Aachen: Bananenbrot gegen die Verschwendung

Aachen : Bananenbrot gegen die Verschwendung

Jedes achte Lebensmittel, das die Deutschen einkaufen, landet in der Tonne. Eine Zahl, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft nennt. Laut einer Studie der Universität zu Stuttgart aus dem Jahr 2012, die durch das Ministerium gefördert wurde, wirft jeder Deutsche pro Jahr im Durchschnitt 82 Kilogramm Lebensmittel weg — das sind etwa zwei vollgepackte Einkaufswagen.

Den größten Anteil machen dabei Obst und Gemüse aus. Die Verschwendung in privaten Haushalten ist das eine, die Verschwendung in der Lebensmittelindustrie das andere. Auch hier landet nach wie vor viel zu viel Essbares im Müll. Eine Entwicklung, der zwei junge Unternehmer aus Düsseldorf entgegenwirken wollen: Lars Peters und Sven Eul kaufen beim Großhändler Bananen, die sonst in der Tonne landen würden, und backen daraus Bananenbrot.

Angefangen hat alles in Australien, denn da lernte Lars Bananenbrot kennen und lieben. „In Australien gibt es das an jeder Ecke“, erzählt der 28-Jährige. Schnell war die Idee geboren, Bananenbrot auch in Deutschland populär zu machen — und damit auch noch etwas Gutes zu tun.

Zurück in Deutschland machten sich Lars und Freund Tim (der inzwischen ausgestiegen ist) ans Backen. „Wir haben uns da erstmal zwei Wochen in der Küche eingeschlossen und etliche Rezepte für Bananenbrot ausprobiert“, erinnert sich der Betriebswirt. Eins wurde schnell deutlich: Je reifer die Bananen, desto besser das Brot.

Von Anfang an sei klar gewesen, dass es nicht einfach darum gehen soll, ein Produkt zu vermarkten, sondern mit dem Konzept dazu beizutragen, Lebensmittel vor dem Weg in den Mülleimer zu retten. „Wir haben im Studium gar nicht angestrebt, uns selbstständig zu machen“, sagt Lars. „Das hat sich durch unsere Idee einfach so ergeben.“

Der erste konkrete Schritt war dann, Kontakt zu einem Lebensmittelgroßhändler aufzunehmen. „Wir haben dem Händler erzählt, was wir planen, und der fand unsere Idee von Anfang an gut.“ Von den Mengen an Bananen, die bei dem Händler täglich aussortiert werden und für die Tonne bestimmt sind, war Lars zunächst erschlagen. „Ich glaube, das kann sich keiner vorstellen, der diese Mengen nicht selbst gesehen hat“, sagt er.

Überrascht sei er vor allem darüber gewesen, dass der größte Teil der Bananen nicht wegen des Reifegrads aussortiert wird. In erster Linie seien es einzelne Bananen, die von der Staude abgefallen seien. Lose Bananen wolle der Supermarkt eben nicht haben. „Fingerbananen“ oder auch „Single-Bananen“ würden die Einzelgänger heißen.

Sven und Lars nehmen dem Großhändler einen Teil dieser Bananen ab und verarbeiten sie zu dem süßen Brot weiter. „Inzwischen verarbeiten wir zehn Tonnen Bananen pro Monat“, sagt Lars. Gebacken werde aber nur so viel Brot, wie auch bestellt wird. „Das ist für uns ganz klar“, betont er. Sonst würde man ja selbst wieder zur Verschwendung von Lebensmitteln beitragen. Entwickelt wurden inzwischen zahlreiche Sorten, von Blaubeere über Nuss bis hin zu Schokolade. Die Rezepte werden von den beiden mit entwickelt, gebacken wird das Brot von einer Bäckerei aus Hilden.

Auch wenn das Konzept schon jetzt aufgeht, am Ende ihrer Reise ist „Be Bananas“ wohl noch nicht. „Der Wunsch, noch mehr Lebensmittel zu retten, ist da!“, sagt Lars. Und sie hätten da auch schon einige Ideen: Es gibt ja auch Mangos, die man retten könnte. Oder Kiwis. Oder Avocados,...

Mit ihrer Einstellung stehen die Düsseldorfer nicht alleine da. Auch hier in der Region gibt es einige Initiativen, die sich dafür einsetzen, Lebensmittel vor der Mülltonne zu bewahren. Auf der Plattform „Foodsharing“ beispielsweise bieten Nutzer überschüssiges Essen für Jedermann an. In Aachen, Eschweiler und Düren gibt es außerdem die sogenannten Fairteiler: Schränke, die mit Lebensmitteln befüllt werden, und an denen sich jeder bedienen kann.

In diesem Jahr gründete sich in Aachen außerdem die Initiative „Containern ist kein Verbrechen“, die sich dafür einsetzt, dass es künftig keine Straftat mehr ist, Lebensmittel aus Müllcontainern von Supermärkten herauszuholen. Bislang gilt das als Diebstahl.