Aphoven: Bei Wind und Wetter zu Fuß nach Heinsberg

Aphoven: Bei Wind und Wetter zu Fuß nach Heinsberg

Mit den Festveranstaltungen „100 Jahre Herz-Jesu Aphoven” feiert nicht nur ein Gebäude am 1. September sein Jubiläum.

„Gebaut aus lebendigen Steinen”, so charakterisiert Chronist Hans Bartz in der Festschrift zur 100-Jahr-Feier die Pfarrkirche Herz-Jesu Aphoven, für die 1902 der Grundstein gelegt und so auch die Pfarrgemeinde selbst gegründet wurde. Das Jubiläum verbinden Pfarrgemeinde und Ortsring zu einem Pfarrfest.

Eine dreijährige Vorbereitungsphase ging der Grundsteinlegung zur Kapelle am 14. September 1902 voran. Trotz vieler Probleme schöpften die Aphovener mit ihrem engagierten Kapellenbauverein immer wieder neue Kraft und erbauten aus eigenen Mitteln die Herz-Jesu-Kapelle, die in ihrer Grundstruktur bis zum heutigen Tag erhalten blieb: ein einschiffiger Kreuzbau im neugotischen Stil.

Das Dorf zählte damals rund 550 der römisch-katholischen Kirche zugehörende Einwohner. Ein überdachter Betraum fehlte, unter freiem Himmel wurden die auf dem Lande üblichen Abendgebete an einem in der Nähe des „Bauplatzes” befindlichen Kruzifix gehalten. In einer Dorfversammlung am 11. Februar 1899 wurde der Wunsch nach einer Kapelle beraten. Aphoven gehörte damals zur Pfarre Heinsberg, und so war bei Wind und Wetter den Weg nach Heinsberg zu Fuß antreten. Das Bestreben nach Unabhängigkeit kam ebenfalls dazu, da die Dorfbewohner, so die Überlieferung, keine gleichwertige Behandlung im damaligen Heinsberg erfuhren.

Der offizielle Beschluss

Am 29. November 1899 wurde unter Vorsitz des Kaplans Wimmer aus Heinsberg offiziell und einstimmig beschlossen, in Aphoven eine Kapelle zu bauen. Die zum Neubau notwendigen Gelder sollten von jedem Einwohner freiwillig in 5, 10 oder 15-Mark-Anteilen aufgebracht werden.

In das Kapellenbaukomitee wählte die Versammlung aus dem Oberdorf A.J. König, Lehrer a.D., und Hubert Hilgers; aus dem Mitteldorf wählte sie Joachim Schmitz und Hubert Maibaum sowie aus dem Unterdorf Joseph Peulen und Edmund Wallraven.

Am 6. Dezember 1901 wurde der Kapellenbauverein gegründet, dessen Vorsitz Joachim Schmitz übernahm, 39 Mitglieder traten dem Verein bei.

Aus einem Vorstandsbeschluss vom 25. März 1902 geht hervor, dass die Ausführung des ganzen Kapellenbaues mit Kosten von 200 000 Mark Architekt Corbey übertragen wird. Das Material für die Legung der Fundamente wird vom Bau-Verein geliefert, der nötige Sand für den ganzen Bau franko zur Baustelle geliefert.

Erlaubnis von „oben”

Am 8. Mai 1902 erhält das neugewählte Baukomitee mit Michael Hamacher, Theodor Plum und Gottfried Vehres an der Spitze die Erlaubnis des erzbischöflichen Generalvikariats zum Kapellenbau, jedoch mit Auflagen. So soll der Chor einen Meter breiter und länger gebaut werden als es der Plan vorsieht, das Dach soll einen Meter höher gelegt werden.

Baumeister Corbey erklärt sich bereit, die Mehrkosten von rund 1000 Mark zu tragen. Das Ergebnis der ersten Dorfsammlung betrug 2638,40 Mark. Im Beisein zahlreicher Ehrengäste, unter ihnen der damalige Pfarrer Ludwig Franz Augustinus Schneider aus Heinsberg sowie Bürgermeister Heinrich Schneider aus Waldenrath, zugleich Bürgermeister von Aphoven, wurde am 14. September 1902 der Grundstein gelegt.

Mehr von Aachener Zeitung