Aachen: Baseball ist Hotdogs, Konzentration und Familie

Aachen : Baseball ist Hotdogs, Konzentration und Familie

Baseball ist in Deutschland eine Randsportart — wie so viele andere auch. Dabei gibt es in Aachen einen Baseball-Verein, der mit seiner Seniorenmannschaft aktuell in der Landesliga spielt. Ein Gespräch mit Trainer Sebastian Tausch über den Verein, Nachwuchs und den Sport in Deutschland und Amerika.

Ungefähr alle zwei bis vier Jahre interessiert sich das ganze Land für Sport. Gefühlt zumindest. Deutschlandflaggen, Jubel, Tränen, Ausnahmezustand. Sport bedeutet in diesem Fall Fußball, und eigentlich geht es auch gar nicht um den Sport, sondern ums Event an sich Andere Sportarten haben es in Deutschland traditionell schwer. Aber es gibt sie, am Rand, irgendwo im Verborgenen, dennoch aktiv in ihren jeweiligen Ligen. Die Aachener Greyhounds wissen das alles nur zu gut.

Bei dem Baseball- und Softballverein könnte man gut und gern von Traditionen reden. Schließlich gibt es die Greyhounds seit 1989. Besonders bekannt sind sie trotzdem nicht. „In Deutschland kann man nicht davon leben“, sagt Sebastian Tausch. Er spielt Baseball, seitdem er ein Kind ist. 18 Jahre als aktiver Spieler sind das inzwischen, zwischendurch auch in der Bundesliga. Seit zwei Jahren trainiert er zusätzlich die Seniorenmannschaft der Aachener Greyhounds, zuvor war er Coach in Ratingen, Hilden und Wuppertal.

Auf höherer Ebene sehe das aber nicht anders aus. „Es ist und bleibt ein Hobby, selbst auf europäischer und internationaler Ebene.“

Ein zeitaufwendiges Hobby. Zweimal die Woche ist Training in Aachen-Brand, ungefähr zwei Stunden pro Einheit. Dazu kommen die Spiele in der Saison, bei Tausch noch zusätzliche Kurse und Weiterbildungen, die er als Trainer absolviert. Würde er sich wünschen, dass Baseball ebenso populär wie Fußball ist? „Ja“, antwortet er. Und: „Ich weiß aber selbst, wie schwierig es ist, an den Sport heranzukommen und würde es außerdem jeder anderen kleinen Sportart ebenso gönnen.“

In Amerika ist Baseball so etwas wie der Fußball für Deutschland. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. „Die Kinder werden ganz anders damit groß gezogen“, sagt Tausch. In Deutschland sei das Gegenteil der Fall, die Kinder würden in den Schulen oft nicht mit dem Sport konfrontiert. In Amerika sei Baseball eher ein Familienerlebnis. „Da geht man mit Oma, Opa, Tante, Onkel ins Stadion, isst Hotdogs und nebenher läuft das Spiel“, sagt er. „Es geht aber in erster Linie darum, mit der Familie eine nette Zeit zu haben.“

Ein bisschen anders ist das in Deutschland beim Fußballgucken. Dort gehe es um das Erlebnis im Stadion, in der Stimmung mitzuschwimmen, und auch als Außenstehender erkenne man, was da gerade auf dem Feld geschieht. Es gibt klassische Angriffsszenen, es passiere etwas. „Beim Baseball sieht es für den Außenstehenden erst mal langweilig aus“, sagt Tausch. „Es ist ein Konzentrationssport — man muss sich über eine lange Zeitspanne auf jedes kleine Detail konzentrieren können.“

Live-Übertragung auf eigene Faust

Trotzdem gibt es auch in Deutschland fünf verschiedene Baseball-Ligen: die Bezirksliga, die Landesliga, die Verbandsliga und die zweite und erste Bundesliga. Inzwischen, sagt Tausch, hätten sich die Vereine selbst geholfen und bieten teilweise eigene Videoübertragungen von den Spielen an.

Das Baseball-Team der Greyhounds spielt aktuell in der Landesliga. 50 Mitglieder zählt der Verein, Männer und Frauen spielen gemischt. Neben dem Baseball-Team gibt es noch das „Fun“-Team der Greyhounds: ein Softball-Team, das „außerhalb des Leistungsbetriebs“ spielt, wie Tausch sagt — also eben zum Spaß. Aktuell sei man außerdem dabei, eine Jugendmannschaft aufzubauen. Rund 50 Mitglieder sind derzeit bei den Aachener Greyhounds aktiv, das Altersspektrum reicht von 15 bis Mitte 30. Ein eher kleiner Verein, wie Tausch sagt.

Tausch selbst kam über seine Mutter zum Baseball. Damals war er elf Jahre alt. Die Mutter arbeitete beim Baseballverband in NRW, der sich unter anderem um die Ligeneinteilung kümmert. „Wir sind dann einfach mal zu einem Spiel hingegangen, haben uns zu den Leuten gesetzt und uns die Regeln erklären lassen“, sagt Tausch. Danach hat ihn der Sport nicht mehr losgelassen, und er fing selbst an zu spielen. „Das Schöne ist: Man kann Baseball relativ lang spielen“, sagt Tausch. Die Aufbauphase in der Jugend, später dann eine Leistungsposition und noch später dann eine Position, in der nicht so viel Athletik vorausgesetzt sei.

Auch bei den Aachener Greyhounds steht er nicht nur als Trainer, sondern auch als aktiver Spieler auf dem Platz. Sein Ziel: Leute im Verein halten und die nächste Generation aufbauen. „Und in Aachen auf den Verein aufmerksam machen.“ Auf dass den Aachener bald nicht nur die Alemannia, sondern auch die Greyhounds ein Begriff sind.