Städteregion: Bis zu 100 DRK-Mitarbeitern droht Kündigung

Städteregion : Bis zu 100 DRK-Mitarbeitern droht Kündigung

Es ist ein Wort, das an diesem Dienstag oft Verwendung findet und dabei nichts Gutes verheißt: Als „alternativlos“ stufen die Verantwortlichen des städteregionalen Deutschen Roten Kreuzes (DRK) das Sanierungskonzept ein, das sie in den vergangenen Monaten mit Hilfe einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erstellt haben.

Es soll sowohl den Kreisverband als auch die Rettungsdienstgesellschaft aus der akuten finanziellen Schieflage verhelfen. „Eine andere Möglichkeit gibt es nicht, wenn wir den Fortbestand des DRK in der Städteregion nicht gefährden wollen“, betont Geschäftsführer Markus Heim.

Am Mittwochnachmittag hat er gemeinsam mit seinem Kollegen und Vorstandsvorsitzenden Axel Fielen damit begonnen, die Belegschaft über die aktuelle Entwicklung zu informieren. Bis zum Ende dieser Woche wird es Teilbereichsversammlungen geben. Und die Botschaft wird immer dieselbe sein: Bis Ende 2019 wird sich das DRK von bis zu 100 seiner aktuell 714 Mitarbeiter trennen.

Wie Fielen und Heim auf Nachfrage unserer Zeitung erklären, trifft es vor allem den Fahrdienst mit rund 35 sowie die Verwaltung und die sozialen Dienste mit jeweils 20 Stellen. „Der Rest sind Einzelmaßnahmen.“ Weitere 20 bis 30 DRKler sollen eine Änderungskündigung erhalten und in andere Bereichen versetzt werden. Ausdrücklich ausgenommen von dem Sanierungskonzept sind der Rettungsdienst und die elf Kindertagesstätten.

„Jede Kostenstelle überprüft“

„Wir haben jede einzelne Kostenstelle überprüft. Dabei sind wir als DRK grundsätzlich immer bereit, uns mit Eigenmitteln einzubringen. Aber wenn diese so hoch sind, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich ist, dann müssen wir uns von diesen Aufgaben aufgrund der derzeitigen finanziellen Situation nach Ablauf der jeweiligen Verträge trennen“, stellt Markus Heim fest. Auch wenn der Geschäftsführer keine Zahlen nennen will, scheint eines klar zu sein: Besonders defizitär ist der Fahrdienst. „Als tarifgebundener Arbeitgeber hat man in diesem Bereich keine Chance, auskömmlich zu arbeiten“, betont Heim.

Ähnlich sieht es offenbar bei den sozialen Diensten aus, die das DRK vor allem in dem von ihm getragenen „Haus Setterich“ in Baesweiler sowie in Aachen betreibt. Auch hier gibt es eine Ausnahme: „Unser Engagement in den Übergangswohnheimen der Stadt Aachen ist nicht betroffen“, betont Axel Fielen. Darüber hinaus gebe es bei den sozialen Diensten immerhin noch die Chance, den Schaden zu begrenzen. „Aber auch das ist eine Finanzierungsfrage, bei der Dritte mitspielen müssen.“

In den kommenden Wochen soll mit den betroffenen Kommunen, der Städteregion und dem Land über eine mögliche Anhebung der Zuschüsse und die Erschließung zusätzlicher Förderquellen gesprochen werden.

„Da ist noch Bewegung drin. Wir hoffen, dass wir uns am Ende von weniger Kollegen trennen müssen, als das derzeit noch zu befürchten ist“, sagt Gabi Bockmühl. Die Betriebsratsvorsitzende hat nach eigener Aussage „harte Verhandlungen“ mit der Geschäftsleitung geführt, aber auch sehr viele „offene Gespräche“, und steht nach deren Abschluss mangels Alternative zu dem Sanierungskonzept.

„Unsere Aufgabe ist es nun, die Kollegen so gut wie möglich zu begleiten und ihnen bestenfalls nahtlos in einen neuen Job zu verhelfen“, meint Bockmühl. Ähnlich sieht das auch Axel Fielen: „Das soziale Netz, das wir jahrelang geboten haben, darf nicht mit der Kündigung aufgelöst werden.“

Unterstützung erhalten Betriebsrat und Geschäftsführung von der Agentur für Arbeit, die sogenannte Gruppenversammlungen mit Arbeitsvermittlern organisieren will.

Weitgehend außen vor bleibt dabei die Gewerkschaft, wie Verdi-Sekretär Harald Meyer gegenüber unserer Zeitung bestätigt: „Die Zuständigkeiten sind klar definiert. Das ist ein Verfahren zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung.“ Gleichwohl will Verdi seine Mitglieder voraussichtlich Anfang Juli zusammenrufen und sie aus Gewerkschaftssicht über die Lage beim DRK informieren.

Berichten wird Meyer dann mit ziemlicher Sicherheit, dass der Kreisverband Städteregion Teile seiner Verwaltung an den Landesverband Nordrhein abgibt. Finanzbuchhaltung, Controlling, die IT und die Personalabteilung sollen in Düsseldorf angesiedelt werden. Vermutlich ist das die absichernde Maßnahme für die angestrebte Übernahme von 80 Prozent der Gesellschafteranteile an der Rettungsdienstgesellschaft gGmbH, die bis dato eine hundertprozentige Tochter des Kreisverbandes ist.

Unterm Strich dürfte der Landesverband damit sein im März auch im Gespräch mit unserer Redaktion formuliertes Versprechen einlösen, das städteregionale DRK nicht nur beratend, sondern notfalls auch finanziell zu unterstützen — verbunden mit der Überzeugung, dass der Kreisverband dann endlich zur Ruhe kommen wird, wie Axel Fielen mit Blick auf die im Grunde schon seit 2013 währende Krise betont. „Wir haben noch nie solch massive Maßnahmen ergriffen“, stellt der Geschäftsführer fest. „Ich bin deshalb fest davon überzeugt, dass wir damit eine solide Basis für die nächsten Jahre schaffen werden.“

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