Kreis Aachen: Aus Bleienten werden flinke Seepferdchen

Kreis Aachen: Aus Bleienten werden flinke Seepferdchen

Klar, am Anfang hat auch Jodie Wasser geschluckt. Hat gehustet und geprustet, hat ein wenig Angst gehabt und wild mit den Armen gerudert.

Das ist sogar erst ein paar Tage her. Doch mittlerweile macht die Neunjährige im Wasser eine ganz andere Figur. Ohne Hilfe gleitet sie sicher durch das Becken des Baesweiler Hallenbades und ist auf dem besten Weg, sich bald ihr „Seepferdchen”-Frühschwimmerabzeichen an den Badeanzug nähen zu können.

Dann ist sie nicht mehr Teil einer stetig wachsenden und längst nicht mehr kleinen „Minderheit”: Gut 30 Prozent der unter 14-Jährigen in NRW können laut aktuellen Studien nicht schwimmen. Tendenz steigend.

„Dringend etwas tun”

„Wir müssen etwas tun”, sagt Oliver Ernst Greven, „und zwar dringend.” Der 34-Jährige ist Mitglied des Leitungsteams der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes. Also einer, der sich mit Wasser und Schwimmen auskennt. Auch als Geschäftsführer des Kreissportbundes Aachen.

Beide Ämter hat er nun kombiniert und beteiligt sich mit Schwimmkursen an der Initiative „Quietschfidel” der Lan- desregierung. Ausbildung von Übungsleitern und Lehrpersonal, ein flächendeckendes Bäderangebot und mehr Schwimmkurse sind deren Ziele.

Dafür winken Zuschüsse. So ist es möglich, dass derzeit 23 Kinder in zwei Kursen im Baesweiler Bad an das Schwimmen herangeführt werden und pro Kopf nur zehn Euro dafür zahlen. Mit Erfolgsgarantie obendrein. Greven: „Wer innerhalb von den zehn Tagen im Kurs das Seepferdchen nicht schafft, kann mit uns so lange weiter üben, bis er es packt.” Und packen, da ist er zuversichtlich, können es letztlich alle.

Obwohl er vieles beobachtet, was ihn besorgt. „Es gibt immer mehr Kinder, die sich einfach nicht mehr richtig bewegen können, die große motorische Probleme haben.” Und besonders beim Brustschwimmen, das in der Regel der erste Schwimmstil ist, den Kinder kennenlernen, komme es auf die Koordination der Gliedmaßen an.

Hinzu komme bei vielen - auch älteren - Kin- dern eine Angst vor dem Wasser, weil sie das nicht kennen. Greven: „Es gibt etliche Kinder, die mit ihren Eltern nie ins Schwimmbad gehen.” Deshalb springen die Kleinen im Kurs auch nicht ins kalte Wasser, sondern tasten sich langsam hinein.

Tauchen erst mal nur bis zum Mund unter und machen Luftblasen. Es kann dauern, bis die ersten Schwimmbewegungen folgen, doch zahle sich solche Langsamkeit aus. Greven: „Dann verschwindet die Scheu auf jeden Fall.”

Eine gewisse Scheu sollen auch die mit dem Schwimmsport befassten Vereine verlieren. Und zwar die Scheu voreinander. „Im nächsten Jahr wollen wir vom Sportverein bis zur DLRG alle an einen Tisch bringen und schauen, was wir machen können”, sagt Greven, „damit das Schwimmen eine Selbstverständlichkeit wird.”

Mehr von Aachener Zeitung