Kreis Düren: CDU und Grüne fordern zusätzliche Integrationshelfer für Schulen

Kreis Düren: CDU und Grüne fordern zusätzliche Integrationshelfer für Schulen

Fabian L. ist das, was man einen verhaltensauffälligen Schüler nennt. Er zappelt auf seinem Stuhl, redet ungefragt in den Unterricht und nicht selten stört er seine Mitschüler. Neulich ist er völlig ausgerastet, hat seine Lehrerin beschimpft und wollte sogar handgreiflich werden.

Fabian könnte auch Amelie oder Sven heißen, sein Name ist frei erfunden. Aber Fabian steht für eine Schülergruppe, die ohne Unterstützung im Unterricht nur schwer klarkommt. Im Fachjargon fällt er unter die Rubrik: sozial-emotional auffällig. Fabian braucht einen Integrationshelfer, der sich allein um ihn kümmert und im Unterricht quasi neben ihm sitzt.

Wenn Fabian es mal wieder so weit treibt, dass die gesamte Klasse beeinträchtigt ist und der Lehrer die gesamte Klasse nicht mehr erreichen kann, muss der Integrationshelfer eingreifen. Fabian aber fühlt sich gestört, stigmatisiert. Der Helfer ist wegen ihm da, sitzt bei ihm, das gefällt ihm nicht. Das Leben in der Klasse wird nicht einfacher.

Deshalb wollen Grüne und CDU im Kreis Düren nun ein Modell verwirklichen, das „ein neues Denken“ verlangt, wie Bruno Voß, Fraktionssprecher der Grünen im Kreistag, sagt. Integrationshelfer sollen nicht allein für einen Schüler, sondern allgemein für eine ganze Klasse zur Verfügung stehen. Zunächst könnte das Projekt an der Anne Frank-Gesamtschule in Mariaweiler starten — in jeder Eingangsklasse, also ab dem 5. Schuljahr. Voß weiß, dass in jeder Klasse oft zwei, drei verhaltensauffällige Schüler sitzen. Ihnen käme das Modellprojekt ebenso zugute wie der gesamte Klasse, glaubt Voß.

Die Helfer sollen nicht nur in der Dürener Gesamtschule, sondern in einer Grundschule im Jülicher Raum sowie einer Kita eingesetzt werden, zunächst sechs bis acht.

Rund 270.000 Euro

Die Kosten schätzt der Grünen-Politiker auf 270.000 Euro jährlich. Das Geld - oder wenigstens ein Teil - könnte über das Land oder den Kreis Düren selbst aufgebracht werden — als freiwillige Leistung. Voß sagt, dass es immer wieder Kritik an der Inklusionspolitik gebe. Grundsätzlich hat jedes Kind das Recht, eine Regelschule zu besuchen. In der Praxis aber fehlt es an der Ausstattung in den Schulen und vor allem an genügend gut ausgebildeten Lehrern.

CDU und Grüne wollen nun auf kommunaler Ebene zu einer Verbesserung der Lage beitragen. Die Kreisverwaltung soll beauftragt werden, das Modell und seine Umsetzung auszuarbeiten. Die Integrationshelfer müssten dann gesucht und geschult werden. Das ginge über übliche Bewerbungsverfahren, so Voß. Denkbar sei, dass sich Erzieher oder Tagesmütter angesprochen fühlen. Sie würden nicht nur bei sozial-emotional auffälligen Schülern zum Einsatz kommen, sondern auch bei Jungen und Mädchen, die einen festgestellten Förderbedarf in den Bereichen Lernen und Sprache haben.

Schüler mit einer körperlichen Behinderung werden in der Regel von speziell ausgebildeten Lehrern betreut — meist einige Stunden in der Woche. Der Kreis Düren müsste seinen Teil der Finanzierung im Haushalt darstellen, nachdem es einen politischen Beschluss gibt. Sollten es tatsächlich rund 270.000 Euro sein, wie die Grünen vorrechnen, müsste das Geld an anderer Stelle im Haushalt gespart oder über zusätzliche Einnahmen dargestellt werden.

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