Kreis Düren: Betriebsräte wissen, was Existenzangst ist

Kreis Düren: Betriebsräte wissen, was Existenzangst ist

Das alte Klischee vom Verhinderer und Blockierer machte wieder die Runde: „Betriebsratsverseucht” - auf dieses klangvolle Adjektiv fiel die Wahl der Jury zum Unwort des Jahres 2009. Klar, dass Ralf Woelk die direkte Verbindung von Krankheitskeimen und Betriebsräten nicht so ohne weiteres stehen lassen kann.

Unerfreulich finde er dieses Wort, denn schließlich seien Betriebsräte ein konstruktives Element in den Betrieben, so der Vorsitzende der DGB-Region NRW Süd-West.

Und diese konstruktiven Elemente werden in den kommenden Wochen neu bestellt: Vom 1. März bis zum 31. Mai finden bundesweit Betriebsratswahlen in Betrieben mit mehr als fünf Beschäftigten statt. Dann werden die Gremien, die die Mitbestimmung der Beschäftigten sicher stellen sollen, allerdings längst nicht in allen Betrieben bestellt. Nur in etwas mehr als zwölf Prozent aller deutschen Betriebe gibt es Betriebsräte, diese vertreten aber rund 50 Prozent aller deutschen Beschäftigten.

Da liegt aus Sicht der Räte ein grundsätzliches Problem bei der Bildung der Gremien auf der Hand: In großen Betrieben gibt es die Organe der Arbeitnehmervertretung weitaus häufiger als in kleinen. Und die Wirtschaftskrise habe die Bereitschaft, Betriebsräte zu gründen, nicht gerade befruchtet, wie Ernst Ungermann, Gewerkschaftssekretär bei der IG BCE berichtet: „Heute haben viele Angst, das Heft in die Hand zu nehmen.”

Dabei habe die Erfahrung der Gewerkschafter gezeigt, da wo es Betriebsräte gibt, hätten die Symptome der Krise besser aufgefangen werden können. Ernst Ungermann: „In den Betriebsräten sitzen Leute, die wissen, was es heißt, seinen Job zu verlieren; die wissen was Existenzangst ist.” Folglich würde bei Betrieben mit Arbeitnehmervertretung wesentlich maßvoller in der Krise reagiert als bei solchen ohne. Dort würden die Geschäftsleitungen nämlich zu ad hoc-Maßnahmen tendieren. Stichwort: Stellenabbau.

Betriebsräte könnten dem entgegenwirken, meint Ralf Woelk. „In vielen Betrieben haben die Betriebsräte Kurzarbeit eingeführt, um die Betriebe zu erhalten. Die Betriebsräte haben vielfach Arbeitsplätze gesichert und Unternehmen gerettet.” Peter Nießen, Betriebsratsvorsitzender der Firma Tedrive kann davon ein Liedchen singen. Über 200 Beschäftigte hat tedrive im vergangenen Jahr entlassen, 700 Arbeitsplätze konnten allerdings gesichert werden. „Gerade angesichts der wechselhaften Geschichte von Tedrive ist für mich klar, dass es das Werk ohne die Arbeit des Betriebsrats so nicht mehr geben würde”, meint Paul Zimmermann, Geschäftsführer der Dürener IG Metall. Argumente, die für die Gründung eines Betriebsrats sprechen. Zudem so Zimmermann zeige die Erfahrung, dass oftmals auch Arbeitgeber nach anfänglicher Skepsis und Widerstand die Organe der Arbeitnehmervertretung begrüßen würden. Schließlich wüssten die Arbeitnehmer am besten, wo in den Betrieben der Schuh drückt.

Aktuell weiß Zimmermann für den Bereich der IG Metall von 45 Betrieben mit rund 5000 Beschäftigten im Kreis Düren, in denen Betriebsräte gewählt werden. Ernst Ungermann nennt für die IGBCE 26 Betriebe mit einer ähnlichen Beschäftigtenanzahl.

„Das Potenzial ist allerdings größer”, sagt Paul Zimmermann. Deshalb werben die Gewerkschafter dafür, aktiv zu werden und dort, wo es noch keine gibt, Betriebsräte zu gründen. Unterstützung hierbei kündigen die Gewerkschaften an.

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