Erkelenz: Bäume genauer unter die Lupe genommen

Erkelenz: Bäume genauer unter die Lupe genommen

Es war ein herrlicher Morgen, um einige Bäume noch mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Da mache der Job gleich noch mal so viel Spaß, meinte der Baumpfleger der Stadt Erkelenz, Thomas Lenger, der unsere Zeitung auf seinem Streifzug durch die Natur mitnahm.

Seit anderthalb Jahren ist er nun schon dabei, Bäume, die der Stadt gehören, zu registrieren. Bislang hat er 10.000 erfasst, und er schätzt, dass er insgesamt auf 15.000 Bäume kommen wird.

Die Erfassung, Verwaltung und regelmäßige Kontrolle des Baumbestandes hat die Stadt Erkelenz aus gutem Grunde in fachmännische Hände übergeben. Denn letztlich haftet der Eigentümer für Schäden, entstanden durch die Vernachlässigung der Aufsichtspflicht.

Fällt beispielsweise ein Baum auf einem Spielplatz um und verletzt ein Kind, dann ist der Baumeigentümer haftbar zu machen, wenn er nicht nachweisen kann, dass er den Baum regelmäßig kontrolliert und begutachtet hat.

Daher hat Lenger, der beruflich seit 25 Jahren nichts anderes gemacht hat, als sich intensiv mit Bäumen zu beschäftigen, zunächst vor allem die älteren Bäume erfasst, und sich die jüngeren für den Schluss aufgehoben. Bei der Erfassung ist Lenger ein Kataster-Programm hilfreich.

Das Baumkataster besteht aus einem Datenblatt zur Erfassung der Bäume und wird in ein einfach bedienbares EDV-Verwaltungsprogramm eingetragen. Der Baum wird nummeriert, fotografiert und seine sämtlichen Stammdaten wie Standort, Gattung, und Alter sowie umfangreiche Detailinformationen zu Krone, Stamm und Wurzel erfasst. Daraus ergeben sich alle erforderlichen Listen wie notwendige Maßnahmen, Sicherheitswerte, Prüf- und Arbeitsberichte.

Das Ziel der Baumpflege sind dem entsprechend nicht nur vitale und gesunde, sondern auch verkehrssichere Bäume, was ein ausreichend bemessenes, geschütztes und ökologisch funktionierendes Baumumfeld voraussetze. Gerade in Städten, die ja nun einmal stark bebaut seien, seien Bäume besonders gefährdet.

So gebe es in der Stadt oft viel zu kleine „Baumscheiben” für die Bäume am Straßenrand. Da die Wurzel 50 Prozent eines Baumes ausmache, könne nicht jeder Baum so dicht an Straßen gebaut werden, ohne dass es ihn in seinem Wachstum beeinträchtige. Ebenso müssten aus Gründen der Verkehrssicherheit Straßenbäume „aufgeastet” werden.

Das Aufasten sei allerdings immer auch mit „Astwunden” verbunden, die einfaulten, erklärt Lenger. Und wenn ein Baum von seiner Statik her nicht mehr tragbar sei, dann müsse er aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

Zu den Feinden der Bäume zählten neben Schädlingen wie Läusen, Käfer oder Raupen vor allen Dingen Pilze, die die Bäume regelrecht zersetzen und „auffressen” würden. Ein Eintrittsort für Pilze seien Wunden. Dagegen sei kein Kraut gewachsen, da ein Baum nicht heile, sondern abschotte, meint Lenger.

Ohne die wachsamen Augen der Bauhofmitarbeiter sei die Arbeit gar nicht zu schaffen. „Die helfen mir enorm, denn bei so vielen Bäumen kann ich meine Augen nicht überall gleichzeitig haben.” Immerhin erledige der Bauhof 80 Prozent der Arbeiten, nur 20 Prozent würden durch Fremdfirmen durchgeführt.

Unverständnis löst bei Lenger Vandalismus, wie etwa in Matzerath aus, wo Unbekannte mutwillig einen Baum mit einem Messer beschädigten. Viele Leute würden aber auch hingehen und ihren Müll einfach in der Natur entsorgen.

Dazu gehörten auch Erde, gemähter Rasen, Gehölz und ausgediente Weihnachtsbäume. Dies seien alles Horte für Krankheitserreger.

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