meist von 10.30 Uhr bis in den Nachmittag hinein.

Der nächste Verkaufstag ist der kommende Samstag. Dann stehen auf der „Speisekarte“ unter anderem Merödgener Curry, Bärlauchpesto, Kalbsragout mit Spargel und Blätterteigpasteten.