Gangelt-Birgden: Beim Maler das Kostüm für Karneval kaufen

Gangelt-Birgden: Beim Maler das Kostüm für Karneval kaufen

Eine wirklich passende Kategorie für sein Geschäft fällt selbst dem Chef nicht ein. „Wir sagen immer, wir sind ein Malerfachgeschäft“, sagt Georg Pelzer. „Aber bei der Zusammensetzung unseres Angebots trifft es das natürlich nicht richtig.“ Womit er völlig Recht hat.

Denn natürlich gibt es bei Pelzer in der Birgdener Kreuzstraße Lacke und Farben aus dem Profi-Segment — aber eben auch Schreibwaren, Kinderbücher, Besen, Bürsten, Schulhefte und allerlei andere Dinge des täglichen Gebrauchs. „Manchmal kommen Leute zu uns, die vorher schon in zig anderen Läden waren. Die sagen dann: Wären wir mal direkt zu Ihnen gekommen“, erzählt Pelzers Schwester Anselma Richter.

Als ihr Vater Erich Pelzer im Jahr 1958 einen Malerbetrieb eröffnete, sei es eben üblich gewesen, gleich auch ein Geschäft für Farben und Tapeten aufzumachen. „Damals war das eben so“, sagt Pelzer. Für den familieneigenen Malerbetrieb, den er auch heute noch führt, sei das angeschlossene Geschäft immer noch ein riesiger Vorteil. „Es ist einfach immer jemand da, den man ansprechen kann.“ Dieser „jemand“ ist in der Regel seine Schwester Anselma. Oder seine Frau Annetrud. Und die verwalten ein Sortiment, das es in dieser Zusammenstellung heutzutage eigentlich nicht mehr gibt.

„Wir haben eben Sachen, die ein bisschen exotischer sind“, sagt Georg Pelzer, wobei der Qualitätsanspruch genau wie bei den Farben sehr hoch ist. Früher, als es noch Kassettenrekorder gab, verkaufte Pelzer auch Musikkassetten. Seine Eltern — auch Mutter Maria stand hinter der Ladentheke — hätten immer schon einen Riecher dafür gehabt, die richtigen Artikel anzubieten.

Eine Idee sorgt bis heute dafür, dass sich das Geschäft zwischen Advent und Aschermittwoch komplett verwandelt. „Ab dem 1. Dezember wird alles ausgeräumt, um Platz für die Karnevalssachen zu schaffen“, erzählt Anselma Richter, die schon in den Sommerferien die ersten Kataloge mit Artikeln für die fünfte Jahreszeit gewälzt hat. „Die Wintermonate waren früher im Malerbetrieb immer eine ruhige Zeit, da gingen die Gesellen stempeln. Also haben meine Eltern angefangen, Karnevalssachen zu verkaufen“, sagt ihr Bruder.

Bis heute wird in den Wochen vor den jecken Tagen das Personal im Laden verstärkt, um dem Ansturm der Kunden Herr zu werden. Aber auch wer mitten im Hochsommer eine bunte Perücke oder eine Maske braucht, wird fündig. Entweder die Sachen liegen im Lager, oder das gewünschte Produkt wird einfach bestellt. „Die Leute dürfen sich nicht über den Tisch gezogen fühlen“, nennt Georg Pelzer den goldenen Geschäftsgrundsatz. Der Betrieb sei gewachsen, manche Kunden kämen jetzt schon in der dritten Generation.

Dabei sei das Einzugsgebiet bei weitem nicht auf den größten Ort der Gemeinde Gangelt beschränkt. „Und natürlich profitieren wir auch von der generell guten Versorgungssituation in Birgden“, sagt Pelzer. In der Tat liegt das Geschäft zwischen dem Rewe-Markt und Textilien Grosswardt ziemlich günstig.

Aber auch bei Pelzer machen sich die Sorgen vieler Händler bemerkbar. „Solche Geschäfte wie uns gibt es viel zu wenig, daher wird es immer schwieriger, Lieferanten zu finden“, erzählt Anselma Richter. Der Vertreter der Firma, von der sie Bürsten beziehen, sei mittlerweile 81 Jahre alt. Viele andere Lieferanten würden sich mittlerweile eher auf die großen Handelsketten konzentrieren.

„Man muss sich ja nur mal anschauen, was die Discounter zum Schulstart alles anbieten“, nennt Anselma Richter ein Beispiel. Bei Pelzer kompensieren sie das durch Besuche auf Fachmessen und die zeitaufwendige Suche nach Produkten und Lieferanten. So bleibt das „Malerfachgeschäft“ ein wichtiger Anlaufpunkt im lokalen Handel. „Wir haben immer was zu tun“, sagt Anselma Richter.

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