Autobahn-Baustellen an A44 und A4 rund ums Aachener Kreuz

Baustellen rund ums Aachener Kreuz : Wo auf den Autobahnen gebaggert und gebohrt wird

Bagger, Bohrer, Betonmischer: Wer auf der A4 und auf der A44 rund um das Aachener Kreuz unterwegs ist, braucht nicht nur Geduld, sondern erlebt auch auffallend viele Bauarbeiten hautnah mit. Nicht alle haben unmittelbar mit dem Ausbau des Kreuzes zu tun. Eine Bestandsaufnahme.

„Überflieger“: Rund 170 Meter lang und 23 Meter breit: Das sind die Maße der neuen „Überflieger“-Brücke, die die A4 von den Niederlanden kommend über die A544 hinweg zum Kleeblatt im Autobahnkreuz führen wird. Dafür werden bis in die erste Aprilwoche hinein mehr als 60 Pfähle in den Untergrund gerammt, die den „Überflieger“ tragen werden. Darüber werden dann Pfahlkopfplatten betoniert und eine anspruchsvolle Brückenkonstruktion zum Teil aus Stahl montiert. Betonfertigteile und eine Betondecke vervollständigen das „Kunstwerk“. Auch hier gilt: Ab Ende 2020 soll der „Überflieger“ befahrbar sein.

Baumschnitt: Man könnte fast von Kahlschlag sprechen, wenn man das beschreibt, was entlang der A44 vor allem rund um die Anschlussstelle Alsdorf zu sehen ist. Der Landesbetrieb Straßen NRW spricht lieber von Pflegearbeiten, die alle Jahre wieder zwischen Oktober und Februar durchgeführt werden.

Dabei geht es den Altbeständen an den Baumstamm. Aber auch Pflanzen, die sich zu nah an die Autobahn ausgebreitet haben, werden zurückgeschnitten. Die Gehölze werden „auf den Stock gesetzt“, wie der Fachmann sagt – also bis etwa 20 Zentimeter über dem Boden abgesägt, um später wieder austreiben zu können. Gebündelte Stapel, aufgeschichtet zur Abholung, zeugen von diesen Arbeiten, die sich nicht auf die A44 beschränkten, sondern auch anderorts zu beobachten waren.

Baumschnitt an der Anschlussstelle Alsdorf. Foto: ZVA/Harald Krömer

Sechsspurig: Final gerodet wurde hingegen rund um die Anschlussstelle Broichweiden. Denn in der zweiten Jahreshälfte soll der sechsspurige Ausbau des Teilstücks bis zum Kleeblatt im Aachener Kreuz, wo die A44 die A4 kreuzt, in die konkrete Phase gehen. Die vorbereitenden Arbeiten sind in vollem Gange. Dazu werden auch neue Behelfsbrücken errichtet. Wann die sechs Spuren freigegeben werden, kann Projektleiter Ernst Gombert nicht konkret benennen. Klar ist: Der komplette Ausbau des Aachener Kreuzes soll nach bisheriger Planung Ende 2020 abgeschlossen sein. Dazu gehört selbstverständlich auch der sechsspurige Teilabschnitt.

Archäologie: Für den Flughafen Merzbrück gibt es große Pläne, er soll zu einem Forschungsflugplatz ausgebaut werden, inklusive Verschwenkung und Verlängerung der Start- und Landebahn. Die Landesregierung hat grünes Licht gegeben, die Planung können nun ausgeschrieben werden. Nördlich des Flugplatzes, in unmittelbarer Nähe zur Autobahn, soll ein neues Gewerbegebiet entstehen – in einem ersten Schritt in einer Größenordnung von 153.000 Quadratmetern. Die Planungen und Verhandlungen über potenzielle Ansiedlungen laufen; derzeit finden noch Schürfarbeiten für archäologische Untersuchungen auf dem Areal statt.

Schürfarbeiten für archäologische Untersuchungen am Flugplatz Merzbrück. Auf dem Gelände soll ein Gewerbegebiet entstehen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Gasleitung: 215 Kilometer lang, rund 600 Millionen Euro und durchaus umstritten: Das ist die neue Erdgasleitung Zeelink, die das deutsche Netz mit den Gas-Terminals im belgischen Zeebrügge verbinden soll. Die Pipeline des Bauherrn Open Grid Europe (OGE) wird bei Lichtenbusch die Grenze überschreiten und über den Niederrhein nach Legden/Ahaus im Münsterland führen. Ab Lichtenbusch verläuft sie weitgehend entlang der A44 bis zu einer Verdichterstation im Nordosten des Aachener Kreuzes, schwenkt dann auf eine Trasse entlang der A4 bis Eschweiler-Röhe um und biegt dort nach Norden ab, um an Alsdorf, Baesweiler, Linnich und Erkelenz vorbei Richtung Niederrhein zu ziehen.

Die Verdichterstation für die Zeelink-Gasleitung nordöstlich des Aachener Kreuzes. Foto: ZVA/Harald Krömer

Zuletzt wurden an der A44 bei Aachen-Brand erste Rodungsarbeiten vorgenommen; die konkreten Bauarbeiten sollen rund um den Monatswechsel März/April beginnen. Markant sind bereits die Arbeiten an der gut 140 Millionen Euro teuren Verdichterstation, die dafür sorgen soll, dass der Druck innerhalb der Pipeline konstant bleibt. Knapp sieben Hektar Land werden dafür intensiv bearbeitet. Die komplette Leitung soll im März 2021 in Betrieb genommen werden.

Bohrungen für einen Mikrotunnel bei Aachen-Brand, durch den ein Abschnitt der Alegro-Stromleitungstrasse führen soll. Foto: ZVA/Harald Krömer

Stromleitung: Aachen Lüttich Electricity Grid Overlay – kurz: Alegro – ist die erste deutsch-belgische Stromtrasse, initiiert von den Netzbetreibern Amprion (Deutschland) und Elia (Belgien). Die Erdkabel verbinden auf einer rund 90 Kilometer langen Strecke die Konverter im belgischen Lixhe und in Niederzier-Oberzier, wo das Gleichstrom-Erdkabel mit den Wechselstromnetzen verbunden wird.

Die Trasse führt entlang der Autobahnen A44 und A4, teilweise parallel zur Zeelink-Leitung. Spatenstich war Ende Oktober im Gewerbegebiet Aachen-Brand, seitdem wird an mehreren Stellen der Trasse gearbeitet – wobei die Arbeiten an einem 1,8 Kilometer langen Mikrotunnel im Bereich Brand, durch den die Schutzrohre für die Kabel führen sollen, besonders hervorstechen.

Klärbecken: Im Bereich des ehemaligen Rastplatzes Haarberg an der A544 vom Europaplatz in Richtung Kreuz entsteht ein Klärbecken, das Teil eines neuen Entwässerungssystems ist, damit das Wasser in diesem Abschnitt nicht ungeklärt in den Haarbach läuft. Ein weiteres Becken wird an der Haarener Gracht (L222) gebaut. Bis Juli sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Doch damit rückt dieses Teilstück nicht aus dem Fokus. Bis zum Jahresende wird die gesamte Fahrbahndecke in mehreren Abschnitten erneuert. Aktuell steht bereits in beiden Fahrtrichtungen zwischen Haarener Gracht und Kreuz nur eine Spur zur Verfügung, da im Bereich der Anschlussstelle Würselen eine Mittelstreifenüberfahrt erneuert wird.

Noch ein Klärbecken: Dass der Rastplatz Lichtenbusch keinen vertrauenswürdigen Eindruck macht, ist kein Geheimnis. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern. Die Anlage wird aus- und umgebaut. Bereits ab Mitte April werden die alten Zollgebäude am Grenzübergang zwischen Deutschland und Belgien abgerissen. Derzeit entsteht auf der südlichen Seite zwischen Grenze und Anschlussstelle Lichtenbusch ein neues Entwässerungssystem inklusive Klärbecken, damit das Wasser nicht mehr ungefiltert in den Holzbach läuft.

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