Berlin - Verbunden trotz Distanz: Social Media während des Schüleraustauschs

Verbunden trotz Distanz: Social Media während des Schüleraustauschs

Von: dpa
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Hirschfeld
Austauschschüler sollten ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken beschränken, während sie im Ausland sind, rät Jens Hirschfeld vom unabhängigen Bildungsberatungsdienst weltweiser. Foto: dpa

Berlin. Viele Hunderte Kilometer liegen zwischen ihnen und ihrem zu Hause - trotzdem bleiben Austauschschüler heute über Social Media stärker mit den Daheimgebliebenen vernetzt als früher. Das sei Fluch und Segen zugleich, sagte Jens Hirschfeld vom unabhängigen Bildungsberatungsdienst weltweiser dem dpa-Themendienst. Denn beim Kommunizieren während des Auslandsaufenthalts drohen einige Fallstricke. Der erste lauert schon, bevor das Abenteuer überhaupt losgeht - wenn die Schüler Informationen über ihre Gastfamilien bekommen. Damit müsse man gewissenhaft umgehen, sagte Hirschfeld. Er warnt davor, Fotos von der Familie direkt dort zu posten, wo sie sich unkontrolliert verbreiten können.

Der gewissenhafte Umgang mit Fotos bleibe auch während des Austauschs wichtig. Die Schüler unterschätzten oft die Konsequenzen, wenn sie zum Beispiel Fotos von sich auf Partys posteten, erzählte Hirschfeld. Was, wenn im Hintergrund jemand eine Flasche Bier in der Hand hält oder eine Zigarette? Das kann einigen Ärger provozieren. „In vielen Ländern ist man da etwas werteorientierter“, warnte Hirschfeld.

Vorsicht walten lassen sollte man auch bei den Kommentaren: Frust über die Gasteltern, Freunde oder das Gastland sollten Schüler nicht direkt posten. Denn zum einen gebe es häufig eine Zeitverschiebung: Wenn die Eltern zu Hause den Kommentar lesen und sich dann Sorgen machen, ist das Problem zum Beispiel in Australien oder Neuseeland möglicherweise schon längst passé, schilderte Hirschfeld.

Zum anderen könnten die Kommentare die Gastfamilie oder Freunde vor Ort verletzen - dank Übersetzungsprogrammen bleiben sie nämlich nicht zwangsläufig vor ihnen verborgen. Im schlimmsten Fall kann dann auch der Austausch beendet sein.

Am besten ist es, wenn Austauschschüler ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken beschränken, während sie im Ausland sind. „Man nimmt sich ganz viele Möglichkeiten, wenn man seine eigenen Gewohnheiten im Umgang mit sozialen Netzwerken nicht ablegt“, sagte Hirschfeld. Schließlich wolle man die Zeit nicht vor dem PC verbringen, sondern mit Land und Leuten, um sich voll und ganz den neuen Erfahrungen zu widmen. Deshalb sei es auch gut, nicht jeden Tag mit den Eltern zu Hause zu skypen, sondern zu einem festen Termin vielleicht einmal pro Woche.

Das sollte der Schüler natürlich am besten vorab mit seinen Eltern - und auch mit den Freunden - zu Hause absprechen, damit keine falschen Erwartungen entstehen, ständig auf dem Laufenden gehalten zu werden. Eine sinnvolle Alternative kann sein, einen Blog zu betreiben, um die Daheimgebliebenen gleichmäßig mit Updates zu versorgen. So schaffe sich der Schüler auch eine Nische: Nur die, die von dem Blog wissen, informieren sich dort - und nicht die gesamten Freunde auf Facebook werden gleich informiert.

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