Kreis Heinsberg: Birgelener Pützchen: Hunderte Frauen zieht es in den Wald

Kreis Heinsberg: Birgelener Pützchen: Hunderte Frauen zieht es in den Wald

Das Birgelener Pützchen ist für die Frauen aus der Region ein Sehnsuchtsort — im Rahmen der jährlichen Frauenwallfahrt nun schon seit 70 Jahren. Bei schönstem Spätsommerwetter zog es am Mittwochnachmittag wieder Hunderte von ihnen in den Wald zwischen Wassenberg und Birgelen, um an der kleinen Kapelle zur Muttergottes zu beten.

„70 Jahre und kein bisschen leise, unterwegs mit einer Sehnsucht, die in uns brennt“: So hatte der neue Arbeitskreis unter Leitung der drei Gemeindereferentinnen Eva Jessen, Brigitte Kempny und Babette Sanders, der die Tradition nach dem Ausscheiden der regionalen Frauenseelsorgerin weiterführt, die diesjährige Wallfahrt überschrieben. Für die Predigt war Sabine Mevissen, die inzwischen als Psychiatrieseelsorgerin in Gangelt tätig ist, jedoch noch einmal ans Pützchen gekommen.

Sie blickte zurück in das Jahr 1947 und freute sich, unter den Gottesdienstbesucherinnen noch einige Zeitzeuginnen der ersten Wallfahrt ausfindig machen zu können. „Damals kam es vor allem auf die Frauen an“, erklärte sie, „beim Wiederaufbau von Haus und Hof, auf dem Feld, in Handwerksbetrieben, im Geschäft, bei übriggebliebenen Restfamilien.“

Frauen aus Effeld seien es gewesen, die damals die Wallfahrtstradition begonnen hätten am Pützchen, das zu ihrem Zufluchtsort geworden sei. Das Pützchen sei damals schon bestens bekannt gewesen. So solle der heilige Lambertus dort bereits im siebten Jahrhundert getauft haben und ein Ritter als Dank für seine Genesung ein Marienbild angebracht haben. Die erste Pilgerfahrt sei für das Jahr 1718 urkundlich erwähnt, berichtete die Seelsorgerin. Und schließlich solle das Wasser des Pützchens Augenleiden lindern.

So hätten sich also auch die Frauen aus Effeld auf den Weg gemacht in dem Wissen: „Bei Maria, der Gottesmutter, da ist ein Ort des Gottvertrauens — im allerbesten Sinne des Wortes.“ Ihr Herz habe dabei gebrannt. „Sicher kennen Sie das auch, sonst wären Sie nicht hier“, sagte sie den Frauen, die ihrer lebendigen Predigt gebannt zuhörten. Bei den Ehejubiläen sei das 70-jährige die Gnadenhochzeit, fuhr Sabine Mevissen fort.

„Und tatsächlich, es ist eine Gnade, die wir all die Jahre hier erleben können, ein Geschenk.“ In der modernen Psychiatrie gehe es heute um das, was die Seele gesund erhalte oder sie gesund werden lasse. Die Frauen vor 70 Jahren ­hätten schon genau das Richtige getan. Sie seien nicht beim Trauern und Klagen geblieben, sondern sie hätten sich auf den Weg gemacht zum Pützchen mit seiner heilsamen Wirkung.

„In den vergangenen 70 Jahren haben Frauen hier einen großen Schatz für ihr Leben gefunden, eine innere Haltung voll Gottvertrauen. Diesen gilt es auch weiter zu bewahren“, betonte Sabine Mevissen. Persönliche Anliegen, Trauer und Sorgen könne man am Pützchen getrost der Gottesmutter überlassen, schloss sie ihre Predigt. „Was wir mitnehmen sind Mut, neue Hoffnung und die Chance auf Heilwerden, das uns das Leben jeden Tag neu schenken will.“

Katja Wegener vom Arbeitskreis dankte noch einmal allen, die in jedem Jahr zum Gelingen der Frauenwallfahrt beigetragen hatten, ebenso für die Kollekte, die wieder unterschiedlichen sozialen Zwecken in der Region und in Brasilien zugutekommt, nicht zuletzt auch Regionalkantor Winfried Kleinen und Monika Schuhmacher für die musikalische Gestaltung.

(anna)