Heinsberg: Austritt des SPD-Urgesteins macht dem Ortsverein Heinsberg zu schaffen

Heinsberg: Austritt des SPD-Urgesteins macht dem Ortsverein Heinsberg zu schaffen

Ach wie schön hätte es doch sein können. Zuerst wird der Vorsitzende der Heinsberger Sozialdemokraten auf der Mitgliederversammlung nach seinem Rechenschaftsbericht, in dem er an die Kommunal-, Europa-, Landtags- und Bundestagswahl innerhalb der letzten beiden Jahre erinnert, einstimmig in seinem Amt bestätigt.

Wie beim letzten Mal gab es keine Gegenstimme. Es hätte nicht besser laufen können so kurz vor dem wohlverdienten Urlaub in Südfrankreich, den Dr. Hans Josef Voßenkaul am Wochenende antreten wird. „Die Stimmung ist gut bei uns”, meint er denn auch gegenüber unserer Zeitung. „Was uns natürlich zu schaffen macht, ist immer noch die Sache mit Lambert Rebig.”

Einlenken ist nicht in Sicht

Der Aphovener Kommunalpolitiker hatte bekanntlich nach 52 Jahren der Mitgliedschaft in der SPD die Brocken hingeworfen, weil er mit der Arbeit in der Partei seiner Kreisstadt und in der Fraktion nicht mehr zufrieden sei. Außerdem gab er als Begründung an, das Vertrauen in die Verwaltungsspitze verloren zu haben (wie berichtet). Ein Ende des Disputs oder gar ein Einlenken ist offenbar nicht in Sicht.

„Wir haben ansonsten keinerlei Streitereien oder Profilneurosen zu beklagen”, sagt Voßenkaul. „Wir wollen konstruktive Politik machen. Opposition um der Opposition Willen haben wir nicht gemacht und wird es auch nicht geben.” Ob dies auch eine „Grußadresse” an Lambert Rebig ist, der öffentlichkeitswirksam seine Parteimitgliedschaft kündigte, bleibt offen. Persönlich gesprochen hätten er und Rebig seit dem Austritt jedenfalls nicht, bestätigt Voßenkaul.

War wohl auch schwierig, weil sich Rebig gleich nach der Veröffentlichung seines Schrittes mit seiner Frau in den Urlaub aufmachte. In seinem Feriendomizil blieb dann genügend Zeit darüber nachzudenken, dass er doch laut Voßenkaul eine Ehrenerklärung abgegeben haben solle, wonach er bei einem Parteiaustritt sein Ratsmandat niederlegen müsse. Selbiges, so hatte Rebig deutlich gemacht, wolle er jedoch behalten.

„Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass ich da etwas unterschrieben haben soll”, erklärte er am Donnerstag auf Nachfrage. Und selbst wenn, ändere das in seinen Augen nichts. „So wie sich der Herr Voßenkaul mir gegenüber verhalten hat... ” Und damit meint der 78-Jährige nicht nur die Auseinandersetzung, die es im Rahmen der nicht-öffentlichen Sitzung des Rates bei der Vergabe der Erdgaskonzession gegeben habe.

Im Vorfeld habe es schon Knatsch um die zu entrichtende Fraktionsabgabe gegeben. Nach den Statuten der Partei müssten die Genossinnen und Genossen 30 Prozent der Aufwandsentschädigung, die sie für ihre Arbeit als Ratsmitglieder erhalten, an den Ortsverein abführen. Im Falle von Lambert Rebig handelte es sich dabei um 30 Prozent von 256 Euro im Monat. Da nun die übrigen Ratsvertreter seiner Partei das abgeführte Geld bei der Steuererklärung geltend machen könnten und auf diese Weise etwa die Hälfte wieder in ihre Kasse zurückflösse, fühlte sich Rebig benachteiligt. Bei ihm sie dies nämlich aufgrund seiner Renteneinkünfte nicht möglich.

Daher habe er seinerzeit gegenüber dem Fraktionsvorsitzenden Ralf Herberg erklärt, er werde zukünftig nur noch die Hälfte der vorgeschriebenen Fraktionsabgabe entrichten. Der habe zu seiner Äußerung allerdings lediglich geschwiegen. Gesprochen hätten jedoch die Taten, die nun folgen sollten. Denn fortan sei der SPD-Distrikt Aphoven von der Liste der Zuwendungen durch den Ortsverein gestrichen worden. Dies, so Rebig, habe der Ortsvereinsvorsitzende Voßenkaul so bestimmt, wie Rebig erfahren musste. Schon damals, so Rebig, habe der Ärger begonnen.

Die Fronten sind klar

Die Feststellung Voßenkauls, Rebig solle auch deshalb sein Ratsmandat zurückgeben, weil er ja nicht als Direktkandidat den Einzug in der Rat geschafft habe, sondern lediglich über die Liste seiner Partei, lässt Rebig nicht gelten. „Viele Aphovener haben mich darauf angesprochen, dass ich das Mandat bloß nicht zurückgeben soll. Herr Voßenkaul sagt zwar, ich hätte ja kein Direktmandat errungen, sondern sei lediglich über die SPD in der Rat gekommen. Die Aphovener sagen mir jedoch, sie hätten in erster Linie mich gewählt und nicht die SPD.”Die Fronten sind in dieser Auseinandersetzung klar abgesteckt. Und der Ortsvereinsvorsitzende dürfte wahrscheinlich recht behalten , wenn er sagt, dass sich die beiden Kontrahenten wohl erst bei der nächsten Ratssitzung wieder begegnen werden - aber nicht als Genossen.

Weitere Ergebnisse der Vorstandswahlen bei der SPD auf einen Blick

Dem Vorsitzenden zur Seite stehen als Stellvertreter Uwe Rauschning, der ebenfalls im Amt bestätigt wurde und Ilse Lüngen, die dieses Amt erstmals übernahm. Ebenfalls bestätigt wurden Jochen Lintzen als Schriftführer und Jürgen Siegberg als stellvertretender Schriftführer.

Einen Wechsel gab bei der Kassenführung. Heinz-Leo Aretz als Kassierer und Angela Herberg als stellvertretende Kassiererin werden sich um die finanziellen Angelegenheiten kümmern.

Komplettiert wird der Vorstand von den Beisitzern Brigitte Voßenkaul und Anneliese Wellens, die bereits dem alten Vorstand angehörten und Inge Deußen, Wilfried Lüngen, Willi Welfens und Stephan Wienen, die neu hinzugekommen sind.

Für die Überprüfung der Kassenführung werden Heinz Deußen, Ralf Herberg und Hubert Minkenberg als Revisoren sorgen. Bei den SPD-Unterbezirksparteitagen werden Heinz Leo Aretz, Ilse Lüngen, Uwe Rauschning, Brigitte Voßenkaul und Dr. Hans Josef Voßenkaul den SPD-Ortsverein als Delegierte vertreten.