Heinsberg/Geilenkirchen: Beim Dreh eines Rapper-Videos fielen Schüsse: Junger Mann verurteilt

Heinsberg/Geilenkirchen: Beim Dreh eines Rapper-Videos fielen Schüsse: Junger Mann verurteilt

„Ich hatte nicht gedacht, dass das so eskalieren würde“, meinte der 23-jährige Angeklagte, als er dem Schöffengericht am Amtsgericht Geilenkirchen von einem Streit berichtete, der sich am 22. Dezember 2016 am Wendehammer in der Röntgenstraße in Oberbruch zugetragen hatte.

Mit einer Schreckschusspistole hatte ein Nachbar des Angeklagten auf einen jungen Mann geschossen, der vor zwei leerstehenden Häusern in der Röntgenstraße mit Freunden ein Rapper-Video drehen wollte.

Mit der unmissverständlichen Aufforderung „Verpisst Euch, das hier ist mein Revier“ war der Nachbar die Filmemacher angegangen, bevor er die Schusswaffe einsetzte und einen der jungen Rapper verletzte. Der Nachbar des Angeklagten wurde bereits zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten unter Einbeziehung weiterer Straftaten verurteilt.

Nun war der 23-Jährige angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Angeklagte arbeitet als Produktionshelfer, wohnte damals in der Röntgenstraße und war der Besitzer der Schreckschusspistole, die bei dem Streit zum Einsatz kam.

Er bedaure inzwischen, so der Angeklagte vor Gericht, dass er sich die Waffe überhaupt besorgt habe. Er sei damals von einem Mann bedroht worden, der schon wegen Mordes im Gefängnis gesessen hätte. Und da wisse man ja schließlich nicht, ob der so etwas nicht noch mal mache. Am Abend des 22. Dezember 2016 habe er, so der Angeklagte, die Nachricht von der Freundin seines Nachbarn bekommen, dass der betreffende Mann auf der Straße sei.

Die Frau habe damals an Panikattacken gelitten. Er sei dann mit der Pistole in seinem Hosenbund auf die Straße gegangen. Der Betreffende sei aber nicht dort gewesen. Stattdessen sei er auf seinen Nachbarn gestoßen, der in einen Konflikt mit den jugendlichen Filmemachern geraten war.

Als er selber die Waffe in der Hand gehabt habe, seien ihm die Muffen gegangen. Der Nachbar habe dann die Pistole, eine nachgebaute Polizeiwaffe, an sich genommen. Er selber, so der Angeklagte in seiner Darstellung, habe sich abseits des Wendehammers aufgehalten, als die Schüsse gefallen seien. Nach dem Geschehen habe er die Waffe auseinandergenommen und mit einem Hammer zerstört.

Richterin Corinna Waßmuth hoffte für den Angeklagten, dass er die Wahrheit sagte und die Waffe nicht wieder auftauche. Da der Besitz von Schreckschusswaffen legal ist und der Beitrag des Angeklagten zur Tat des bereits verurteilten Nachbarn eher gering war, einigten sich Richter, Staatsanwältin und Verteidiger darauf, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 140 Euro einzustellen.

„Gibt es eine Einrichtung, der Sie gerne helfen möchten?“, fragte Richterin Waßmuth den Angeklagten. Da diesem nichts einfiel, entschied das Gericht, das Bußgeld an die Polizeiseelsorge überweisen zu lassen.

(defi)
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