Heinsberg: Begas-Haus in Finanzklemme: Viele Tausend Euro fehlen

Heinsberg: Begas-Haus in Finanzklemme: Viele Tausend Euro fehlen

Lobende Worte für das Begas-Haus in Heinsberg, das Museum für Kunst und Regionalgeschichte, gab es schon viele. Doch die Einladung zu einer gemeinsamen Sitzung der Kulturausschüsse von Kreis und Stadt Heinsberg, die am Dienstag, 1. September, um 18 Uhr im Trauzimmer des Hauses Lennartz in dem Gebäudekomplex an der Hochstraße stattfinden soll, macht auch deutlich: Das Museum steckt finanziell in der Klemme.

Ursprünglich wollten die Stadt und der Kreis jährlich jeweils 75.000 Euro als Träger des Museumsvereins zahlen. Die Kreissparkasse sicherte zudem eine großzügige finanzielle Unterstützung zu und legte noch einmal 75.000 Euro im Jahr oben drauf.

Jetzt ist in den Sitzungsunterlagen zu lesen: „Aus heutiger Sicht gilt es festzustellen, dass das Investitionsvolumen im Finanzplan in den Jahren 2011 bis 2014 deutlich höher war und auch die laufende Unterhaltung des Museums im gleichen Zeitraum deutlich aufwendiger war, als man ursprünglich voraussehen konnte.“ Die Liquidität habe durch von der Sparkasse gewährte Darlehen gesichert werden können, heißt es da weiter. Und: „Nunmehr ist eine Nachfinanzierung unabdingbar.“

Für das Jahr 2014 sollen von Stadt und Kreis insgesamt 110.000 Euro nachgeschossen werden. Für 2015 wird der kommunale Finanzierungsbedarf jetzt mit insgesamt 230.000 Euro beziffert; macht also 80.000 Euro mehr als geplant. Ab 2016 sollen die Beiträge von Kreis und Stadt auf jeweils 135.000 Euro erhöht werden — in der Summe also eine Anhebung um 120.000 Euro im Vergleich zu den bisherigen Beiträgen. Wobei dem Kreis als „Trostpflaster“ der Aspekt bleibt, dass seine Personalaufwendungen für die Museumsleitung in Höhe von 80.000 Euro jährlich auf den Beitrag angerechnet werden.

Unter dem Strich bleibt aber für die Jahre 2014 bis 2016 eine Mehrbelastung für die kommunale ­öffentliche Hand in Höhe von 310.000 Euro.

Die finanzielle Unterstützung durch die Sparkasse soll weiterhin unverändert bei 75.000 Euro im Jahr liegen, erklärte Landrat Stephan Pusch, der auch Verwaltungsratsvorsitzender des Geld­instituts ist.

Landrat: „Fehleinschätzungen“

Der Landrat räumte ein, dass es ganz ­offensichtlich „Fehleinschätzungen“ bei der Kalkulation für das erneuerte Museum und den neuen Trägerverein gegeben habe. „Das ärgert mich“, sagte Pusch, zumal er bei der Eröffnung des Museums noch erklärt hatte: „Wir haben nicht mehr Geld in die Hand genommen. Wir haben es nur anders gemacht.“ Der Fehler aus seiner Sicht: Es sei einfach die Summe, die bislang im Kreis-Etat für das früher vom Kreis alleine getragene Museum veranschlagt war, in Höhe von rund 220.000 Euro im Jahr als Budget für den Trägerverein zugrunde gelegt worden.

Dies sei aber unrealistisch gewesen. Denn offenbar seien sowohl Renovierungs- als auch Ersteinrichtungskosten in einer Gesamthöhe von weit über einer Million Euro, die der Verein über eine irgendwann natürlich zu tilgende Vorfinanzierung getragen habe, außer Acht gelassen worden. „Ich habe es auch nicht gesehen.“ Der Landrat bleibt aber ein Befürworter des Projekts: Für den Kreis stelle sich die Situation finanziell nach wie vor günstiger dar als vorher; zumal der Kreis ansonsten die ohnehin anstehenden Sanierungskosten für das Museum alleine hätte tragen müssen.

Pusch bezeichnete das seiner Meinung nach gelungene neue Museum als „Gewinn für die Region mit einem echten Mehrwert“. Nicht zu vergessen sei, dass das Begas-Haus im neuen Tourismuskonzept — als Highlight und als Infopunkt — eine zentrale Rolle spielen werde.

(disch)