Aachen: Biallos Ratgeber: Digitale Fehltritte ins Nirvana schicken

Aachen : Biallos Ratgeber: Digitale Fehltritte ins Nirvana schicken

Ein unbedachter Kommentar in einem Forum oder ein peinliches Foto in einem sozialen Netzwerk. Noch Jahre später können solche digitalen Spuren die Beförderung oder eine Beziehung kosten. Noch unerfreulicher ist es, wenn ein Bericht in den Medien erschienen ist, der dem eigenen Ruf abträglich ist. Doch in vielen Fällen gibt es Möglichkeiten, den Ruf online wiederherzustellen.

Rechtsgrundlage: Schon seit 2014 existiert nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes das Recht auf Vergessenwerden. Dieses wurde in der am 25. Mai 2018 in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung noch einmal bestärkt.

Wie dieses Recht künftig im Einzelfall umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Betroffene können bei Suchmaschinen und betroffenen Webseiten eine Löschung personenbezogener Inhalte beantragen. Wird ein Suchergebnis von den Suchmaschinen entfernt, existiert die Information auf der Webseite allerdings weiterhin und ist außerhalb der Europäischen Union auch in den Suchergebnissen auffindbar.

Professionelle Dienstleister: Einige Anbieter haben sich darauf spezialisiert, online den Ruf ihrer Kunden zu verteidigen. Sie kümmern sich um das Löschen von Inhalten und wenden sich zu diesem Zweck direkt an die Betreiber der betreffenden Seiten. Billig sind sie nicht. Der günstigste Anbieter www.deinguterruf.de nimmt 39,95 Euro pro Löschantrag. Eine Erfolgsgarantie gibt es allerdings nicht.

„Die Anbieter stellen solche Löschanträge natürlich schneller, da sie damit Erfahrung haben“, sagt Anneke Voß, Juristin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. „Auf der anderen Seite handelt es sich um eine Leistung, die jeder Verbraucher selbst erledigen kann, wenn er entsprechend Zeit investiert.“

Selbst aktiv werden: Wer will, dass Informationen über einen selbst nicht mehr auffindbar sind, muss auf mehreren Kanälen aktiv werden. Eine Möglichkeit ist, die Suchmaschinenbetreiber aufzufordern, bestimmte Suchergebnisse nicht mehr anzuzeigen. Zusätzlich empfiehlt sich, den Betreiber der Seite, auf der der Beitrag steht, aufzufordern, diesen aus dem Netz zu nehmen. Ob Suchmaschinen- und Seitenbetreiber der Aufforderung nachkommen, hängt vom jeweiligen Fall und der Begründung ab. Die Verbraucherzentrale NRW hat Musterschreiben für Löschvorgänge veröffentlicht (www.verbraucherzentrale.de/musterbriefe/digitale-welt).

Wer selbst Kommentare oder Bilder in sozialen Netzwerken oder Foren gepostet hat, kann diese in der Regel auch selbst wieder löschen. Lassen sich Foren-Einträge nicht entfernen, kann man zumindest eine Anonymisierung einfordern. Statt des eigenen Namens erscheint dann ein anderer, unverfänglicher Name. Haben Freunde Fotos ohne die Zustimmung der Abgebildeten veröffentlicht, sollte man diese direkt bitten, die Bilder zu entfernen. Passiert das nicht, kann man das selbst dem sozialen Netzwerk melden oder auch einen Anwalt beauftragen.

Profile in sozialen Netzwerken löschen: Wer sein Facebook-Konto löschen oder aus Karriere-Netzwerken wie Xing oder Linkedin aussteigen will, muss sich ein bisschen in Geduld üben. Facebook startet das Löschen erst zwei Wochen, nachdem ein Löschantrag gestellt wurde. Bis alle Inhalte verschwunden sind, dauert es rund 90 Tage. Auch wer bei Xing oder Linkedin aussteigt, muss Geduld haben. Noch Monate nach der Löschung des Profils sind Ergebnisse in den Suchmaschinen auffindbar.

Hier finden Abonnenten unserer Zeitung die ausführliche Langfassung des Biallo-Ratgebers