Aachen: „Bin doch nicht bekloppt”: Demenz macht Angst

Aachen: „Bin doch nicht bekloppt”: Demenz macht Angst

Demenz ist die Krankheit, die den Alltag verändert. In Deutschland sind 1,2 Millionen Menschen erkrankt. Für die Städteregion liegen aktuelle Zahlen vor: 8206 erkannte Demenzkranke leben hier. 70 Prozent von ihnen werden zu Hause gepflegt.

„Demenz ist eine schwere und zugleich unheilbare Krankheit mit massiven sozialen Folgen. Betroffene sind nicht nur die Erkrankten selbst, sondern ebenso das gesellschaftliche Umfeld und besonders die Angehörigen”, erklärte Günter Schabram, Gesundheitsdezernent der Städteregion, beim Forum „Perspektiven der Demenzversorgung in der Städteregion Aachen”, zu dem das vom Landesgesundheitsministerium und den Pflegekassen geförderte dreijährige Modellprojekt „Demenznetz Städteregion Aachen” eingeladen hatte.

Projektleiter Andreas Theilig, Chefarzt des Alexianerkrankenhauses Aachen, forderte auf, „in offener Runde” über Fragen zu diskutieren wie: Wie sieht das bestehende regionale Versorgungsangebot für Demenzbetroffene aus, wo liegen seine Stärken und Schwächen? Wie kann Betroffenen und Angehörigen die Inanspruchnahme von Angeboten erleichtert werden? Wie gelingt eine bessere Vernetzung der Angebote?

Demenz, so Jörg Limbrock von der Alzheimer-Gesellschaft, bedeute eine „enorme Verunsicherung” für alle - Kranke, Angehörige, Freunde, Nachbarn. Er zählte die Fülle von Fragen auf, die sich bei einer Diagnose Demenz stellten, einer Krankheit, die oft erst nach zwei- bis dreijährigem Verlauf festgestellt werde. Nach erstem wunderlichen und das Umfeld irritierenden Verhalten weise ein Kranker zudem ärztliche Hilfe oft ungehalten zurück: „Was soll ich beim Neurologen, ich bin doch nicht bekloppt.” Hasan Alagün vom Demenz Service Zentrum Aachen/Eifel richtete den Blick auf das Thema „Allein leben mit Demenz”. Denn erst ab einem gewissen Schweregrad werde die Krankheit von anderen wahrgenommen.

Wie Erkrankten geholfen werden kann, schilderte Michaele Hensen, sogenannte Case-Managerin des Demenznetzes: eine alte Bäuerin, demenzkrank, an ihr Zimmer im ersten Stock gebunden, von Tochter und Sohn versorgt, die Kinder mit der Zeit überforderter reagierend; das Demenznetz eilt zu Hilfe, ein Pflegeplan wird organisiert, ebenso ein Pflegedienst und stundenweise eine Altenbetreuerin - mit dem Erfolg, dass die alte Dame heute wieder begleitet ihr Zimmer verlassen und am Leben draußen teilnehmen kann.

Das Forum erarbeitete Schwerpunktthemen, die bis Ende 2013 im Modellprojekt diskutiert werden. Sie reichen von der ambulanten Pflege über Demenz im Krankenhaus und ehrenamtliches, bürgerschaftliches Engagement bis zur Aufklärung von Angehörigen und zur Sterbebegleitung.

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