Kreis Heinsberg: Coaching für Flüchtlinge: „Im Zuzug liegt auch eine Chance“

Kreis Heinsberg: Coaching für Flüchtlinge: „Im Zuzug liegt auch eine Chance“

Die Arbeitslosigkeit von Personen aus Asylherkunftsländern außerhalb Europas im Kreis Heinsberg ist gestiegen. Das geht nach Angaben des Caritasverbandes für das Bistum Aachen aus dem Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalen hervor.

Habe die Zahl der Arbeitslosen aus den zuzugsstärksten Asylherkunftsländern im Kreisgebiet im Juni 2015 noch bei 89 Personen gelegen, so sei sie im Juni 2017 auf 475 Personen angestiegen. Das habe das Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung der Hochschule Koblenz im Auftrag der Freien Wohlfahrtspflege NRW ermittelt.

Dabei habe es die Personen aus Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien berücksichtigt. Die Entwicklung im Kreis Heinsberg sei vergleichbar mit der in Nordrhein-Westfalen. Landesweit seien 22 602 Personen aus diesen Ländern im Juni 2015 ohne Arbeit gewesen, im Juni 2017 dann 58 283.

„Dass geflüchtete Menschen inzwischen auch in der Arbeitsmarktstatistik sichtbar werden, darf nicht verwundern“, erklärte Roman Schlag, Fachreferent für Arbeitsmarktpolitik beim Caritasverband für das Bistum Aachen. Das hänge mit der starken Fluchtmigration im Jahr 2015 zusam-men und mit der Beschleunigung der Asylverfahren. „Wir dürfen aber nicht übersehen, dass im verstärkten Zuzug von Personen aus Asylherkunftsländern außerhalb Europas auch eine Chance liegt, wenn man jetzt an den richtigen Stellschrauben dreht.“

Im Kreis Heinsberg sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus nicht europäischen Asylherkunftsländern im Zeitraum von September 2015 bis September 2016 um 184,6 Prozent auf insgesamt 222 Personen gestiegen. „Wir verkennen nicht, dass trotz dieses Potenzials noch viel zu tun ist, um Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, so Schlag.

Einer der Punkte, die die Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt erschweren würden, sei nach den aktuellen statistischen Erhebungen der Agentur für Arbeit die mitgebrachte schulische und berufliche Qualifikation der Geflüchteten. Sie sei mehrheitlich noch nicht ausreichend. „Was wir aber positiv vermerken sollten ist: Bei vielen Geflüchteten ist von einem großen Bildungspotenzial auszugehen“, so Schlag.

Der Arbeitslosenreport NRW gibt laut Caritas auch erste Anhaltspunkte darüber, für welche Berufe die Mitarbeiter der Jobcenter und Arbeitsagenturen die erwerbsfähig Geflüchteten aktuell als sofort vermittelbar einstufen würden. Demnach kämen im Moment in NRW für mehr als jeden zweiten Geflüchteten (65 Prozent) lediglich Jobs auf Helferniveau infrage. Nur 13 Prozent könnten Fachkraft- oder Spezialistenniveau nachweisen. Eine ähnliche Tendenz zeige sich im Kreis Heinsberg. Hier kämen 69 Prozent als Helfer und nur 20,7 Prozent als Fachkraft oder Spezialist infrage.

Bei der Interpretation der Statistik muss nach Angaben der Caritas aber auch berücksichtigt werden, dass grundsätzlich jede Person, die beispielsweise aufgrund fehlender berufspraktischer Anerkennung, aktuell in Deutschland nicht als Fachkraft arbeiten könne, in der Statistik der Arbeitsagentur zunächst als „Helfer“ geführt werde — selbst wenn er oder sie im Herkunftsland Arzt oder Apothekerin gewesen sein sollten.

„Es muss strukturiert und engagiert in die Qualifizierung von jüngeren Arbeitslosen investiert werden“, so Schlag. Sprachförderung, Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen und Investitionen in berufliche Qualifizierung und Berufsausbildung seien wichtige Beiträge für eine nachhaltige Arbeitsmarktintegration. Bisher würden laut Arbeitslosenreport NRW für Geflüchtete hauptsächlich eher kurze Maßnahmen angeboten — als Beitrag zur ersten Orientierung am deutschen Arbeitsmarkt.

Um das bei vielen doch bestehende Defizit bei Qualifikation und beruflichen Vorkenntnisse zu beheben, seien erheblich mehr Anstrengungen notwendig. „Deshalb fordern wir von der Freien Wohlfahrtspflege für Geflüchtete individuelle, bedarfsgerechte und kontinuierliche Begleitung zur Integration in Ausbildung und Arbeit durch längerfristige und an pädagogischen Konzepten ausgerichtete Coaching-Angebote.

Um dauerhafte Integration in den Arbeitsmarkt über die Vermittlung kurzer Jobs hinaus sicherzustellen, müssen wir die Eingliederungsprozesse längerfristig planen.“ Die Jobcenter bräuchten dafür zusätzliche Finanzmittel aus Berlin.

(red)