Kreis Heinsberg: Baustellendiebstähle: Baugewerbe appelliert an Innenminister

Kreis Heinsberg: Baustellendiebstähle: Baugewerbe appelliert an Innenminister

„Diebe auf Baustellen werden immer dreister”, beklagte die Baugewerbe-Innung Heinsberg in einem Brief an NRW-Innenminister Ralf Jäger.

„Mittlerweile stellen Baustellendiebstähle für unsere Branche ein ähnlich großes Problem wie Schwarzarbeit dar, denn geklaut wird fast alles, was nicht niet- und nagelfest ist”, schrieben Obermeister Dipl.-Ing. Michael Hemmersbach und Hauptgeschäftsführer Dr. Michael Vondenhoff.

Neben kleineren Werkzeugen stünden mittlerweile auch teure Maschinen und größere Baustellenmaterialmengen und -teile wie beispielsweise Stahlträger auf der Liste der Langfinger.

Gerade für viele kleinere Unternehmen seien die Diebe im Kreis Heinsberg geradezu zu einer Existenz gefährdenden Bedrohung geworden. „Inzwischen gehen die jährlichen Schäden auf Baustellen im Kreis Heinsberg nach Schätzung unserer Handwerksbetriebe in die Hunderttausende”, so Hemmersbach und Vondenhoff. Verluste in diesen Größenordnungen könnten einen ruinösen Schaden darstellen und Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze gefährden.

Nach Auskunft der verantwortlichen Stellen im Kreis Heinsberg - wie auch in benachbarten Kreisen - sei die Personaldecke nicht ausreichend, um im erforderlichen Maße dieser Problemstellung Herr zu werden, so die Baugewerbe-Innung weiter. Sie bat den Minister, sich mit Nachdruck für die Einstellung zusätzlicher Polizeikräfte einzusetzen. Er solle bei den nächsten Haushaltsberatungen eine ausreichende Aufstockung von Polizeibeamten einfordern.

Im Antwortschreiben verwies das Düsseldorfer Innenministerium auf einen Bericht der Kreispolizeibehörde Heinsberg. Daraus werde deutlich, dass es - trotz der empfundenen hohen Anzahl an Diebstahlsdelikten auf und von Baustellen im Kreis Heinsberg - keine besorgniserregend hohen Fallzahlen gebe. Es sei jedoch offensichtlich auch vom Baugewerbe in einer Vielzahl von Fällen von einer Anzeigenerstattung abgesehen worden, wodurch insgesamt die tatsächliche Situation nicht widergespiegelt werde.

Verhaltenshinweise für die Bauunternehmen sollten in der Innung verbreitet werden; auf deren Einhaltung solle geachtet werden. Nur mit Hilfe des Baugewerbes werde eine positive Veränderung im Deliktsfeld Baustellendiebstähle möglich sein.

Die Überwachung von Baustellen ist nach Angaben aus dem Ministerium und aus der Kreispolizeibehörde in die täglichen polizeilichen Maßnahmen einbezogen. Und sie sei intensiviert worden.

„Bezüglich des mit diesen Diebstählen in unmittelbaren Zusammenhang stehenden Phänomens der Metalldiebstähle wurde ein spezielles regionales Konzept erarbeitet, dessen Umsetzung sich voraussichtlich auch positiv auf das Phänomen der Baustellendiebstähle auswirken wird”, erklärte das Ministerium weiter.

Die Bitte der Innung um personelle Verstärkung der Kreispolizeibehörde sei nachvollziehbar, so das Ministerium. In diesem Jahr würden erstmals wieder 1100 Fachhochschüler ihre Ausbildung beenden. Damit stünden Nordrhein-Westfalen mehr Polizisten zur Verfügung, als derzeit pensioniert würden. Die Einstellungszahlen hätten in diesem Jahr nochmals auf 1400 erhöht werden können. „Diese jungen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten werden bereits im Jahr 2014 die Ausbildung beenden und für mehr Sicherheit in Nordrhein-Westfalen sorgen”, so das Ministerium.

Die Kreispolizeibehörde Heinsberg werde zum 1. September 2011 eine angemessene Anzahl an Polizisten hinzugewinnen, darunter auch Berufsanfänger, die zur Gewährleistung der Sicherheit in Heinsberg beitragen würden.

Die Baugewerbe-Innung Heinsberg führte auch mit Landrat Stephan Pusch ein Gespräch. Der Landrat verwies unter anderem auf die Eigenvorsorge, die wichtig sei, weil der Polizei in diesem Bereich viele Ermittlungsansätze fehlen würden. Wichtig sei es, Diebstähle umgehend bei der Polizei zu melden.

Vertreter der Polizei wollen auf einer Innungsversammlung über wirksame Vorbeugungsmaßnahmen gegen Baustellendiebstähle informieren.

Polizei-Pressesprecher Karl-Heinz Frenken verwies darauf, dass auch aufmerksame Nachbarn oder Anwohner hilfreich sein könnten. Sie sollten verdächtige Beobachtungen auf Baustellen der Polizei melden, die dann Überprüfungen vornehmen könne.

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