Kreis Düren: Beim Industriekonzert gibt es technische Meisterschaft und Eleganz

Kreis Düren: Beim Industriekonzert gibt es technische Meisterschaft und Eleganz

Vor zehn Jahren war Julian Steckel bei seinem ersten Gastspiel in Düren Stipendiat der Jürgen-Ponto-Stiftung und galt als herausragendes Talent am „Cello-Himmel”, was er bei einem Konzert mit der Cappella Villa Duria unter der Leitung von Johannes Esser eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Diesmal stand der damalige Dirigent der CVD-Reihe „Musik aus Oper und Konzert” nicht am Pult, sondern genoss im Saal eine atemberaubende Vorstellung des noch jungen Cellisten, Gewinner des letztjährigen ARD-Wettbewerbes, begleitet von Paul Rivinius, einem der herausragendsten Klavierbegleiter unserer Tage.

Brillant und einfühlsam war Rivinius Spiel, auf dem der Shooting-Star der Cello-Szene sein Spiel aufbauen konnte, voller technischer Virtuosität und einer verblüffenden sowie außergewöhnlichen Leichtigkeit.

Beide Künstler zeigten auf Einladung der Vereinigten Industrieverbände von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung im Zusammenspiel eine traumwandlerische Sicherheit, wobei Julian Steckel im Gespräch mit Johannes Esser seinen Partner als einen „absoluten Glücksfall” bezeichnete.

Davon profitierte das Publikum im fast ausverkauften Dürener Haus der Stadt. Die Besucher des Industriekonzerts erlebten ein Duo von Weltklasse-Format, das mit einem schier unerschöpflichen Klangfarbenspektrum einen Bilderbogen unterschiedlichster Gefühle auf die Bühne zauberte und europäischen Melodienreigen in unnachahmlicher Art aufführte.

Applausstürme

Den Anfang machten Ludwig van Beethovens zwölf Variationen über das Thema „Ein Mädchen oder Weibchen” aus der „Zauberflöte” von Wolfgang Amadeus Mozart.

Melodienreichtum traf auf Improvisationskunst, für die Künstler bedeutet dies höchste technische Meisterschaft, absolviert in edler Eleganz - von der lebensbejahenden Stimmung bis zu melancholischen, leidenden Anflügen.

Es war ein Variationszyklus, der in einem stimmungsvollen musikalischen Wirbelwind endete und das Publikum zu ersten - nicht endend wollenden - Applausstürmen zwang.

Auch in der Sonate für Arpeggione und Klavier zeigten Steckel und Rivinius ihre Klasse, ließen ein Stimmungsbild aus lyrischen Passagen und dramatischen Momenten entstehen, elegant und geschmeidig das Spiel der Musiker. Ein faszinierender Auftritt auch bei Bohuslav Martinús Variationen über ein Thema von Rossini.

Julian Steckel als Arrangeur lernte man bei Manuel de Fallas „Siete canciones populares espanolas” kennen. Leidenschaft und Sanftheit auf der Bühne, spanische Folklore in all ihren Facetten, gewöhnungsbedürftig in der Kombination Cello und Klavier - trotz der Klasse der Protagonisten.

Französische Musik gab es zum Abschluss eines fantastischen Konzertes mit der Sonate für Violoncello und Klavier von Francis Poulenc. Steckel und Rivinius nahmen das Publikum mit auf eine Entdeckungsreise von lyrisch schwebenden Klängen bis zu schneidigen Tönen.

Große Kunst boten Steckel und Rivinius und bewegten sich mit ihrer musikalischen Darstellung in allerhöchsten Kategorien. Ein grandioser Abend, vielleicht der Höhpunkt in der Konzertreihe der Vereinigten Industrieverbände.

Mehr von Aachener Zeitung