Städteregion: Breitbandausbau schreitet voran: Großer Kraftakt

Städteregion: Breitbandausbau schreitet voran: Großer Kraftakt

In Stolberg laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Bis Ende des Jahres soll das gesamte Stadtgebiet mit schnellen Datenleitungen und einer Übertragungsrate von mindestens 50 Megabit pro Sekunde erschlossen werden. Finanzielle Unterstützung erhält die Kommune vom Land Nordrhein-Westfalen.

In Roetgen und Simmerath bemüht sich unterdessen die Deutsche Glasfaser Netz Entwicklung GmbH gerade darum, genügend Kunden zu akquirieren, um einen privatwirtschaftlichen Ausbau des Netzes ganz ohne öffentliche Förderung zu realisieren. Und in Alsdorf, Herzogenrath und Würselen hofft man auf Fördermittel aus dem Infrastrukturprogramm „Breitband mit Glasfaser“.

Sehen in schnellen Datenleitungen einen wichtigen Standortfaktor: Thomas König (l.) und Patrick Hahne. Foto: Michael Grobusch

Der Bund hat die Übernahme von 50 Prozent der Kosten für die Erschließung sogenannter „weißer Flecken“ (unter 30 Mbit/Sekunde) in Aussicht gestellt. Im Falle eines positiven Bescheides würde das Land die andere Hälfte übernehmen, weil Würselen am Stärkungspakt Stadtfinanzen beteiligt ist und in Alsdorf und Herzogenrath ein Haushaltssicherungskonzept umgesetzt wird.

Es sind nur drei Beispiele von vielen, die belegen sollen, dass sich in der Städteregion eine ganze Menge tut beim Breitbandausbau. „Aber die Lage ist auch sehr heterogen“, gibt Thomas König, Leiter des Amtes für Regionalentwicklung und Europa, zu bedenken. Deshalb hat sich die Städteregion im Zuge des vom Bund aufgelegten Beratungsprogramms um die Einrichtung einer Koordinatorenstelle beworben — und eine Zusage erhalten.

Patrick Hahne ist der Mann, der diese Stelle seit einigen Wochen ausfüllt. Eigentlich ist der 40-Jährige aus Düren studierter Historiker und Politikwissenschaftler. Doch vor knapp zehn Jahren zog es ihn in die Wirtschaftsförderung. Ein berufsbegleitendes Management- und Marketingstudium sowie Projektarbeiten unter anderem an der FH Aachen und bei der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) prägten den weiteren Weg. Genauso wie die immer stärker aufkommende Begeisterung für die Digitalisierung.

Die kann er fortan in seinem neuen Job so richtig ausleben. Und dabei seine Kollegen und Ansprechpartner auf der kommunalen Ebene mitreißen. Denn eins steht für Hahne fest: „Die kontinuierliche Verbesserung des Breitbandnetzes wird zu einem echten Standortfaktor. Daran müssen alle Städte und Gemeinden ein Interesse haben.“ Anders ausgedrückt: „Mit Kupferkabeln ist man irgendwann am Ende. Glasfaser wird bald so selbstverständlich sein, dass es zu einem echten Nachteil wird, wenn man es nicht hat.“

In diesem Sinne sieht der Breitbandkoordinator noch großen Handlungsbedarf: „Wir müssen uns austauschen über unsere Bedarfe und Ziele und eine gemeinsame Strategie für die gesamte Städteregion erarbeiten.“ Das gelte mit Blick auf mögliche öffentliche Förderungen für den Netzausbau wie im Fall von Alsdorf, Herzogenrath und Würselen, wo es in der Summe um mehr als zehn Millionen Euro geht.

Und ebenso für den eigenwirtschaftlichen Ausbau, also das Engagement privater Unternehmen und Investoren, etwa der Telekom in Stolberg oder der Deutschen Glasfaser in der Eifel. Patrick Hahne sieht sich dabei nicht nur als Koordinator zwischen den zehn regionsangehörigen Kommunen, sondern auch als Schnittstelle zu Land und Bund. „Die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Förderbedingungen ändern sich häufig. Ich mache in diese Richtungen sehr viele Fortbildungen und kann mein Wissen dann an die Städte und Gemeinden weitergeben.“

Um die Weitergabe von Wissen geht es auch bei dem Ziel, ein Geografisches Informationssystem (GIS) zu etablieren. Überregionale und lokale Datensätze zum Thema Breitband sollen in die Bestandsaufnahme einfließen und als — permanent fortzuschreibende — Basis für alle weiteren Entscheidungen zum Ausbau des Netzes und zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit dienen.

Kurzfristig, das heißt bis Ende 2018, wird laut Hahne für die gesamte Städteregion eine Versorgung mit mindestens 50 Mbit/Sekunde angepeilt. Doch das sei nur eine Momentaufnahme, wie die längerfristige Vorgabe des Bundes zeige: Der setzt bis 2025 auf ein flächendeckendes Glasfasernetz und eine Datenübertagungsrate von einem Gigabit pro Sekunde.

Allerdings wird das mit einem großen Kraftakt verbunden sein, ist Patrick Hahne überzeugt: „Um dieses Ziel bei uns zu erreichen, wird noch sehr viel Geld fließen und sehr viel Koordination geleistet werden müssen.“

Mehr von Aachener Zeitung