Ausbildung, Berufsorientierung, Schulabschlüsse

Berufskolleg — die Schule der vielfältigen Chancen

Als Mitveranstalter der ZAB stellen sich die neun Berufskollegs der StädteRegion Aachen den interessierten Besuchern der jährlichen Berufs- und Studienmesse an einem gemeinsamen Stand vor. Häufig ist das Berufskolleg (BK) in seiner gesamten Vielfalt passgenauer Bildungsgänge nicht bekannt oder sorgt eher für Verwirrung. Deshalb beantwortet die Schulleiterin der Käthe-Kollwitz-Schule, BK der StädteRegion Aachen in Aachen-Burtscheid, Monika Büth-Niehr, die häufigsten Fragen.

BK, ist das nicht eine Berufsschule?

Ja und nein! Die Berufsschule als klassischer Partner in der dualen Berufsausbildung ist nur ein Teil des vielfältigen Angebotes des Berufskollegs. In den Fachklassen der Berufsschule erwerben die Auszubildenden am Lernort Schule an ein bis zwei Tagen pro Woche oder im Blockunterricht die theoretischen Fachkenntnisse, die sie neben den praktischen beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sie am Lernort Betrieb erlangen, für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben benötigen. So arbeiten beide Partner, die Ausbildungsstelle und die Berufsschule, Hand in Hand im Sinne einer qualitativ hochwertigen Berufsausbildung, um die wir häufig von unseren europäischen Nachbarn und weltweit beneidet werden.

Und was unterscheidet denn nun das BK von der Berufsschule?

Das BK ermöglicht neben der oben beschriebenen dualen Berufsausbildung auch vollzeitschulische Berufsausbildungen sowie eine grundlegende Berufsorientierung. Darüber hinaus ist das Berufskolleg die einzige Schulform, in der man alle allgemeinbildenden Schulabschlüsse erwerben bzw. nachholen kann, angefangen von dem dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschluss (HS 9) über den dem Hauptschulabschluss nach Klasse 10 gleichwertigen Abschluss (HS 10), dem mittleren Schulabschluss (Fachoberschulreife, mit oder ohne Qualifikationsvermerk), der Fachhochschulreife (Fachabitur) bis hin zur allgemeinen Hochschulreife (Abitur), die man am BK im sogenannten beruflichen Gymnasium erwerben kann.

Das BK bietet die Möglichkeit der Doppelqualifikation: Was heißt das genau?

Neben der beruflichen Ausbildung (dual oder vollzeitschulisch) hat jede*r Lernende die Möglichkeit, bisher noch nicht erworbene Schulabschlüsse nachzuholen bzw. zu erwerben und sich dadurch weiterzuqualifizieren. So vermittelt das BK in einem differenzierten Unterrichtssystem eine berufliche Qualifizie-rung und ermöglicht gleichzeitig den Erwerb eines allgemeinen Schulabschlusses der Sekundarstufe II, deshalb spricht man auch von der Doppelqualifikation.

Mit dem erfolgreichen Abschluss einer dualen oder vollzeitschulischen Berufsausbildung kann man außerdem z.B. in Verbindung mit einem zusätzlichen Abschluss in einer einjährigen Fachoberschule (Klasse 12) ein Studium an einer Fachhochschule oder in Verbindung mit einer zweijährigen Fachhochschule (Klasse 12 und 13) ein Studium an einer Universität anschließen.

Und was genau ist das „Berufliche Gymnasium“? Kann man das Abitur nicht nur an Gymnasien oder Gesamtschulen erlangen?

Das berufliche Gymnasium bietet ebenso wie die dreijährigen gymnasialen Oberstufen anderer Schulen der Sekundarstufe II die Möglichkeit, den höchsten Schulabschluss, die allgemeine Hochschulreife, zu erwerben. Darüber hinaus werden im beruflichen Gymnasium zusätzlich berufsspezifische Kenntnisse und Fähigkeiten insbesondere in den beruflichen Leistungskursen und aufgrund entsprechender Praktika vermittelt.

Das vollwertige Abitur an einem beruflichen Gymnasium vermittelt die allgemeine Zugangsberechtigung zur Aufnahme aller angebotenen Studiengänge an einer Universität oder Fachhochschule und macht die Absolventen aufgrund erster qualifizierender Einblicke in bestimmte Berufsfelder in besonderem Maße für eine Ausbildung in anspruchsvollen Berufsfeldern attraktiv. Darüber hinaus haben die Absolvent*innen des beruflichen Gymnasiums schon einen konkreten Einblick in das, was in dem jeweiligen fachlichen Schwerpunkt an der Fachhochschule oder Universität erwartet wird.

Warum gibt es an einem Berufskolleg auch Studierende?

Über die berufliche Erstausbildung (dual oder vollzeitschulisch) hinaus bietet das BK auch die berufliche Weiterbildung in staatlichen Fachschulen der verschiedenen Fachrichtungen an, in der die so genannte postsekundare Aus- und Weiterbildung stattfindet, wiederum gekoppelt mit der Möglichkeit, noch nicht erreichte höhere Schulabschlüsse zu erwerben. Weil der erfolgreiche Berufsabschluss an einer Fachschule des Berufskolleg einem Bachelorabschluss einer Fachhochschule gleichwertig ist, werden die Lerner*innen an einer Fachschule auch als Studierende bezeichnet.

Die berufliche Weiterqualifizierung an einer staatlichen Fachschule, z.B. mit dem staatlichen Abschluss als Betriebswirt*in oder Techniker*in, soll dazu befähigen, Führungsaufgaben in Betrieben, Unternehmen, Verwaltungen und anderen Einrichtungen zu übernehmen. An der Fachschulen für Sozialwesen wird die vollzeitschulische Ausbildung zum*r staatlich geprüften bzw. staatlich anerkannten Erzieher*in und zum*r Heilerziehungspfleger*in angeboten.

Und wenn ich noch gar nicht weiß, wie es nach der Sekundarstufe I, also nach der Klasse 9 oder 10, weitergehen soll?

Für junge Menschen, die noch nicht so sicher sind, wo ihre Stärken und beruflichen Interessen liegen, bietet das Berufskolleg die sogenannte „Berufliche Orientierung“ an, verbunden mit der Möglichkeit, die gesetzliche Schulpflicht der Sekundarstufe II zu erfüllen. In den Bildungsgängen der Ausbildungsvorbereitung können verschiedene Be-rufsfelder kennengelernt werden und falls nötig auch noch der fehlende Schulabschluss (HS 9) nachgeholt werden. So können die Chancen auf einen Ausbildungsplatz auch gemeinsam mit außerschulischen Institutionen deutlich erhöht werden.

Die Bildungsgänge der einjährigen Berufsfachschulen bieten die Möglichkeit, neben dem Erwerb beruflicher Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten auch die allgemeinbildenden Schulabschlüsse (HS 10 und mittlerer Schulabschluss, der Fachoberschulreife) zu erwerben, um die persönlichen Chancen für eine Berufsausbildung zu erhöhen.

Die zweijährigen Berufsfachschulen mit vollzeitschulischer Berufsausbildung nach Landesrecht bieten die Möglichkeit des Berufsabschlusses z.B. zum*r staatlich geprüften Kinderpfleger*in oder Sozialassistent*in bei gleichzeitigem Erwerb des mittleren Schulabschlusses (Fachoberschulreife).

Praktika-Erfahrung

Die Bildungsgänge der Fachoberschule und der zweijährigen Berufsfachschule mit FHR (häufig auch als „Höhere Berufsfachschule“ bezeichnet) bieten die Möglichkeit des Erwerbs der Fachhochschulreife in Verbindung mit dem Erwerb von beruflichen Kenntnissen durch einschlägige halbjährige bzw. einjährige Praktika. Durch die einschlägigen Praktika-Erfahrungen verbunden mit der Vermittlung fundierter Kompetenzen in den berufsbezogenen Unterrichtsfächern steigt die Attraktivität der Absolventen dieser Bildungsgänge für eine anspruchsvolle Berufsausbildung. Gleichzeitig wird die Zugangsberechtigung zum Studium an Fachhochschulen erworben.

Welches der neun Berufskollegs der StädteRegion Aachen ist denn das richtige für mich?

Die neun Berufskollegs an zehn Standorten in der StädteRegion bieten entweder als sogenannte Bündelschulen oder als BK mit eindeutigem Schwerpunkt duale und vollzeitschulische Aus- und Weiterbildungen sowie die berufliche Orientierung in insgesamt sieben Fachbereichen der beruflichen Bildung an. Das individuelle Interesse an einem speziellen Beruf und die persönlichen Neigungen sollten also die Auswahl des geeigneten Berufskollegs bestimmen.

In alphabetischer Reihenfolge sind das folgende Fachbereiche:

- Agrarwirtschaft, z.B. Landwirt*in, Gärtner*in

- Ernährungs- und Versorgungsmanagement, z.B. Berufe des Gastgewerbes und des Lebensmittelhandwerks

- Gestaltung, z. B. Augenoptiker*in, Elektrotechniker*in, Mediengestalter*in bis hin zum*r Zahntechniker*in

- Gesundheit/Erziehung und Soziales, z.B. Kinderpfleger*in, Sozialassistent*in, Erzieher*in und Heilerziehungspfleger*in

- Informatik, z.B. IT-Fachinformatiker*in, Systeminformatiker*in und Informationstechnische*r Assistent*in

- Technik/Naturwissenschaften, z.B. Bautechnik, Chemielaborant*in, KFZ-Mechatroniker*in, Berufskraftfahrer*in, Tischler*in,

- Wirtschaft und Verwaltung, z.B. Automobilkaufleute, Industriekaufleute, Drogerist*in, Steuerfachangestellte, medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte

Welches der neun Berufskollegs der StädteRegion Aachen welchen Fachbereich abdeckt, erfahren Sie beim Besuch des gemeinsamen Informationsstandes der BKs im Eurogress oder bei einem Blick auf die jeweilige Homepage der einzelnen Berufskollegs.

Was macht denn das Berufskolleg darüber hinaus so besonders?

Der Unterricht am Berufskolleg ist in allen Bildungsgängen, ob dual oder vollzeitschulisch, geprägt durch die enge Verzahnung von Theorie und beruflicher Praxis. Neben den allgemeinbildenden Lernhinhalten steht das Lernen im Team sowie das Lernen an berufs- und betriebstypischen Handlungssituationen im Mittelpunkt. Dieser allgegenwärtige Berufsbezug wirkt sich bei den Lernenden äußerst positiv auf Engagement, Motivation und individuellen Lernerfolg aus. Unterstützung bekommen die Lernenden durch die große Erfahrung der Berufskollegs bei der Beratung, Begleitung und Förderung junger Menschen auf ihrem Weg in die berufliche Karriere ebenso wie auf dem Weg der Persönlichkeitsentwicklung.

Die Berufs- und Studienmesse ZAB bietet an zwei Tagen eine besonders intensive Möglichkeit der Information und Beratung, um die Grundlagen für ein erfolgreiches Bildungs- und Berufsleben zu legen.

Kommen Sie vorbei, informieren Sie sich frühzeitig und lassen sich umfassend von Fachleuten der beruflichen Bildung beraten! Sie sind herzlich willkommen!

Weitere Infos

www.berufskolleg-aachen.de

www.schulministerium.nrw.de/docs/Schulsystem/Schulformen/Berufskolleg/index.html

www.schulministerium.nrw.de